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11.02.2012
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Missbrauch

Die neuen Richtlinien der Bischofskonferenz für Missbrauchsfälle lösen ein gemischtes Echo aus.

Verbände sehen überarbeiteten Text der Bischofskonferenz positiv

Missbrauchs-Leitlinien stoßen auf Lob und Skepsis

Bonn / Berlin. Die neuen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit sexuellem Missbrauch stoßen auf Zustimmung, aber auch auf Skepsis. Sie machten deutlich, dass "die Opfer an erster Stelle stehen und es keinen falsch verstandenen Schutz der Institution Kirche gibt", lobte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück. Er sprach von einem "klaren Signal gegen Vertuschung und Verschleierung".

Mit dem transparenten Verfahren könne Vertrauen zurückgewonnen werden, die Regeln "schaffen einen Raum, der den Opfern den Weg zu kirchlichen Stellen neu öffnet", sagte der ZdK-Präsident. Auch die Hilfen für Opfer setzten das klare Signal, dass sich die Kirche ihrer Verantwortung stelle. Glück zufolge zeigen die Richtlinien "in aller Klarheit", dass es für Täter keinen Platz in der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gebe.

BDKJ und Bundesregierung begrüßen Text

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend sprach von einer notwendigen Verschärfung. Die Regelungen böten "einen besseren Schutz für junge Menschen", sagte der Bundesvorsitzende Dirk Tänzler. "Wir dürfen aber jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen." Die Bischöfe müssten für eine lückenlose Aufklärung sorgen und sich einem offenen Dialog über die Zukunft der Kirche stellen.

Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte auf Anfrage, man begrüße die Präzisierungen und hoffe auf eine rasche Umsetzung. Die neuen Leitlinien seien ein Fortschritt im Prozess der Aufarbeitung und Prävention.

Justizministerin skeptisch

Skeptisch äußerte sich Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie lobte das Bemühen um Klarstellung, sah aber zugleich in Einzelpunkten verbleibende Unklarheit. Die FDP-Politikerin sagte, es werde nicht ganz deutlich, wie in der Kirche mit Fällen umgegangen werden solle, in denen das mutmaßliche Opfer der Einschaltung der Staatsanwaltschaft ausdrücklich widerspreche.

Außerdem bleibe unklar, ob innerkirchliche Voruntersuchungen künftig ausgesetzt werden, um Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu behindern. Sie verwies darauf, dass der "Runde Tisch Missbrauch" der Bundesregierung Leitlinien zur Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden vorschlagen werde. Diese seien als Handlungsempfehlung für alle betroffenen Institutionen gedacht.

Familienministerin zufrieden

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sprach derweil von einem "wichtigen Signal": "Die katholische Kirche geht den richtigen Weg, wenn sie für die Opfer und deren Angehörigen Hilfen anbietet oder vermittelt." Die frühzeitige Einschaltung staatlicher Verfolgungsbehörden sei ein notwendiger Schritt. Schröder und Leutheusser-Schnarrenberger sitzen mit am Runden Tisch.

Die Missbrauchs-Beauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann (SPD), hält die Leitlinien für einen "Schritt nach vorn". Sie müssten "wirklich ganz konsequent umgesetzt" werden, sagte sie im Südwestrundfunk. Bergmann kritisierte allerdings, es sei nicht klar, ob ein diözesaner Missbrauchs-Beauftragter der Kirche als Dienstgeber unterstehen könne. Um eine möglichst unabhängige Aufklärung zu gewährleisten, sei es am besten, eine "Person von außen" zu benennen.

Missbrauchs-Beauftragte lobt Anzeige-Regelung

Zufrieden zeigte sich Bergmann mit der Regelung zur Anzeigepflicht. Viele Beratungsstellen berichteten, dass mutmaßliche Opfer keinen Strafantrag wünschten, weil sie sonst "in große Konflikte" gerieten. In allen anderen Fällen sehen die Richtlinien eine Anzeigepflicht vor.

Zur Frage finanzieller Entschädigungen von Opfern betonte Bergmann, die Kirche könne für sich selbst Regelungen treffen. Auf den Runden Tisch "muss niemand warten". Der Missbrauchs-Beauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, hatte betont, die Kirche wolle am Runden Tisch mit anderen Organisationen eine gemeinsame Lösung finden.

Die Bewegung "Wir sind Kirche" sprach von Fortschritten, die aber nicht ausreichten. Ein Sprecher lobte die präzisere Anzeigepflicht, kritisierte aber, dass die Ansprechpartner für Missbrauchsopfer weiter aus dem inneren Bereich der Kirche kommen könnten. Sie seien damit im Zweifel nicht unabhängig genug. Zudem fehlten konkrete Zusagen zu Entschädigungen. Die Opfergruppe "Eckiger Tisch" bezeichnete die neuen Leitlinien als "überfällig".

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