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29.08.2016
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Heinrich Bedford-Strohm.

Heinrich Bedford-Strohm.

Nachfolger von Nikolaus Schneider – vorerst bis Herbst 2015

Heinrich Bedford-Strohm: "Facebook-Bischof" leitet EKD

Dresden. Heinrich Bedford-Strohm (54), Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, ist neuer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Synode der EKD wählte ihn am Dienstag (11.11.2014) in Dresden im ersten Wahlgang mit 106 von 122 Stimmen zum Nachfolger von Nikolaus Schneider. Dieser war wegen einer Krebserkrankung seiner Frau vorzeitig zurückgetreten. Die Amtszeit des EKD-Rats läuft noch bis Herbst 2015.

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, schrieb Bedford-Strohm: "Ich bin zuversichtlich, dass mit Ihrem neuen Leitungsamt für die EKD auch das gute ökumenische Miteinander seinen Fortgang findet." Das gelte auch für das Bestreben, "das Reformationsgedenken 2017 als geschichtliches Moment beider Kirchen in Deutschland zu sehen". Vor der Synode hatte Bedford-Strohm bekräftigt, 2017 als "Christusfest" mit "weitem, ökumenischem und internationalem Horizont" feiern zu wollen.

Internet-Video mit Geige

Der 1960 in Memmingen geborene Bedford-Strohm ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Als er 2011 Landesbischof wurde, nahm er seine Geige mit ins Landeskirchenamt. Kurz vor Weihnachten intonierte er im Treppenhaus ein Weihnachtslied. Sein Team nahm ein Video auf und stellte es ins Internet. Mehr als 12.000 "Youtube"-Nutzer haben es mittlerweile angesehen.

Und egal, ob sich der Theologe in einem Flüchtlingslager im Irak oder zu einem Gespräch in Bayerns Staatskanzlei aufhält: Facebook und Twitter sind dabei. Mit seiner Familie kommuniziert der Theologe über eine geschlossene Gruppe im Dienst "WhatsApp".

Für eine politische Kirche

"Für mich ist es etwas höchst Erfreuliches, wenn man über lange Distanzen am Alltagsleben der anderen teilhaben kann", sagte Bedford-Strohm, der mancherorts den Spitznamen "Padford-Strohm" trägt, vor der EKD-Synode. Doch der Schüler des ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber erinnerte auch an die mit der Nutzung des Internets verbundene Verpflichtung zur Sensibilität: "Für mich gehört zur Kommunikation immer auch Verantwortung dazu."

Womit der Theologe seiner Linie treu bleibt: Bedford-Strohm steht für eine Kirche, die sich auch mit unangenehmen Positionen in die Debatte einmischt. Für eine Kirche mit politischem Bewusstsein, die auf die Ereignisse der Welt aktuell reagiert.

Gegen Zugeständnisse bei Sterbehilfe

Im Herbst reiste der Bischof der drittgrößten Landeskirche in den Irak und trat für die Schaffung einer Schutzzone für syrische Christen und Jesiden ein. Viele Friedensbewegte seiner Kirche stieß er damit vor den Kopf – doch am Ende veröffentlichte der Rat der EKD eine Erklärung, die sich die Position Bedford-Strohms ausdrücklich zu eigen machte.

Auch in der Debatte um die Beihilfe zum Suizid spricht er Klartext: Wo der bisherige Ratsvorsitzende Schneider eher den Einzelfall in den seelsorgerlichen Blick nahm und mit unscharf wirkenden Positionen auftrat, äußert sich Bedford-Strohm eindeutig. "Wir werden dem Töten nie eine öffentliche Legitimation geben", sagte er in einem Interview. "Das aber wäre der Fall, wenn wir dem organisierten assistierten Suizid freie Bahn lassen oder aktive Sterbehilfe legalisieren."

Sozialethiker und Münchner – wie Kardinal Marx

Von Haus aus ist Bedford-Strohm, vor seiner Bischofswahl Professor in Bamberg, Sozialethiker. Damit bearbeitet er ähnliche Themen wie der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx – der ebenfalls in München sitzt. Beide pflegen einen engen, freundschaftlichen Austausch, und verfassten federführend das im Frühjahr erschienene neue Sozialwort der Kirchen.

Darin setzte sich der Lutheraner für eine Verbindung von Ökologie und sozialer Gerechtigkeit ein. "Wir haben nicht mehr Rechte auf Ressourcen als andere Länder oder künftige Generationen", sagte Bedford-Strohm. Auch für die Schaffung neuer Arbeitsmarktinstrumente für Langzeitarbeitslose oder die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns machte sich der Theologe stark.

Vorerst steht Bedford-Strohm nur für ein Jahr an der Spitze des EKD-Rats. Doch rechnen Beobachter damit, dass er 2015 im Amt bestätigt wird, zumal er bereits der dritte Vorsitzende seit 2009 ist. Dann würde die EKD bis 2021 von München aus gelenkt.

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Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, pd, jjo
Foto: Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
11.11.2014

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