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24.05.2012
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Kardinal Antonio Maria Rouco Varela

Kardinal Antonio Maria Rouco Varela, Erzbischof von Madrid und Vorsitzender der Spanischen Bischofskonferenz sieht keine Mehrausgaben für den Staat durch den Papstbesuch.

Pilger bringen warmen Geldregen

Wirtschaftsfaktor WJT

Madrid. Spanien steckt in der Wirtschaftskrise. Die drastischen Sparmaßnahmen der Regierung bekommt derzeit jeder irgendwie am eigenen Leib zu spüren: Beamtengehälter wurden gekürzt, Renten eingefroren, die bislang vom Staat gezahlte Prämie für Neugeborene gestrichen. Die Arbeitslosenquote in Spanien liegt mit 21 Prozent etwa doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. Und mitten in die Krisenstimmung platzt in wenigen Tagen der Weltjugendtag. Die Veranstaltung, zu der bis zu 1,5 Millionen Besucher in Madrid erwartet werden, trennt die Nation in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die vor allem die Kosten des Papstbesuches kritisieren. Auf der anderen Seite freut sich die Tourismusbranche über die zu erwartenden Mehreinnahmen durch die Gäste.

Erst am Montag hatte die spanische Regierung eine für den 17. August geplante Massendemonstration verboten. 140 atheistische, laizistische reformorientierte christliche Gruppen hatten zu Protesten gegen die Kosten des Papstbesuchs aufgerufen. Auch die Protestbewegung "Demokratie Jetzt", die seit Mai gegen die Spaßmaßnahmen der Regierung protestiert, hatte zuletzt Demonstrationen gegen die hohen Kosten des Papstbesuchs für Staat und Steuerzahler angekündigt.

Eine Kritik, die Kardinal Antonio Maria Rouco Varela, Erzbischof von Madrid und Vorsitzender der Spanischen Bischofskonferenz, schlichtweg als "falsch" bezeichnet. Der Weltjugendtag werde den spanischen Steuerzahler keinen einzigen Euro kosten, da er sich über Spendengelder von Teilnehmern und Sponsoren nahezu selbst finanziere. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise seien die Ausgaben zudem möglichst gering gehalten worden, sagte Rouco. Insgesamt lägen die Kosten des Weltjugendtags zwischen 55 und 62 Millionen Euro.

Rund 100 Millionen Euro Gewinn

Unterm Strich werde der Weltjugendtag dem Land und vor allem der Hauptstadt Madrid einen Gewinn von mehreren Millionen Euro einbringen, betont der Finanzchef der Veranstaltung, Fernando Gimenez Barriocanal. Allein die Tourismusbranche in Madrid könne mit Einnahmen von rund zehn Millionen Euro rechnen. Die Veranstalter gehen davon aus, dass der Weltjugendtag Gewinne von rund 100 Millionen Euro für die angeschlagene spanische Wirtschaft einbringt.

Mit Optimismus blickt deshalb auch die Generalmanagerin für Tourismusförderung der Stadt Madrid, Beatriz Ballesteros, dem Weltjugendtag entgegen. Zwar seien die Teilnehmer meist in Familien, Pfarrgemeinden und in Schulen untergebracht, trotzdem werde das Großtreffen neuen Schwung in den Tourismussektor bringen. Nach Angaben der Madrider Hotelvereinigung ist die Zahl der Zimmerreservierungen im Vergleich zum August des Vorjahres um 150 Prozent gestiegen. Zudem profitierten vor allem Restaurants, Gaststätten und Kaufhäuser von den Besuchern, sagt Ballesteros. Von den etwa 3.000 Restaurants in Madrid biete etwa die Hälfte in Absprache mit der Weltjugendtags-Organisation spezielle Pilgermenüs an. Zwar handelt es sich dabei um kostengünstige Gerichte - aber immerhin sind es acht Millionen verkaufte Mahlzeiten mehr.

Unbezahlbare Aufmerksamkeit

Nahezu unbezahlbar ist für die Stadt Madrid jedoch die mediale Aufmerksamkeit, die mit dem Weltjugendtag einhergeht. Rund 4.000 Journalisten aus der ganzen Welt werden aus Madrid berichten, 600 Millionen Fernsehzuschauer den Papstbesuch live mitverfolgen. Vor allem mit Blick auf die Bewerbung der Stadt für die Olympischen Spiele im Jahr 2020 sei dieser internationale Werbeeffekt von hoher Bedeutung, so Ballesteros. "Für uns ist der Weltjugendtag eine hervorragende Möglichkeit, Madrid international als eine Stadt zu präsentieren, die große Events organisieren kann."

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