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24.05.2012
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Rapskreuz.

Zum 800-jährigen Wallfahrtsjubiläum 2007 hatten die Bauern der Umgebung unter Anleitung eines Künstlers ein Rapskreuz geschaffen.

Im Kreuz ist Leben

Das Heilige Kreuz von Stromberg

Stromberg. Aus der weiten Landschaft der Beckumer Berge ragt der Stromberg mit seinen 150 Metern heraus. Wer als Pilger dorthin kommt, hat das Gefühl, den Ort gefunden zu haben, wo sich Himmel und Erde berühren: im Stromberger Kreuz.

Seine Stärke und sein Lied ist der Herr

Vor 34 Jahren kam Wilfried Thorwesten als erster Zivildienstleitender nach Stromberg – und blieb: bis heute. Zum einen, weil er in der Erzieherin Eva Garthoff seine große Liebe und die Frau fürs Leben gefunden hatte, zum andern, weil sich in Stromberg eine Vielzahl von Möglichkeiten auftat, die zweite große Liebe seines Lebens zu verwirklichen: die Kirchenmusik. Unmittelbar nach Antritt seiner Zivi-Stelle übernahm er den Organisten-Dienst, wenige Wochen später gründete er – nach mehreren Jahren Vakanz – den Kirchenchor neu. Viele weitere Chöre sollten im Lauf der Jahre folgen: so die Choralschola der Männer, der Jugendchor, aus dem später der Gospelchor wurde, der inzwischen zweimal als Meisterchor ausgezeichnete Kammerchor, und – als jüngstes "Kind" – der Kinderchor.

Das Heiligen Kreuz in der Wallfahrtskirche.

Zum ersten Wallfahrtssonntag am vergangenen Sonntag hat Thorwesten aus allen Einzelchören eine große Sängerschaft gebildet, die zur Ehre Gottes erklang: mit Stimmen von 9 bis 80, wo Enkelkinder mit ihren Großeltern zusammen am Altar standen. Dass Chorarbeit Generationen übergreifen kann, ist nichts Neues, dass sie auch eine der beständigsten Stützen der Gemeindearbeit darstellt, hat Wilfried Thorwesten mit seinen Sängerinnen und Sängern in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bewiesen.

Für ihn ist Musik ein wichtiges Mittel der Verkündigung; Der studierte Musiker und Theologe versucht sich durch Fortbildungen und ein regelmäßiges Eigenstudium auf dem Laufenden zu halten: Er möchte liturgisch kompetent sein, um Gottesdienste – eine der wichtigen Quellen christlichen Lebens – möglichst gut vorzubereiten und zu gestalten. Das beginnt mit der Auswahl der Lieder und Instrumentalstücke aufgrund der liturgischen Texte, das endet in der Frage der Orchestrierung oder Registrierung der einzelnen Strophen.

Thorwesten selbst spielt eine Vielzahl von Instrumenten; noch mit 45 hat er Trompete gelernt – um als Leiter der Bigband am Bischöflichen Gymnasium St. Michael in Ahlen (dort arbeitet er hauptberuflich als Musik- und Religionslehrer) besser zu wissen, wovon er spricht und was er von andern fordern kann. Die Ausflüge in die Pop- und Jazzmusik empfindet er als Bereicherung, auch für Kirchenmusik und Liturgie.

Während sich die Stromberger in bald 35 Jahren fast an die stets hohe Qualität der gottesdienstlichen Musik "gewöhnt" haben, kommt von den vielen Wallfahrtsgruppen, die zum Heiligen Kreuz auf den Stromberg pilgern, jenes Lob, das auch einem alten Hasen der Kirchenmusik immer noch guttut. Als Bischof em. Reinhard Lettmann vor einigen Jahren in einem Pilgeramt von seiner Wallfahrt ins polnische Tschenstochau erzählte und über die Bedeutung des dort gehörten Bachchorals "Wohl mir, dass ich Jesum habe" philosophierte, änderte Thorwesten sein Programm kurzerhand und spielte den Choral zur Kommunion. Erfreut über ein so sensibles Mitgehen dankte der Bischof Wilfried Thorwesten für dieses Zusammenspiel.

Wilfried Thorwesten.

Damit sich an den Sonntagen der Wallfahrtszeit Tausende von Pilgern an der Stromberger Kirchenmusik erfreuen können, ist nicht nur viel Probenzeit nötig: Sonntag für Sonntag brauchen Thorwesten und fleißige Helfer (etwa seine sechs Kinder) vier bis fünf Stunden, um das technische Equipment auf den Stufen vor der Kreuzkirche auf- und abzubauen; um den Klang der einzelnen Stimmen und Instrumente mit Mikrophonen und Mischpult entsprechend in Szene zu setzen.

Leider spielt das Wetter bei dieser Freiluftveranstaltung nicht immer mit; so kann es passieren, dass ein plötzlicher Wolkenbruch kurz vor oder mitten während des Pilgeramtes alle Vorbereitung zunichte macht. Zwar kann man mit kleinen Maßnahmen das Schlimmste verhindern (so sind die Noten aller Sänger in Klarsichthüllen geschützt, was auch hilfreich gegen Taubenkot ist!), bleibt den Naturgewalten des Stromberger Himmels aber weiterhin ausgeliefert.

Ausgeliefert erlebt Thorwesten sich und manche seiner Kollegen auch in anderer Hinsicht: Im Blick auf die vielerorts hohe Qualität der Kirchenmusik ist er besorgt, ob diese dauerhaft gehalten werden kann: Angesichts vielfacher Fusionen und Gemeindezusammenlegungen verlieren Kirchenmusiker mit ihren Dienststunden auch einen Teil des Lebensunterhalts. Aber der Mensch lebt eben auch vom Brot, nicht nur von der Musik allein.

Von Johanni bis Kreuzerhöhung

Gelebte Tradition
Nach alter Tradition hat die Hauptwallfahrtszeit in Stromberg auch 2010 am Wochenende nach dem Johannitag (24. Juni) mit der Kreuztracht begonnen, die weiteren Wallfahrtssonntage sind am vierten und elften Juli. Die diesjährige Wallfahrtssaison wird mit dem Fest Kreuzerhöhung abgeschlossen, dessen äußere Feier für den 12. September vorgesehen ist.
Weitere Auskünfte: Pfarramt St. Lambertus, Pfarrer Peter Drenker, Burgplatz 2, 59302 Oelde-Stromberg, Tel: 02529 / 275.

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Text: Jan Magunski | Fotos: pd, Jan Magunski in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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