
Die Gindericher Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt wurde von 1280 bis 1330 errichtet.
Trost vor dem Marienbild suchen
Wallfahrtsort Ginderich bei Wesel
Ginderich. Ginderich ist der älteste und der jüngste Marienwallfahrtsort am Niederrhein. Bereits um 1190 ist die Marienwallfahrt urkundlich belegt. Nachdem sie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vom protestantischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. verboten worden war, ernannte der frühere Bischof Reinhard Lettmann Ginderich vor fünf Jahren erneut zum Wallfahrtsort. "Ein Geschenk für uns", sagen die Christen dort.
Neue Ideen: Heinrich Henrichs. |
"Wir wollen keine Konkurrenz zu den traditionellen Wallfahrtsorten Kevelaer oder Marienbaum", sagt Heinrich Henrichs, Vorsitzender des Wallfahrtsausschusses in der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt in Ginderich (Wesel). "Dort besteht seit vielen Jahrzehnten eine Infrastruktur. Wir in Ginderich wollen eine Station auf dem Pilgerweg am Niederrhein sein."
Auch wenn der 72-Jährige die Bedeutung Ginderichs im Konzert der niederrheinischen Wallfahrtsorte einzuordnen weiß, ist er stolz auf die erneute Ernennung vor fünf Jahren. "Das war ein Geschenk für Ginderich", sagt Henrichs. Ein Geschenk, das die Gindericher Gemeinde mit großem Engagement hütet. Unmittelbar nach der Ernennung zum Wallfahrtsort gründete der Pfarrgemeinderat einen Wallfahrtsausschuss.
Marienstatue in Ginderich. |
Sieben Frauen und Männer – Mitglieder des Pfarrgemeinderats und sachkundige Bürger – überlegen seitdem, wie sie der Wallfahrt Profil verleihen, sie vorbereiten und organisieren können. Der Vorsitz dieses Ausschusses lief geradewegs auf Henrichs zu. Der Ur-Gindericher, der sich sowohl in der Kommunalpolitik wie in der Kirchengemeinde zum Wohl des Orts engagiert, war wie geschaffen für diese Aufgabe. Seit seiner Jugend ist er eng mit dem kirchlichen Leben verzahnt. Ob als Vorsitzender der katholischen Jugend, als Präsident der Junggesellen, als langjähriges Mitglied im Pfarrgemeinderat, als Lektor oder Kommunionhelfer: Der Name Henrichs hat in Ginderich Gewicht.
Die Aufgabe des Vorsitzenden hat er trotz seines vollen Terminkalenders gern übernommen. Denn die Wallfahrt liegt ihm am Herzen. "Man muss das Pflänzchen Wallfahrt hegen und pflegen. Gerade in den Zeiten, in denen der Kirche der Wind rau ins Gesicht bläst", sagt er. Da müsse man Überzeugungsarbeit leisten und der Kirche nicht leichtfertig "Ade" sagen.
Die Lourdesgrotte an der Kirche. |
In den letzten fünf Jahren haben Henrichs und sein Team zahlreiche Veranstaltungen organisiert. Zum Beispiel wird nicht nur in Marienbaum, sondern auch in Ginderich die Großeltern-Enkel-Wallfahrt mit Erfolg angeboten.
Am letzten "Kirmessonntag" feierten 300 Pilger eine "Pilgerparty". Den Segen empfingen sie anschließend in der Kirche. Henrichs nutzt auch seine politischen Kontakte, um die Wallfahrt in der Stadt Wesel stärker bekannt zu machen. Im Zeitalter des boomenden Radtourismus denkt er darüber nach, am Niederrhein eine "Route Maria" ins Leben zu rufen.
Einen Verbündeten hat er in Pastor Wolfgang Derix, dem Marienbaumer Wallfahrtsseelsorger, bereits gefunden. Er selbst pilgert seit vielen Jahren mit der Gemeinde nach Kevelaer. Pilgern heißt für ihn, seine alltägliche Sorgen im Gebet vor Gott zu tragen. "Das stärkt."
Geschichte der Wallfahrt: Neuen Anfang gefunden
Aus Münster hatte Weihbischof Heinrich Janssen vor fünf Jahren die frohe Nachricht mitgebracht: Bischof Reinhard Lettmann hatte Ginderich, dem vor 365 Jahren das Prozessionsrecht entzogen worden war, wieder offiziell in den Kreis der Wallfahrtsorte des Bistums aufgenommen. Mit dieser Entscheidung hatte zu diesem Zeitpunkt keiner gerechnet. "Ich hoffe, dass diese Kirche nicht nur der Mittelpunkt der Gemeinde bleibt, sondern für jeden Einzelnen wieder mehr zum Mittelpunkt werden kann", sagte Janssen. Die Gindericher Marienwallfahrt ist bereits für das Jahr 1190 belegt und damit die älteste Marienwallfahrt am Niederrhein. Der heutige Kirchenbau wurde in den Jahren 1280 bis 1330 errichtet, und das heutige Gnadenbild stammt aus dem Jahr 1320. Im Jahr 1524 wird die Wallfahrt durch Papst Clemens VII. in einer päpstlichen Bulle bestätigt. Ihre überregionale Bedeutung verlor die Gindericher Wallfahrt 1640 durch das Prozessionsverbot des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Mit der Entscheidung von Bischof Lettmann findet sie einen neuen Anfang.
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Pfarrer Zglinnicki: Wallfahrt als Gabe erhalten
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Text: Jürgen Kappel | Fotos: Jürgen Kappel in
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