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24.07.2016
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Weihbischof Dieter Geerlings.

Weihbischof Dieter Geerlings.

"Kirche beansprucht keinen rechtsfreien Raum"

Geerlings verteidigt Kirchenasyl als "Notfall-Intervention"

Berlin / Köln / Bistum. Weihbischof Dieter Geerlings verteidigt das Kirchenasyl gegen Kritik von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Mit dem Mittel beanspruche die Kirche keinen rechtsfreien Raum, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag (12.02.2015) dem "Kölner Stadtanzeiger".

Die Kirche wolle Flüchtlingen in einer Art Notfall-Intervention die rechtliche Prüfung ihrer Abschiebung ermöglichen. Die Rechtstreue der Gemeinden vor Ort stehe außer Frage.

Kritik an Scharia-Vergleich

Als unangemessen und äußerst unglücklich wies Geerlings eine Aussage de Maizières zurück, die das Kirchenasyl in die Nähe der Scharia rückt. Im Deutschlandfunk hatte der Minister seine Kritik am Kirchenasyl mit Verweis auf das islamische Recht erklärt: "Die Scharia ist auch eine Art Gesetz für Muslime, sie kann aber in keinem Fall über deutschen Gesetzen stehen." Mit der Aussage habe der Minister "unnötig Öl ins Feuer gegossen".

Der Weihbischof sagte, beim Thema Kirchenasyl wolle die Kirche "zum Zustand zurückkehren, den wir hatten".

Just: Kirchenasyl verschafft Menschenrechten Geltung

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff sagte dem "Stadtanzeiger", de Maizière sei klug genug, um zu wissen, dass der Scharia-Vergleich hinke. Wenn Christen als letzte Maßnahme "Gefahren für das Leben" von Menschen abzuwenden suchten, beriefen sie sich nicht auf ein eigenes, gar göttliches Recht, sondern auf ihr Gewissen. Solches Handeln gelte gemeinhin als vorbildlich.

Der Ehrenvorsitzende der ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) "Asyl in der Kirche" Wolf-Dieter Just, nannte den Vorwurf einer christlichen Scharia "völlig daneben". Kirchenasyl konkurriere nicht mit weltlichem Recht, sondern verschaffe ihm Geltung.

"Wo der staatliche Schutz der Menschenrechte versagt, müssen einzelne Bürger eintreten", sagte Just der Zeitung. Das Kirchenasyl habe nichts mit christlicher Barmherzigkeit zu tun, sondern "mit der sorgfältigen Anwendung des Rechts" Vier von fünf Flüchtlingen im Kirchenasyl werde später von Gerichten ein Schutz vor Abschiebung zuerkannt.

Hüppe: Scharia das Gegenteil der Barmherzigkeit des Kirchenasyls

Der CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe sagte der "Bildzeitung", de Maizière habe "sicher keinen gelungener Vergleich" gezogen. "Das Scharia-Recht ist das Gegenteil der Barmherzigkeit, die dem Kirchenasyl zu Grunde liegt."

Beim Kirchenasyl nehmen Gemeinden oder Ordensgemeinschaften von Abschiebung bedrohte Asylbewerber auf. 2014 häuften sich die Fälle wegen steigender Flüchtlingszahlen. Nach Angaben der BAG gibt es derzeit 200 Fälle von Kirchenasyl in Deutschland.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedBischöfe kontern Unions-Kritik am Kirchenasyl (03.02.2015)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche von A bis Z: Kirchenasyl

Text: Jens Joest und KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
12.02.2015

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