
Nördlich vom historischen Stadtkern Pamplonas liegt die kleine Kirche "Santa Teresa de Orvina" im Schatten der Trabanten.
Ibbenbürener Jugendliche treffen Bischof Genn in Spanien
Glauben zuhause und auf Reisen
Pamplona. Zwischen den Hochhäusern, im Bezirk Ezcaba, ist die kleine Kirche kaum zu erkennen: "Santa Teresa de Orvina" liegt im Schatten der Trabanten nördlich vom Zentrum der 200.000 Einwohnerstadt. Hohe Bäume spenden Schutz vor der Sonne und aufallend sind die vielen sauberen Spielplätze. Auch Fitnessgeräte stehen im Freien jedermann zur Verfügung. Pamplona scheint es gut zu gehen, es heißt, die Stadt habe mit den höchsten Lebenststandard in Spanien. Viele Arbeiter aus dem nahegelegenen VW-Werk leben hier.
"Der Pfarrer hat einen Radius von einem Kilometer! Der braucht kein Auto, der trifft seine Leute auch so. Das kennen wir ja in Deutschland gar nicht mehr", sagt Pfarrer Thomas Lemanski, der mit seiner Gruppe aus Ibbenbüren, Jugendlichen aus Altenberge und der Kolpingjugend Emsdetten in der Gemeinde von "Santa Teresa de Orvina" untergebracht ist. "Tage der Begegnung" – das Vortreffen vor dem eigentlichen Weltjugendtag in Madrid wird in den Gemeinden auch inhaltlich erarbeitet. Für heute hat Bischof Felix Genn seinen Besuch angekündigt.
Entspannt sitzen die Pilger vor einer spanischen Kneipe, die mit den typischen Stehtischen aus Weinfäßern verziert ist, als der Bischof mit Kaplan André Ciszewski um die Ecke biegt: "Wie fühlt ihr euch? Seid ihr hungrid?", erkundigt sich Felix Genn und schüttelt jedem die Hand: "Das Essen – wir haben so richtig typische spanische Mütter! Die machen immer zu viel", berichtet Nils Lammen aus Ibbenbüren. Die Sprache sei manchmal ein Problem, da die Spanier kein gutes Englisch sprächen," aber Kühlschrank ausräumen und drauf zeigen, funktioniert auch!" ergänzt Sonja Westkemper von der Kolpingjungend Emsdetten.
Bischof Felix Genn begrüßte die Pilger in der kleinen Kirche. Frederike Vörkel (rechts) aus Ibbenbüren übersetzte ins Spanische. |
Mit Händen und Füßen
Mit Händen und Füßen geht es anschließend mit etwa 100 Menschen in der kleinen Kirche weiter. Die Spanier sind dabei, und eine Gruppe aus Lettland. Frederike Vörkel aus Ibbenbüren übersetzt die Grußworte des Bischofs ins Spanische, wiederholt auf Deutsch für die lettische Dolmetscherin, die wiederum ihren Landsleuten das Gesagte vermittelt.
"In Christus verwurzelt, und auf ihn gegründet, fest im Glauben" – das Motto des Weltjugendtags soll in fünf Kleingruppen erarbeitet werden. Zu elft quetscht sich die internationale Gruppe mit Felix Genn in einen kleinen Konferenzraum hinter der Sakristei. Unerwartet offen berichten die Ibbenbürener und Laggenbecker von ihren Erfahrungen, zwischendurch wird übersetzt: "Bei mir war der Kindergarten unheimlich wichtig. Schon als kleines Kind haben wir da immer viel gebetet", berichtet einer. Die Messdienerarbeit sei prägend, da würde deutlich wie Glauben und Liturgie zusammenhingen, ergänzt jemand. Ein anderer erzählt von seiner Wanderung auf dem Jakobsweg und immer wieder wird Taizé genannt: "Da gibt es eine ganz kleine, ganz schlichte Kirche aus Holz. Da habe ich mich Jesus unheimlich nahe gefühlt", berichtet ein 16-Jähiger.
Glaube als Prozess
Bischof Felix Genn hört zu und nickt. Er selber habe Glauben immer als Prozess wahrgenommen: "Bereits auf den Weltjugendtagen in Toronto habe ich viele Jugendliche kennen lernen dürfen, die auch auf der Suche nach Gott sind. Ich bin jetzt 61 Jahre alt und erfahre immer wieder, wie Jesus in den Herzen junger Menschen wohnt. Ich danke euch, dass ihr mich so reich beschenkt."
Pfarrer Lemanski fasst zusammen: "Viele eurer Erfahrungen hängen mit Reisen zusammen. Wie kann man diese auch in der Gemeinde zuhause erlebbar machen?" Da müssen die Teilnehmer ersteinmal kurz nachdenken: "Ich brauche für Jesus den Kopf frei", sagt einer, "das geht besser, wenn ich allein bin". "Das geht so gar nicht", wirft eine Jugendliche ein, "im Alltag sind immer Leute um einen, die nicht so glauben. Dann ist es schwer darüber zu reden."
Probleme, die Pfarrer Lukitu Mukay aus dem Kongo nicht kennt: "Wir feiern Gottesdienst mit 5.000 Leuten", berichtet er auf Französisch. In seiner Gemeinde werde viel für Kinder und Jugendliche getan, vom Schulprojekten bis hin zu Theater und Chor: "Wir geben auch Essen aus. Es muss ja jeder satt werden!"
Beim abschließenden Abendgebet erklingt das bekannte Taizé-Lied "Ubi Caritas" – und alle 100 Menschen singen mit. Die Gespräche an diesem Nachmittag haben deutlich gemacht, wie unterschiedlich und doch aus einer Wurzel gegründet die Erfahrungen der Teilnehmer sind. Es war interessant zu erleben, auf welche verschiedenartige Nahrung Menschen im Glauben angewiesen sind.
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Text: mth | Fotos: Marie-Theres Himstedt
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