
Die Gäste aus dem Dekanat Ibbenbüren Anna-Lena Himstedt (vorne links), Victoria Heeke (dritte von rechts) und Marion Dierkes (zweite von rechts) mit ihrer Gastfamilie.
Drei Pilgerinnen im "Abenteuer Großfamilie"
"Was da ist, wird geteilt"
Pamplona. "Topflappen", sagt Anna-Lena Himstedt stolz, "die sind bisher in allen Gastfamilien gut angekommen." Die Pilgerin aus Ibbenbüren ist sicher, mit ihrem Gastgeschenk die richtige Wahl getroffen zu haben. Für fünf Tage lebt sie nun mit ihren beiden Freundinnen Victoria Heeke und Marion Dierkes aus Püsselbüren bei Familie Alfaro-Gutiérrez in Baranain, einem Stadtteil von Pamplona.
Ein volles Haus – das ist die zehnköpfige spanische Familie gewohnt. "Wir haben sechs Töchter und zwei Söhne", sagt Gastmutter Matilde. Sie nimmt ein Familienfoto von der Kommode und beginnt aufzuzählen: "Cristina, Javier, Rocio, Ana, Beatriz, Carmen, Luis und Elena." Die älteste Tochter ist 28 Jahre alt, die Jüngste 11. Fünf der Kinder leben noch zu Hause. Matilde arbeitet als Lehrerin, ihr Mann Javier beim Gericht. Und jetzt kommen die deutschen Pilgerinnen dazu. Da ist es morgens sicher hektisch, oder? Marion Dierkes schüttelt den Kopf. "Stress im Bad gibt es hier nicht", sagt die 21-Jährige, "die Familie hat drei Badezimmer."
Voller Frühstückstisch
Auch am Frühstückstisch bleiben keine Wünsche offen: Kaffee, verschiedene Säfte, Melonen, Brötchen, Kekse, Zwieback, Cornflakes, Käse. "Greift zu", lädt Gastmutter Matilde ihre Schützlinge ein. "In Navarra, der Region hier, isst man viel", berichtet sie. Anna-Lena Himstedt lacht. "Das haben wir schon gemerkt. Die Gastfreundschaft ist überwältigend."
Und noch eines wird deutlich: Die Spontanität der Spanier. "Wir haben vor drei Tagen erfahren, dass wir Gäste aufnehmen", sagt "Gast-Papa" Javier. Er und seine Frau wirken dennoch gelassen. "Wir sind auch sonst zu zehnt", sagt Matilde, "ob nun zehn oder zwanzig, oder noch mehr. Das, was da ist, wird geteilt."
Kurzfristig Gäste beherbergt
So war es auch in der spanischen Kirchengemeinde. "Wir wurden so freundlich empfangen", schwärmt Victoria Heeke. Dass die deutschen Pilger früher als erwartet ankamen, hat hier niemanden gestört. "Es gab sogar ein spontanes Frühstück", sagt die 21-Jährige. "Die Spanier nahmen uns das Gepäck ab, haben für uns gesungen und alle bekamen ein rotes Tuch umgebunden." Für Gastvater Javier ist diese Mühe selbstverständlich. "Hier arbeiten alle eng zusammen", berichtet er, "einige nehmen Jugendliche bei sich auf, andere helfen bei den Veranstaltungen. Wir wollen teilen, etwas erleben und die Kulturen anderer Länder kennen lernen."
Und was fällt den Spaniern als Erstes zu Deutschland ein? Gastmama Matilde überlegt nicht lange. "Die Ordnung der Deutschen", sagt sie dann, "und dass es häufig ernste Menschen sind." Javier fällt etwas anderes ein: "Wir singen im Chor das Heilig von Schubert", sagt er, "außerdem mag ich Fußball und kenne Franz Beckenbauer."
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Text: Katharina Deuling | Foto: Deuling
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