
In einer Lichterprozession zogen die Gläubigen von der Überwasserkirche zum Dom.
Seligsprechung: Vigilfeier würdigt den Mutmacher und Versöhner
Gerhard Hirschfelder: Leitendes Licht unter Irrlichtern
Bistum. In Zeiten der Irrlichter war er leitendes Licht: der schlesische Jugendseelsorger Gerhard Hirschfelder, Opfer brutaler Nazi-Gewalt mit erst 35 Jahren. Am Vorabend seiner Seligsprechung vollzogen viele Gläubige nach, was das Martyrium des Kaplans aus der Grafschaft Glatz bezeugt: Der Glaube vermag aus dem Dunkel zum Licht zu führen.
Der aus der Grafschaft Glatz stammende emeritierte Nuntius Erzbischof Erwin Josef Ender und Großdechant Franz Jung sowie eine Reihe Glatzer Priester feierten am Samstagabend (18.09.2010) mit vielen Christen die Vigil in der münsterschen Überwasser-Kirche.
Die Gläubigen bildeten mit ihren Kerzen im Dom ein Lichtermeer. |
Konsequente Nachfolge Christi
"Ich bin das Licht. Ich leucht' euch für ..." rief Christus im Lied zur Nachfolge und schenkte zugleich Orientierung: "Ich bin der Weg, ich weise wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll." Großdechant Franz Jung bestärkte die Mitfeiernden im Glauben. Lohnend sei es, im Sinne Hirschfelders "seiner Spur zu folgen, um die Spur für unser Leben zu finden". Ein Lied zu Ehren Hirschfelders wies diesen als verlässlichen Richtungsgeber aus: "Wer andren Hoffnung ist in dunkler Zeit ..."
Die konsequente Nachfolge Christi hat Hirschfelder das Leben gekostet. Darum preist die Lesung ihn und alle selig, die "um der Gerechtigkeit willen leiden" müssen, denn sie haben Suchenden die Hoffnung bezeugt, die sie erfüllt" (vgl. 1 Petr 3,14-17).
Verlässlicher Wegweiser
Mit seiner Leuchtkraft wirkt Hirschfelder als verlässlicher Wegweiser. Das bezeugt seine Lebensgeschichte, aus der Biograph Professor Hugo Goeke Buchauszüge vorstellte. Er sieht in Hirschfelder einen "Hoffnungsträger", und das in zweifacher Hinsicht. Zum einen habe er sich "mit Verständnis und Liebe gerade jungen Menschen zugewandt und mit ihnen nach Wegen gelingenden Lebens gesucht". Deshalb könne der Kaplan "heute zum Mutmacher werden für junge Menschen unserer Zeit".
Zum andern, trug Goeke weiter vor, habe Hirschfelder an Orten gewirkt, "in denen jetzt Polen leben und ihre Heimat haben". Darum könne der vorbildliche Seelsorger "uns Symbolfigur sein für Versöhnung und Vergebung und für einen Neuanfang von Menschen und Völkern miteinander". Nur fünf Tage vor seinem Tod schrieb Hirschfelder einen Brief, aus dem große Zuversicht spricht: "So wollen wir halt Gottes Willen abwarten und ein starkes Ja dazu sprechen. Er wird es schon gut machen."
Großdechant Jung segnet das Banner mit dem Porträt von Gerhard Hirschfelder |
Kerze und Fahne
Entzündete Kerzen in den Händen haltend, erfuhren die Gläubigen vom erstrebenswerten Ziel christlichen Unterwegsseins: "Wenn Gott uns heimführt aus den Tagen der Wanderschaft und heimbringt aus der Dämmerung in sein beglückendes Licht, das wird ein Fest sein!" Erzbischof Ender segnete eine große Kerze, die am Sonntag neben dem Porträt des Seligen im Dom brennen soll. Betend bat Ender um "die Kraft, wie Gerhard Hirschfelder das Leben anderer Menschen zu erleuchten". Dann segnete Großdechant Jung eine Fahne mit dem Bild Hirschfelders und deutete sie als Symbol für das mutige Zeugnis des Kaplans.
In stillem Gebet zogen die Gläubigen anschließend mit ihren Kerzen zum Dom – unter ihnen Bischof em. Reinhard Lettmann, der die Seligsprechung in Münster möglich gemacht hatte. Die Prozession beschrieb einen Lichtweg zur Kraftquelle: zum Herrn, gegenwärtig im Brot der Monstranz. Aus Christi Leib schöpfte Gerhard Hirschfelder auch im KZ Dachau Kraft, sodass er seinen Bekannten in einem Brief versichern konnte: "Gott lenkt schon unser Leben zu unserem Besten, unser Gebet hilft."
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Text: Hans-Josef Joest | Foto: Michael Bönte
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