
Umrankt vom Weinstock: das Hofkreuz Brockhaus in St. Vitus Löningen.
Mein Denkmal und ich (280): Das Hofkreuz in Löningen-Winkum
Aus Stahl und voller Weintrauben
Löningen. Zurzeit ist das Hofkreuz kaum zu sehen. Im Herbst, zur Traubenzeit, hat das Kreuz aus Stahl vor dem Hof von Dirk Brockhaus in Löningen eben seine besondere Zeit. Ein Weinstock rankt sich daran empor, die Trauben müssen jetzt gelesen, geerntet werden.
Weintrauben sind auf diesem Hof nicht alltäglich. Dirk Brockhaus arbeitet in einer Berufsschule, wo er Landwirtschaft, Religion und Englisch unterrichtet, seine Frau kümmert sich vor allem um die Milchschafe: Deren Milch wird verkäst, der Käse auf dem Wochenmarkt verkauft.
Wieso nun ein Weinstock im Hofkreuz? Auf dem Hof in der Bauerschaft Winkum im oldenburgischen Löningen gab es schon seit Generationen ein Hofkreuz, immer aus Holz. Das vorige war schließlich verrottet, drohte im Sturm zu kippen. Ein neues, standfestes sollte her. Dirk Brockhaus ließ sich vom örtlichen Schmied deshalb einen vier Meter hohen Stahlrahmen in Kreuzform schweißen.
Dirk Brockhaus. |
Ungewöhnliche Lösung
Bei dem Korpus war die Familie zunächst ratlos. Die Angebote in Versandkatalogen seien ihm und seiner Frau oft "zu kitschig" erschienen, Auftragsarbeiten bei Künstlern waren zu teuer.
Spontan kam Ingrid und Dirk Brockhaus schließlich der Gedanke zu einer ungewöhnlichen Lösung: Sie setzen einen Weinstock in das Kreuz. Angeregt durch das Christuswort "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben" (Johannes 15,5).
Für Dirk Brockhaus ein Gleichnis, das an seinem Kreuz deutlich werde: Im Winter zeige der Weinstock nur noch abgestorbenes Holz, wirke tot, das Kreuz zeige dann nur den Stahlrahmen. Im Frühling treibe der Weinstock auf einmal wieder neu aus. "Und im Sommer durchdringt er mit seinen Zweigen und Blättern das ganze Kreuz". Da gelte es zu beschneiden und zu gestalten. Und auch zu düngen. Denn die Familie Brockhaus schneidet in der Weinlese die Trauben, erntet die Früchte.
Den Weinstock hat Dirk Brockhaus von einem Winzer gekauft und sich dabei ausführlich beraten lassen. "Wir wollten eine blaue Traube haben, die gut trägt. So ist es ein Dornfelder geworden. Der erinnert uns jetzt über das Jahr hinweg an Tod, Frucht tragen und Auferstehung", sagt er.
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