
Die Schwestern Unserer lieben Frau aus Korea treten zum Gebet unter das Kreuz.
Ein Antlitz von Ruhe und Frieden
Wallfahrt zum Coesfelder Kreuz
Coesfeld. In der St.-Lamberti-Kirche steht das Coesfelder Kreuz. Es wurde für Splitter des "echten" Kreuzes Jesu, die die Gemeinde nach ältester Überlieferung des heiligen Liudger um 800 als Geschenk erhalten hatte, als Reliquiar geschaffen. Das Coesfelder Kreuz stammt aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts und ist das größte Gabelkreuz in Deutschland. Viele Einzelpilger kommen, um vor dem beeindruckenden Kreuz zu beten.
Schwester Hubertine Germann. |
Das Kreuz in die Welt getragen
In fast allen Kommunitäten der Schwestern Unserer Lieben Frau von Coesfeld auf allen Kontinenten findet sich eine Nachbildung des Coesfelder Kreuzes. Aus gutem Grund, denn die Entscheidung, eine deutsche Kongregation zu gründen, wurde in der St.-Lamberti-Kirche entschieden. "Die Lehrerinnen Hilligonde Wolbring und Elisabeth Kühling riefen sie 1850 ins Leben. Sie haben sich besonders um arme Kinder gekümmert. Gemeinsam mit Kaplan Elting fanden sämtliche Vorbereitungen zur Gründung in der Pfarrei St. Lamberti statt", erzählt Schwester Hubertine Germann. Vor der Gründung hätten die beiden Pädagoginnen lange nach einem Weg gesucht, wie sie den Kindern intensiver helfen könnten. Im Gebet vor dem Coesfelder Kreuz sei die Entscheidung zur Ordensgründung gefallen.
24 Jahre später, während des Kulturkampfes, seien 200 Schwestern, darunter auch Hilligonde Wolbring – Elisabeth Kühling war bereits verstorben –, in mehreren Gruppen nach Amerika ausgewandert. Sie hätten die Coesfelder Gründung und damit auch die Erinnerung an das Coesfelder Kreuz nach Amerika getragen.
Ziel der Pilger ist die St.-Lamberti-Kirche am Marktplatz. |
Schwester Hubertine, die 1952 in den Orden eingetreten ist, kennt die Geschichte gut. Seit zwölf Jahren führt sie regelmäßig Mitschwestern durch Coesfeld. Im Durchschnitt besuchen vier Mal im Jahr ausländische Schwestern das Kloster Annenthal. "Sie sind in unserem Generalat in Rom zu Gast. Sie besuchen uns während ihrer Deutschlandreise, um vor dem Coesfelder Kreuz zu beten", berichtet die 75-Jährige. Die Internationalität sei der Reichtum der Kongregation. Gern informiert sie die Schwestern über die Geschichte des Ordens, führt sie an historische Stätten in Coesfeld und erklärt die Verbundenheit zum Coesfelder Kreuz – alles in englischer Sprache. Aber das fällt der in Dinklage geborenen Ordensfrau nicht schwer. Denn die gelernte Erzieherin hat sieben Jahre im Generalat in Rom gearbeitet. "Dort habe ich mein Schulenglisch aufgefrischt."
Jedes Mal sei sie neu gerührt, wenn sie mit den Schwestern vor das Coesfelder Kreuz treten würde. "Es ist ein Antlitz von Ruhe und Frieden. Die meisten Schwestern sind überrascht, wie groß das Kreuz ist."
Wenn sie daran denke, dass die Arbeit, die die weltweit 2100 Schwestern verrichten, ihren Ursprung in Coesfeld habe, rühre sie dieser Gedanke und dieser Zusammenhalt jedes mal aufs Neue. "Und fast überall findet sich das Coesfelder Kreuz. Darauf legt unsere indische Generaloberin Schwester Mary Sujita Kallupurakkathu großen Wert."
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