
Petrus Canisius gehörte dem Jesuitenorden an.
Der "zweite Apostel Deutschlands"
Heiliger Petrus Canisius (1521-1597)
Kurzvita:
Petrus Canisius (Pieter Kanijs), wuchs als Sohn des Bürgermeisters von Nimwegen auf. Er studierte in Köln und gründete dort die erste deutsche Ordensniederlassung der Jesuiten. Als wortgewandter Theologe wurde er von verschiedensten Herrschern geschätzt und machte sich in zahlreichen theologischen Disputen in der Reformationszeit einen Namen. Kaum eine wichtige kirchenpolitische Entscheidung im 16. Jahrhundert wurde nicht von ihm mitgeprägt.
Mitte seines Wirkens war stets der Orden des heiligen Ignatius geblieben. Mehrfach lehnte er das Angebot ab, Erzbischof von Wien zu werden. Als sein bekanntestes Schriftstück gilt der Katechismus, den er in drei Versionen für Kinder, Schüler und Studenten verfasste. Nachdem er Auseinandersetzungen mit Paul Hoffaeus hatte, seinem Nachfolger als Ordensprovinzial, wurde er nach Fribourg in der Schweiz versetzt, wo er bis an sein Lebensende als Lehrer und Prediger großes Ansehen genoss.
Biographische Daten:
8.5.1521 - Pieter Kanijs wird in Nimwegen geboren.
18.1.1536 - Immatrikulation an der Universität Köln.
8.5.1543 - Eintritt in den Jesuitenorden und Gründung der ersten Ordensniederlassung in Köln
13.6.1543 - Priesterweihe in Köln.
28.7.1544 - Die Ordensniederlassung wird auf Betreiben des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied aufgelöst.
23./24.1.1547 - Treffen mit dem Augsburger Kardinal Otto Truchseß von Waldburg, der ihn zum Trienter Konzil entsendet. Beginn der Verwendung des latinisierten Namens Petrus Canisius.
September 1547 - Ignatius holt Canisius nach Rom.
18.3.1548 - Canisius reist mit neun weiteren Jesuiten nach Sizilien, um in Messina das erste Kolleg der Jesuiten zu gründen.
4.9.1549 - Ablegen der Gelübde in Rom vor Ignatius von Loyola.
4.10.1549 - Theologische Promotion in Bologna.
13.11.1549 - Universitätsdozent in Ingolstadt.
18.10.1550 - Wahl zum Rektor der Universität in Ingolstadt.
28.2.1552 - Versetzung nach Wien auf Betreiben des bayerischen Königshauses.
9.3.1552 Studienpräfekt der jungen Jesuiten in Wien, Hofprediger und Theologiedozent an der Universität.
3.11.1554 - Ernennung zum Apostolischen Administrator von Wien.
April 1555 - Erste Ausgabe des "Großen Katechismus".
7.12.1555 - Gründung des Jesuitenkollegs in Ingolstadt.
7.6.1556 - Ernennung zum Provinzial der neu eingerichteten Oberdeutschen Provinz.
Dezember 1556 bis März 1557 - Teilnahme als Berater König Ferdinands I. am Reichstag in Regensburg.
11.9.1557 - Religionsgespräch in Worms mit Philipp Melanchthon.
24.6.1559 - Beginn der Predigttätigkeit und Seelsorge in Augsburg.
14.5. bis 20.6.1562 - Teilnahme am Trienter Konzil.
5.4.1569 - Paul Hoffaeus wird zum neuen Provinzial der Oberdeutschen Jesuitenprovinz ernannt.
21.11.1580 - Nach längeren Kontroversen mit Paul Hoffäus reist Canisius nach Fribourg in der Schweiz.
18.10.1582 - Eröffnung des Schulbetriebs in Fribourg.
21.12.1597 - Tod des Petrus Canisius in Fribourg.
1864 - Seligsprechung durch Papst Pius IX.
21.5.1925 - Heiligsprechung durch Papst Leo XIII.
Vita:
Pieter Kanijs kam in Nimwegen zur Welt, das damals zum Herzogtum Geldern gehörte und somit Teil des deutschen Reichs war. Sein Vater Jakob Kanijs war der Bürgermeister der Stadt an der Maas, in der der junge Pieter auch seine Kindheit und Schulzeit verbrachte. Nach dem Ende der Schulzeit nahm er ein Studium in Köln auf, das er 1540 mit dem Magister artium beendete. In dieser Zeit hatte sich bereits der Wunsch gebildet, Priester zu werden. Gegen die Ansicht seines Vaters setzte Kanijs ab 1540 seine Studien in Köln fort, diesmal an der Theologischen Fakultät.
Im April 1543 begegnete er Petrus Faber, einem der Mitglieder der Gesellschaft Jesu, den er sich zum Exerzitienmeister erwählte. Danach war für ihn der Weg endgültig klar: Am 8. Mai 1543 trat er in den Jesuitenorden ein. An seinem Studienort Köln, wo er bald darauf die Priesterweihe empfing, gründete er die erste Niederlassung des Ordens auf deutschem Boden.
Der junge Wissenschaftler, der kurz darauf seine ersten Vorlesungen an der Universität abhielt, war wegen seiner Papsttreue dem zum Protestantismus neigenden Kölner Erzbischof Hermann von Wied ein Dorn im Auge. Von Wied ließ deshalb die Ordensniederlassung im Juli 1544 schließen. Mächtigen Fürsprechern hatte es Kanijs zu verdanken, dass er in der Stadt bleiben konnte.
Durch seine Standhaftigkeit war Kanijs dem Augsburger Kardinal Otto Truchseß von Waldburg aufgefallen, der ihn Anfang 1547 als seinen persönlichen Theologen zum Konzil von Trient entsandte. Ab etwa dieser Zeit verwandte Kanijs selbst eine latinisierte Form seines Namens: Petrus Canisius. Noch im selben Jahr rief Ordensgründer Ignatius von Loyola seinen deutschen Mitbruder zu sich nach Rom. Im Frühjahr 1548 sandte er ihn nach Messina in Sizilien aus, um dort eine Niederlassung des Ordens aufzubauen und eine Schule zu gründen. Die ewigen Ordensgelübde legte Canisius am 4. September 1549 in Rom vor Ignatius ab, exakt einen Monat später wurde er an der Universität von Bologna zum Doktor der Theologie promoviert.
Im Herbst desselben Jahres folgte er einem Ruf an die Universität von Ingolstadt, wo er für ein halbes Jahr lang sogar als Rektor fungierte. Da es ihm aber von den örtlichen Autoritäten nicht gestattet wurde, eine Kollegschule der Jesuiten zu gründen, verließ er mit zwei Mitbrüdern die Stadt und ging nach Wien, wo er Studienpräfekt der jungen Jesuiten, Hofprediger und Theologiedozent an der Universität wurde.
Canisius erwarb sich in Wien einen dermaßen guten Ruf als Wissenschaftler, Kirchenpolitiker und Seelsorger, dass ihm mehrfach das Amt des Erzbischofs angetragen wurde. Er selbst lehnte diese Würde jedoch ab und ließ sich nur einmal für wenige Monate zum apostolischen Administrator ernennen. In seine Wiener Zeit fällt auch die Veröffentlichung des ersten der drei canisianischen Katechismen, die er für Kinder, Mittelschüler und Studenten verfasste.
Im Juni 1556 ernannte Ignatius ihn zum ersten Provinzial der Oberdeutschen Jesuitenprovinz. In der Folge nahm Canisius als theologischer Berater König Ferdinands I. am Reichstag von Regensburg teil und führte mit dem Reformator Philipp Melanchthon interkonfessionelle Gespräche, die am Ende jedoch ohne Ergebnis blieben.
Zwischen 1559 und 1577 wirkte er in Prag, Augsburg und München und nahm an den Augsburger Reichstagen ebenso teil wie an der letzten Sitzungsperiode des Konzils von Trient, dessen Beschlüsse er in Deutschland bekannt machen sollte.
Nach Differenzen um ein von ihm verfasstes theologisches Werk wurde Canisius vom Ordensprovinzial der Jesuiten, Paul Hoffaeus, im Jahre 1580 nach Fribourg in der Schweiz versetzt. Dort gründete er im Auftrag Papst Gregors XIII. eine Kollegschule. Später wollte ihn der Nachfolger des Ordensgenerals wieder zurückrufen. Die Bevölkerung und die Stadtoberen von Fribourg wollten ihn jedoch nicht fortgehen lassen. Canisius blieb als Lehrer, Prediger, Seelsorger und Schriftsteller bis zu seinem Tod am 21. Dezember 1597 in Fribourg.
Tagesgebet zum Fest des heiligen Petrus Canisius am 27. April:
Herr, unser Gott, Du hast den heiligen Petrus Canisius berufen, in Wort und Schrift den
katholischen Glauben kraftvoll zu verteidigen. Höre auf seine Fürsprache! Lass alle, die nach der Wahrheit suchen, Dich finden und erhalte Deine Gläubigen im Bekenntnis zu Dir. Darum bitten wir durch Jesus Christus Deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Das "Allgemeine Gebet" des heiligen Petrus Canisius (GL 790, 2; Auszug):
Allmächtiger, ewiger Gott! Sieh an mit den Augen deiner Barmherzigkeit den Jammer der Menschen, ihr Elend und ihre Not.
Erleuchte und stärke in allem Guten die geistlichen und weltlichen Vorsteher und Behörden, damit sie alles fördern, was zu deiner Ehre und zu unserem Heil dient, zum allgemeinen Frieden und zur Wohlfahrt der ganzen Welt.
Dir, o Gott, sei empfohlen unser Tun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Lass uns hier in deiner Gnade leben und dort in der Gemeinschaft der Heiligen dich ewig loben und ehren.
Amen.
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