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11.02.2012
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Die Gnadenkapelle.

Die Gnadenkapelle.

Intensive Pflege der Marienfeste

Eggerode: "Unsere Liebe Frau vom Himmelreich"

Eggerode. Ein beliebter Wallfahrtsort für die Gemeinden und katholischen Verbände im westlichen und nördlichen Münsterland ist Eggerode. Der kleine Ort liegt mitten in der münsterländischen Parklandschaft und gehört zu den ältesten Marienwallfahrtsorten der Diözese Münster. Jährlich besuchen mehr als 70.000 Pilgerinnen und Pilger Eggerode, um das dortige Gnadenbild zu verehren und "geistlich aufzutanken".

Wallfahrt bestimmt dörfliches Leben

"Wenn ich mir die vielen Wallfahrten und Pilgergruppen anschaue, kann ich keine Krise der Marienfrömmigkeit feststellen", sagt Alfons Körbel. Eggerode sei nach wie vor ein beliebter Wallfahrtsort, der Jahr für Jahr von vielen Gemeinschaften, Verbänden, Pfarrgemeinden und ebenso von vielen Einzelpilgern aufgesucht werde. "Die Tradition, nach Eggerode zu pilgern, ist ungebrochen." Der 67-jährige Körbel muss es wissen. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Eggeroder Gemeinde Marä Geburt kennt den Wallfahrtsort seit seinen Kindheitstagen, als er mit seinen Eltern, Freunden, Nachbarn und vielen Gemeindemitgliedern aus dem Nachbardorf Osterwick zu Fuß zur Wallfahrt nach Eggerode aufbrach. "Damals gab es noch in Eggerode zum Kirchweihfest die traditionelle Kirmes. Die Marienfestwoche im September rund um den Patronatstag 'Mariä Geburt' war ein regelrechtes Volksfest", erinnert sich Körbel.

Den gebürtigen Osterwicker zog es nach seinem Kunststudium und Wirken an der Kunstakademie Düsseldorf Ende der 1980er Jahre wieder zurück in seine Heimat. Er ließ sich mit seiner Familie in einem kleinen Landhaus in Eggerode nieder. Seit mehr als 20 Jahren engagiert er sich in der Pfarrgemeinde, die viel dafür tut, dass die Marienfeste würdevoll gestaltet und begangen werden und dass die vielen auswärtigen Pilgergruppen in Eggerode einen Ort der Ruhe und Besinnung vorfinden. "Eggerode braucht keine Vermarktung von Wallfahrt, hier kann man zur Ruhe kommen", sagt er über das idyllisch gelegene Dorf, das bis heute ein beliebtes Ziel ist und zu dem jährlich die Nachbargemeinden "mit großer Beteiligung" oft auch zu Fuß aufbrechen.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Alfons Körbel aus Eggerode.

Für besonders gelungen hält Körbel die Sternwallfahrten der Katholischen Frauengemeinschaften aus dem Kreisdekanat Steinfurt. "Wenn 700 Frauen singend und betend in das Dorf einziehen, dann ist das schon eine Demonstration des Glaubens", stellt Körbel fest. Die innige Verbindung der Bevölkerung zur kirchlichen Wallfahrtstradition werde nicht zuletzt in der Marienfestwoche  deutlich. Es sei kein Problem, junge Frauen zu finden, die traditionell das Gnadenbild während der Prozession durch das Dorf trügen. Auch andere Traditionen hätten sich bewährt: Jeder Gottesdienst in Eggerode wird mit einem Marienlied beendet. Das Rosenkranzgebet der Nachbarschaften für die Verstorbenen findet in der Gnadenkapelle statt. Ebenso beten die Brautpaare nach der Trauung vor dem Gnadenbild.

Körbel, der viele Jahre Kunsterzieher war, hat viel dafür getan, dass moderne Kunst die Pfarrkirche und den Kirchplatz bereichert. "Anfangs gab es einige zurückhaltende Reaktionen, heute stelle ich eine positive Resonanz fest." Seit einigen Jahren existiert im Wallfahrtsort das Projekt "Kunst und Kirche", wo in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe "Welbergener Kreis" Arbeiten in der Kirche ausgestellt werden, die zur Mediation anregen sollen. Körbel selbst hat ein Kunstwerk geschaffen, das den Namen "Vertikales Kreuzprofil" trägt und sich am Kreuzweg befindet.

In diesem Jahr hat Körbel mit anderen Künstlern die Skulpturen-Ausstellung "Unter Linden" konzipiert. Die Werke befinden sich an der Gnadenkapelle und an der Kirche.

Traditionelle Festwoche im September

Prozession durch den Ort
Eggerode gehört neben Vinnenberg zu den ältesten Marienwallfahrtsorten in der Diözese Münster. Seit etwa 1300 kommen Pilgerinnen und Pilger nach Eggerode, um dort das Gnadenbild "Unsere Liebe Frau vom Himmelreich" zu verehren. Das erste Dokument, das die Wallfahrt bezeugt, ist ein Ablassbrief von Papst Benedikt XII. aus dem Jahr 1338. Die Wallfahrt besteht bis zum heutigen Tag. Jährlich kommen 70.000 angemeldete Pilger in den Ort. Zu den größeren Wallfahrten gehören die Kreisdekanatswallfahrten der Frauengemeinschaften Borken und Steinfurt sowie die Kreisdekanatswallfahrten der Kolpingsfamilien Borken und Coesfeld sowie die Regionalwallfahrt der Katholischen Landjugendbewegung. Die meisten Gemeinden aus der Region des westlichen und nördlichen Münsterlands machen ihre jährliche Pfarrwallfahrt nach Eggerode.
Höhepunkt der jährlichen Wallfahrtszeit ist neben der Eröffnung der Wallfahrt am 1. Mai die Marienfestwoche im September. Sie findet jeweils um den Patronatstag "Mariä Geburt" statt und endet am Sonntagnachmittag mit einem Pontifikalamt mit anschließender Marien-Prozession, in der das Gnadenbild von jungen Eggeroder Mädchen – begleitet von mehreren tausend Pilgern – durch den Ort getragen wird.
Weitere Auskünfte: Pfarramt St. Mariä Geburt, Pfarrer Stephan Wolf, Marienplatz 7, 48624 Schöppingen, Tel: 02545 / 580.

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Text: Johannes Bernard | Fotos: Johannes Bernard in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
18.06.2010

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