
Bischof Felix Genn dankte Böcker in seiner Predigt für dessen langes priesterliches Wirken im Bistum Münster.
Genn dankt Domkapitular Böcker zum Goldenen Priesterjubiläum
"Es ist schön, Knecht Christi zu sein"
Bistum. Bischof Felix Genn hat Domkapitular Walter Böcker für alles gedankt, was er für die Kirche von Münster getan hat, und ihn zugleich gebeten, es weiter zu tun. "Soweit Sie die Kraft haben, werden Sie in diesem Dienst bleiben, weil Sie wissen, dass es schön ist, Knecht Christi zu sein", würdigte Genn den längjährigen Leiter des bischöflichen Seelsorgeamtes aus Anlass seines Goldenen Priesterjubiläums am Sonntag (05.02.2012) in Münster.
Böcker feierte sein Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Überwasser-Kirche, zu dem viele Verwandte, Freunde und Weggefährten aus dem Bistum Münster und darüber hinaus gekommen waren. Er dankte vor allem Gott für die vergangenen 50 Jahre und räumte ein, dass es in dieser Zeit "Gelungenes und Versagen, Glaube und Unglaube" gegeben habe.
In seiner Predigt erinnerte Bischof Genn daran, dass der altesttamentlicher Hiob das Leben als Schinderei und Kriegsdienst betrachtet habe. "Je älter wir werden, desto schneller scheint es fortzuschreiten", so der Bischof. Für Böcker aber sei das Leben etwas anderes als Hetze, Stress und Schinderei. Er bezog sich auf Böckers Primizspruch aus dem paulinischen Timotheus-Brief : "Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen." (1 Tim 1,12) Genn erklärte, der Domkapitular mache sich die Worte des Paulus zu eigen, der dem danke, der ihm die Kraft zur Verkündigung gegeben und ihn für treu gehalten habe.
"Unerkannter Mitgeher"
Walter Böcker habe Jesus Christus als "unerkannten Mitgeher" auf den Wegen seines Lebens an seiner Seite gwusst, unterstrich der Bischof. In seiner langen Dienstzeit habe er sicherlich manche Verletzungen, aber auch viel Freude erlebt. "So ist die Freude des Karnevals für Sie auch nicht Jux und Dollerei, sondern Seelsorge", lobte Genn. Der Jubilar habe erkannt, dass es in der Seelsorge immer noch ganz viel zu tun gebe, und es auf das brennende Herz ankomme, das immer neu schlagen müsse. Verkündigung sei für ihn nicht Sklaverei oder ein Dienst großer Erhabenheit, sondern mit einer Nüchternheit verbunden, die Jesus selbst geprägt habe. “Sie wissen, dass Sie sich das alles nicht selbst zu verdanken haben", würdigte Genn das "offene und frohe Herz" des Jubilars.
Wenn er Gott dafür danke, dass er ihn für treu gehalten habe, so sage er damit gleichzeitig: "Ich kann nicht überschauen, was Glaube und Unglaube, Treue und Untreue war und habe vielleicht noch nicht alles erfahren, wo ich untreu war." Suchend, fragend, manchmal zweifelnd und enttäuscht habe Böcker sich in den Dienst nehmen lassen.
Bei einem anschließenden Empfang im Priesterseminar Collegium Borromaeum erinnerte Dompropst Joesef Alfers daran, dass Böcker am 2. Februar 1962 vom damaligen Nuntius Corrado Bafile geweiht worden war. Im Laufe seines priesterlichen Lebens habe er dann viele Ämter und Aufgaben übernommen. Bemerkenswert seien dabei sowohl sein gutes Aussehen wie seine Kompetenz gewesen. "Sobald er irgendwo auftauchte, verwischten sich die Strukturen, und das Chaos fing an", fügte Alfers humorvoll hinzu.
Zahlreiche Aufgaben
Über seine zahlreichen wichtigen Aufgaben im Namen des Bistums hinaus habe der Jubilar auch immer wieder die Brücke zum Karneval in Münster geschlagen. “Auf diese Weise kommt der westfälische Humor auf dem christlichen Mistbeet richtig zum Blühen", meinte der Dompropst schmunzelnd.
Der längjährige Seelsorgeamtsleiter des Bistums Osnabrück, Prof. Heinrich Jacob, bezeichnete Böcker als "menschlich zugeneigt und zielbewusst". "Er ist für mich der Inbegriff eines Hirten", betonte Jacob. Böcker habe gezeigt, dass der Glaube über das Herz kommen müsse und nichts schlimmer sei als kalter Glaube. "Er ist aber auch ein Mensch, der die Sprache von heute spricht, und er antwortet auf die Sorgen und Nöte der Menschen von heute ", hob der Gast aus Osnabrück hervor. "Er hat der Pastoral den Königsweg gezeigt – den Weg der Hirten und den Weg Jesu." Er sei von ihm bewegt worden und habe von ihm gelernt, bescheinigte Jacob seinem ehemaligen Kollegen.
Gesponsortes Theologiestudium
In seiner Dankesrede schilderte Domkapitular Böcker, wie schwierig es für ihn als Arbeiterkind gewesen war, die höhere Schule zu besuchen. Sein Großvater habe ihm den Schulbesuch schließlich finanziert, und nach der Mittleren Reife habe er zunächst eine kaufmännische Lehre gemacht. Dann habe ihn der damalige Kaplan Hageböck entdeckt und ihm mit Hilfe von Sponsoren das Studium auf dem Ludgerianum ermöglicht. Böcker bekannte, er habe in den Semesterferien in allen möglichen Betrieben gearbeitet, um sein Studium zu finanzieren, und sogar unter Tage Kohle mit abgebaut.
"Und dann gab es auch damals schon die Zölibatsfrage, und auch damals gab es schon schöne Mädchen", fügte er schmunzelnd hinzu. Zu dieser Zeit habe man solche weitreichenden Entscheidungen aber noch leichter treffen könne, weil sie von der Gesellschaft getragen wurden. "Das Problem heute ist, dass die Gesellschaft und die meisten Familien das nicht mehr mittragen, ja die Eltern oft den größten Widerstand leisten", kritisierte Böcker. "Ich will mit meiner Entscheidung für Priestertum und Zölibat dokumentieren, was mir mein Glaube an Jesus Christus wert ist."
Der Jubilar bekannte, es sei an allen seinen Stellen schön gewesen, "aber die schönste Stelle war Xanten." Als der damalige Bischof Reinhard Lettmann ihn zum Seelsorgeamtsleiter habe bestellen wollen, habe er zunächst entschieden abgelehnt, sich später aber doch noch überzeugen lassen. Rückblickend auf sein ganzes Wirken könne er von sich sagen: "Ich habe das getan, was ich konnte."
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Text: Gerd Felder | Foto: Gerd Felder
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