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25.05.2012
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Die Auferweckung des Jünglings von Naim gibt Hoffnung.

Die Auferweckung des Jünglings von Naim gibt Hoffnung.

Streifzug über den Friedhof von Marienthal

Ein Friedhof voll österlichen Lebens

Marienthal. Sie sind "Höfe des Friedens", die Friedhöfe. Aber das Wort hat eigentlich eine andere Bedeutung: das Wort "Friedhof" kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet "eingefriedeter Bezirk", also ein Raum, der von der übrigen Umgebung abgetrennt und eingezäunt ist. In der Antike lagen die Begräbnisstätten außerhalb der bewohnten Ortschaften. Im frühen Mittealter wurden dann die Toten entweder in den Vorräumen von Kirchen oder in der unmittelbaren Umgebung einer Kirche oder Kapelle bestattet; solche "Kirchhöfe" findet man noch heute in der unmittelbaren Umgebung von Kirchen, nicht nur im Alpengebiet, wo solche kirchnahen Begräbnisorte neben kleinen Dorf- Kirchen zu finden sind, sondern zum Beispiel auch in Marienthal bei Wesel. Die Klosterkirche dort gehörte ursprünglich den Augustiner-Eremiten, heute lebt dort die Klostergemeinschaft der Karmeliter.

Die Grablegen auf Klosterfriedhöfen, auf denen auch Laien beerdigt werden konnten, waren sehr begehrt. Und weil wegen der Bestattungsrechte früher häufig Streitigkeiten zwischen Pfarrerein und Klöstern entstanden, waren die Friedhöfe bisweilen eher Orte des Unfriedens als Orte des Friedens. Das ist heute anders, und im Schatten der Klosterkirche ruhen viele Menschen auf diesem Friedhof, den man mit Fug und Recht als "schönen" Friedhof bezeichnen kann, auch wenn "schön" als Bezeichnung eines Friedhofs vielleicht etwas ungewöhnlich ist. Friedhöfe sind gepflegt oder ungepflegt, Gärten oder Steinwüsten (wie z.B. in unseren Nachbarländern, wo auf dem Grab eine große Steinplatte liegt; kein Schmuck, keine Blumen). Aber schön? Oder hässlich?

Alleluja! – Auferstanden bin ich und allezeit bei dir.

Schön

Der Friedhof in Marienthal ist schön; natürlich ist er sehr gepflegt, mit reichem Blumenschmuck, und kein einziges Grab macht da eine Ausnahme. Die lebenden Angehörigen  müssen wohl über den Tod ein enges Verhältnis zu ihren Toten haben. Blumen schenkt man in der Regel befreundeten Menschen zum Geburtstag, zum Jubiläum, zu einem Fest; hier in Marienthal schenken die Lebenden den Toten bunte Blumen.

Bunt sind auch die Denkmäler, die ausnahmslos einen hohen künstlerischen Wert haben: bunte Mosaiksteine auf einigen Denkmälern; unterschiedlich farbige Sandsteine, aus denen einige Denkmäler geschlagen sind; und über allem die dunkelroten Backsteinwände der Klosterkirche. Jedenfalls: Wer diesen Friedhof besucht, bekommt ein neues, geläutertes Verhältnis zu Tod und Sterben. Die Denkmäler sprechen für sich, sie sprechen vom Leben, das stärker ist als der Tod. Und sie sprechen von der Liebe, mit der die Lebenden das Andenken an die Toten wachhalten.

Wir müssen von Pfarrer Augustinus Winkelmann sprechen; ohne ihn gäbe es diesen wunderbaren Friedhof nicht. Er war von 1924 bis 1950 Pfarrer der Gemeinde Marienthal; dort starb er 1954 und wurde auf "seinem" Friedhof begraben. Das Denkmal enthält nur seinen Namen und das Christus-Monogramm. Auf einer Grabplatte vor dem Hochaltar im Innern der Klosterkirche ist sein Name in eine Grabplatte gemeißelt, die ursprünglich für den Prior des Klosters bestimmt war. Auf der Platte steht das Wort "Helft mir danken"; da wird der Betrachter nachdenklich.

Gläubig

Am Eingang zum Friedhof stehen auf dem Tor die Worte "Mors Porta Vitae": Der Tod ist das Tor zum Leben. Und ein Engel aus Bronze, geschaffen von dem Künstler Eugen Senge-Platten, lädt die Lebenden ein, durch das Tor zu gehen. Das ist die Bestimmung eines jeden Menschen, diesen Weg einmal  zu gehen. Der Engel macht Mut, auch wenn am Friedhofstor ein Relief des kreuztragenden Christus von dem berühmten Künstler Hans Dinnendahl bestätigt, dass das Leben auch sehr mühsam und dunkel sein kann.

Sitz der Weisheit – eine Mariendarstellung im romanischen Stil.

Viele bekannte und weniger bekannte Künstler haben hier ihre gläubigen Spuren hinterlassen; Namen wie Albert Reinker, Joseph Krautwald, Guido Löchteken, Lucy Vollbrecht-Büschlepp und viele andere, die wir schon aus Platzgründen nicht alle aufzählen können. Erwähnt sei aber noch Hildegard Bienen, der wir eine ganze Reihe von ausdrucksstarken Grabdenkmälern in Marienthal verdanken. Sie hat sich auch selbst das Grabdenkmal ihres eigenen Grabes geschaffen, eine Mariendarstellung "Sitz der Weisheit", die seit dem Tod von Hildegard Bienen 1990 auf ihren Grab steht; eine reiche, außerordentlich sehenswerte Reihe von Kunstwerken von Hildegard Bienen befindet sich übrigens in der Kirche St. Paul in Bocholt.

Dass die Tradition künstlerisch und theologisch überaus wertvoller Grabmäler bis heute fortgesetzt wird, zeigt, dass der Friedhof von Marienthal ein sehr lebendiger Ort gegenwärtigen Gedenkens ist.

Manchmal sind die Darstellungen von den Taufnamen oder Familiennamen inspiriert; die Familie Laurenz hat auf dem Familiengrab das Bild des heiligen Laurentius stehen (von Hildegard Bienen), Familie Franz Hörnemann einen heiligen Franziskus (von Edmund Weßling), Familie Bernhard Buschmann einen heiligen Bernhard von Clairvaux ( von Joseph Jaekel), Familie Matthias Leiers ein Bild des Apostels Matthias (von Hubert Schöllgen) und andere. Auch zahlreiche schöne Mariendarstellungen sind zu finden.

Eindrucksvoll sind die vielen Hinweis auf den österlichen Glauben von Christen: die Auferstehung Christi von den Toten; die Liedstrophe "Der Herr erstand in Gottes Macht, hat neues Leben uns gebracht"; das Lied "Wir sind nur Gast auf Erden"; der Lebensbaum ...

Österlich

Einige Darstellungen des Friedhofs werden auf den Bildern oben gezeigt. Aber alles ist nur eine sparsame Auswahl aus der vielfältigen Osterverkündigung des Friedhofs. Es klingt vielleicht etwas banal, aber am besten ist es, wenn Ihr Weg Sie nach Marienthal führt. Sie werden den Friedhof mit der gläubigen Erkenntnis verlassen, dass Ostern der endgültige Sieg über den Tod ist.

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