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26.06.2016
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Weihbischof Heinrich Timmerevers.

Weihbischof Heinrich Timmerevers.

"Aktive und gewollte Selektion menschlichen Lebens"

Timmerevers attackiert PID-Beschluss der Bundesregierung

Berlin / Vechta. Die Verordnung zur Durchführung der Präimplantations-Diagnostik (PID) leistet "der aktiven und gewollten Selektion menschlichen Lebens weiter Vorschub". Mit diesen Worten hat Weihbischof Heinrich Timmerevers am Donnerstag (15.11.2012) in Vechta die Verabschiedung der Verordnung durch das Bundeskabinett attackiert. Der Beschluss zeige, "dass ein zunehmender Teil unserer Gesellschaft Menschen mit einer Behinderung, einer schweren Einschränkung oder Erkrankung von vornherein vom Leben ausschließen will", heißt es in einer Erklärung des Weihbischofs.

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch (14.11.2012) die Rechtsverordnung auf den Weg gebracht, die Details des PID-Gesetzes regeln soll. Der Bundesrat muss noch zustimmen, mehrere Bundesländer haben – wie die Kirchen – Bedenken angemeldet.

Kirchen-Kritik an Rechtsverordnung

Bei einer PID werden künstlich erzeugte Embryonen vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter auf Gen-Defekte untersucht und gegebenenfalls vernichtet. Laut Gesetz von Mitte 2011 ist die Methode zulässig, wenn mindestens ein Elternteil Anlagen für eine schwere Erbkrankheit in sich trägt, mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist. Eine Ethik-Kommission der Klinik, in der der Eingriff erfolgen soll, befindet im Einzelfall, ob die PID zulässig ist.

Kirchenvertreter kritisieren, die Verordnung gehe über den Geist des Gesetzes hinaus. Dieses habe die PID eng begrenzen wollen. Dagegen sehe die Verordnung keine Höchstzahl von PID-Zentren vor. Es wird befürchtet, dass sich Eltern an die nächste Klinik wenden, wenn ihnen die PID andernorts verwehrt bleibt.

"Ein Schlag ins Gesicht"

Timmerevers erklärt, natürlich habe der Staat eine Verantwortung, "dem werdenden Leben oder auch den Eltern Leid zu ersparen". Das Leben mit schwerwiegender Behinderung könne "mitunter sehr leidvoll" sein. Doch wer gebe das Recht, bereits zu Beginn des Lebens eine Entscheidung "gegen das Leben zu treffen?", fragt der Weihbischof.

Ein solches Recht sei "ein Schlag ins Gesicht" der Eltern, die "ein krankes Kind annehmen und ihm Raum zum Leben schenken, und wenn es noch so kurz ist". Zudem sieht Timmerevers einen "Schlag ins Gesicht" von Menschen mit Behinderung, die fürchten müssten, ihr Leben werde in Deutschland zunehmend verfügbar.

Der Weihbischof pocht in der Erklärung auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Ohne diese Überzeugung "verliert ein Staat seine Menschlichkeit und das Christentum sein Gesicht". Timmerevers fordert eine gesellschaftliche "Kultur des Willkommens und Angenommenseins", in der auch Eltern und Familien mit behinderten Kindern unterstützt werden.

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