
Bronzestatue von Josef Kentenich.
Ein Liebesbündnis mit Maria
Josef Kentenich (1885-1968)
Kurzvita:
Josef Kentenich kam in Gymnich bei Köln zur Welt, schloss sich 1904 dem Orden des heiligen Vinzenz Pallotti in Vallendar-Schönstatt an und wurde sechs Jahre später in Limburg zum Priester geweiht. Am 18. Oktober 1914 schloss er in Schönstatt gemeinsam mit einigen Gymnasiasten ein, wie er selbst sagte, "Liebesbündnis" mit der Gottesmutter Maria und legte somit den Grundstein zur weltweiten Schönstatt-Bewegung. Im Dritten Reich kam Kentenich als Häftling nach Dachau. Ab dem Jahr 1951 wurde er zur Seelsorge in die USA beordert, nachdem die Kirche die Schönstatt-Bewegung sehr kritisch beurteilt hatte. 1965 kam er zurück nach Deutschland. Ein Jahr zuvor hatte sich die Schönstatt-Bewegung rechtlich vom Pallottiner-Orden gelöst, Kentenich wurde in das Bistum Münster inkardiniert. Er starb 1968 in Schönstatt.
Biographische Daten:
18.11.1885 - Geburt in Gymnich bei Köln
1899 bis 1904 - Besuch des Gymnasiums in Koblenz-Ehrenbreitstein
1904 bis 1910 - Noviziat bei den Pallottinern und Studium der Theologie in Limburg
8.7.1910 - Priesterweihe in Limburg
1912 bis 1919 - Spiritual in Schönstatt
18.10.1914 - Gründung der Schönstatt-Bewegung
20.9.1941 bis 11.3.1942 - Gefangener der Gestapo in Koblenz
13.3.1942 bis 6.4.1945 - Häftling im KZ Dachau
1945 bis 1951 - Weltreisen zum Ausbau der Bewegung
1951 bis 1965 - Seelsorger für Deutsche in Milwaukee/USA
24.12.1965 - Rückkehr nach Schönstatt
15.9.1968 - Tod in der Dreifaltigkeitskirche in Schönstatt
10.2.1975 - Beginn des Seligsprechungsprozesses
Vita:
Josef Kentenich kam am 18. November 1885 in Gymnich bei Köln zur Welt. Da er als uneheliches Kind das Licht der Welt erblickte, waren in seinen ersten Lebensjahren verschiedene Familienteile für seine Ausbildung zuständig. Zunächst lebte er bei den Großeltern mütterlicherseits, später brachte ihn seine Mutter in einem Waisenhaus in Oberhausen unter. Ab 1904 besuchte er das Missionsgymnasium der Pallottiner in Koblenz-Ehrenbreitstein.
Schon in jungen Jahren reifte in ihm der Wunsch, Priester zu werden. Nach dem Abitur in Ehrenbreitstein begann er sein Noviziat im Pallottinerorden in Limburg, wo er zugleich ein Theologiestudium aufnahm. Am 8. Juli 1910 wurde er zum Priester geweiht. Anschließend arbeitete er zwei Jahre lang als Lehrer für Deutsch und Latein am Ordensgymnasium in Ehrenbreitstein, ehe er im Oktober 1912 Spiritual am Pallottinergymnasium in Vallendar-Schönstatt wurde.
Dort gründete er im April 1914 mit einigen Schülern eine Gruppe, die sich insbesondere er Verehrung der Gottesmutter Maria verschrieben hatte, die "Marianische Kongregation". Am 18. Oktober 1914 schlossen Kentenich und seine Schüler das so genannte "Liebesbündnis" mit Maria, in dem die Gottesmutter gebeten wurde, in der Kapelle der Kongregation "geistig präsent zu sein" und "Wunder der Gnade" zu wirken, wie es Kentenich selbst beschrieb. "Durch das Liebesbündnis, in dem die gegenseitige Verantwortung der Bündnispartner eine zentrale Rolle einnimmt, wurde Maria gebeten, in Schönstatt in besonderer Weise wirksam zu sein als Mutter und Erzieherin der Christen zu einer tiefen, lebendigen und den Alltag prägenden Liebe zu Gott und den Menschen. Das Liebesbündnis mit Maria und die darin wurzelnde Bindung an das 'Urheiligtum' wurden zur Mitte sowohl von Schönstatt als spirituellem Zentrum wie zur geistigen Mitte und Heimat der internationalen apostolischen Bewegung von Schönstatt", beschreibt die Internet-Enzyklopädie Wikipedia die Bedeutung des 18. Oktober 1914.
Die Schönstatt-Bewegung wuchs in den Folgejahren stetig. 1919 wurde der "Apostolische Bund", 1920 die "Apostolische Liga" gegründet. 1926 kam mit dem "Apostolischen Frauenbund" der erste weibliche Zweig der Bewegung hinzu.
Dem Nationalsozialismus stand Josef Kentenich offen ablehnend gegenüber: "Ich finde keine Stelle an ihm, wo das Taufwasser auftreffen könnte", äußerte er einmal. Wegen seiner Haltung wurde er von der Gestapo als "gefährlicher Staatsfeind" verhaftet und später ins Konzentrationslager Dachau überstellt, wo er von März 1942 bis zum Kriegsende blieb. Auch dort wirkte er unermüdlich als Seelsorger unter den Gefangenen.
Nach dem Krieg unternahm Kentenich weite Reisen, um das Schönstatt-Werk in aller Welt aufzubauen und zu festigen. Seine Tätigkeit wurde jedoch von der Amtskirche sehr kritisch gesehen. Man misstraute dem charismatischen Pater und befürchtete, er könne die Katholiken mit seinen von der Freiheit des Einzelnen geprägten "modernen" Ideen auf die falsche Bahn führen. Man enthob ihn seines Amtes und entsandte ihn als Seelsorger für die deutsche Gemeinde nach Milwaukee in den Vereinigten Staaten.
Erst während des II. Vatikanischen Konzils, im Jahr 1965, wurde Kentenich rehabilitiert und konnte seine alte Tätigkeit wieder aufnehmen. Papst Paul VI. selbst empfing den Gründer in Rom. In der Zwischenzeit hatten sich die Pallottiner vom Schönstatt-Werk getrennt, so dass der inzwischen 80-Jährige dem Orden nicht länger angehörte und in den Diözesanklerus von Münster aufgenommen wurde.
Am 15. September 1968 feierte Josef Kentenich seine erste Messe in der neu erbauten Dreifaltigkeitskirche in Schönstatt. Es sollte seine letzte werden: Noch in der Sakristei legte der hoch betagte Priester sein Leben zurück in die Hände seines Schöpfers. Am selben Ort, in der zur "Gründerkapelle" umgewidmeten Sakristei, fand er seine letzte Ruhe. Am 10. Februar 1975 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess für Kentenich eröffnet.
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Text: Thomas Mollen | Foto: Archiv
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