
Eine Kopie des Gnadenbilds wird am Hochfest Mariä Himmelfahrt in einer großen Prozession durch Warendorf getragen.
Feiern zu Mariä Himmelfahrt in Warendorf
Bischof Felix Genn: Maria ist "erste Bürgerin des Himmels"
Warendorf. Auf dem Rummelplatz ist schon eine Menge los, in den Fenstern der Altstadthäuser leuchten Lampions, Straßen und Gassen des Stadtkerns füllen sich, mit Anbruch der Dämmerung dominieren die neun Marienbögen die Szenerie, modernste Lichttechnik taucht die proppenvolle Stadtpfarrkirche St. Laurentius in kräftige Farben. Doch das alles ist nicht das, worauf es wirklich ankommt. Darauf weist Bischof Felix Genn hin, der erstmals die Feiern zu Mariä Himmelfahrt miterlebt, die er selbst "prägend" für die Warendorfer Tradition nennt.
In seiner Predigt am Samstag (14.08.2010) appelliert Genn besonders an die jungen Gottesdienstbesucher, "die Fackel und das Licht des Glaubens aufzunehmen, damit die Wurzel erhalten bleibt und nicht nur Folklore und ein Volksfest". Genn spricht von der "inneren Kraft" des Festes Mariä Himmelfahrt, die nicht verloren gehen dürfe. Er ermutigt seine Zuhörer, wie Maria Gott zu trauen und den Himmel offen zu halten, um die Weite des Lebens zu erfahren.
Bischof Felix Genn in Warendorf. |
Eine "Revolution Gottes"
Genn betont Marias Herkunft "als einfaches Mädchen aus Nazaret". Für den Bischof ist es die "Revolution Gottes", dass diese Frau aus einfachen Verhältnissen "erste Bürgerin des Himmels" wird. Deshalb sei Mariä Himmelfahrt auch "das Fest der Gedemütigten, der Geknechteten und der Frauen".
Nach dem Gottesdienst zieht es die Besucher noch lange nicht nach draußen. Die von Lichtdesigner Michael Kantrowitsch entworfene Illumination der gotischen Hallenkirche zieht in ihren Bann. Sie taucht den Raum in unterschiedliche Farben und Farbkombinationen. Für das Wallfahrtsbild der Gottesmutter hat er eine eigene Choreographie erarbeitet, die die barocke Skulptur mit den Brandspuren im Gesicht noch eindrucksvoller erscheinen lässt.
Theo Höwekamp, der seiner Frau Christel an solchen Tagen beim Küsterdienst unterstützt, muss ständig neue Kerzen bringen. "Zwei- bis dreitausend gehen an einem solchen Abend weg", sagt er, während die Menschen um ihn herum erst zu Maria, dann zu Opferstock und Kerzennische drängen. Ob das Feuer vor acht Jahren der Skulptur noch mehr Ausdruck verliehen hat? Höwekamp traut es sich kaum zu sagen, aber dann gibt er doch zu: "Ich finde schon. Schauen Sie sich die feinen Gesichtszüge an." Außer im Antlitz der Muttergottes, die jetzt hinter Panzerglas steht, hat der Brand (Schaden damals: 350.000 Euro) keine Spuren hinterlassen.
Einer der neun Marienbögen. |
Illuminierte Bögen
Während die Besucher drinnen das Licht auf sich wirken lassen und zum Gnadenbild strömen, dämmert es draußen. Blaskapellen nehmen an den imposanten Bögen Platz und stimmen Marienlieder an. "Wunderschön prächtige" meint man besonders oft zu hören. Vielleicht wird es tatsächlich häufiger gespielt, weil es besonders feierlich klingt.
Etliche Musikgruppen kommen seit Jahren oder Jahrzehnten zu dem Fest, um als Gast einer der acht Bogengemeinschaften ihren Beitrag zu dieser Atmosphäre zu leisten. So wie das Blasorchester "Heimatland Greffen", das in diesem Jahr Jubiläum feiert: Zum 50. Mal ist es mit einer Abordnung vertreten – und spielt wie immer am Bogen der Nachbarschaft "Untere Brünebrede". Direkt vor dem Haus von Wolfgang und Liesel Elpers, die die Musiker regelmäßig mit Getränken versorgen. Für den Hauptschullehrer und seine Frau ist die marianische Festwoche der Höhepunkt des Jahres: "Danach richtet sich alles im Kalender."
Bogengemeinschaften als "Rückgrat" der Feiern
Die Bogengemeinschaften sind eingetragene Vereine, organisieren Fahrten und Feste, sammeln Spenden und sind das Rückgrat der Festwoche. Erst recht, seit die Stadt keine Zuschüsse mehr zahlt. Waren die Bögen früher aus Holz, sind sie heute aus Metall oder Kunststoff. Ein Bogen kostet bis zu 50.000 Euro. Er hält zwar Jahrzehnte, muss aber gewartet und eingelagert werden. Auch das geht ins Geld.
"Früher gab es noch 1.000 Mark pro Jahr", berichtet Elpers, der als Schriftführer dem Vorstand der Bogengemeinschaft "Untere Brünebrede" angehört. Diese hat als einzige zwei Bögen, seit sich die Bogengemeinschaft der Königstraße aufgelöst hat. Dann ist Elpers gefordert: Die Musiker von "Heimatland" sind gerade mit "Salve Regina" fertig und haben Durst. Nach der Stärkung sind sie wieder offen für die Wünsche der Vorbeigehenden. Manchmal sind es sogar ganze Chöre, die stehenbleiben und mitsingen.
Am Sonntagmorgen (15.08.2010) sind die Nachbarschaften wieder gefragt. Auf das Festhochamt folgt die feierliche Prozession, bei der Warendorfer Mädchen die nach dem Feuer angefertigte Kopie des Gnadenbildes noch vor dem Allerheiligsten durch die Innenstadt tragen. Überall sind Fähnchen aufgestellt, schmücken Blumen die Straßen. Wieder ist Bischof Genn dabei. Nach knapp zwei Stunden erteilt er auf dem Marktplatz den Schlusssegen. Ein paar hundert Meter weiter auf dem Rummelplatz öffnen wieder die Fahrgeschäfte.
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Text: Michael Schwakenberg | Fotos: Michael Schwakenberg
15.08.2010
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