
Erzbischof Robert Zollitsch traf Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.
Zollitsch trifft sich mit Leutheusser-Schnarrenberger
Bischöfe und Justizministerin wollen eng zusammenarbeiten
Berlin. Die katholische Kirche will bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle eng mit staatlichen Stellen zusammenarbeiten. Das versicherte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), bei einem Gespräch am Donnerstag (15.04.2010) in Berlin. Nach der rund eineinhalbstündigten Unterredung sprachen beide Seiten von einem "intensiven und konstruktiven Gedankenaustausch".
Die Unterredung war vereinbart worden, nachdem es vor zwei Monaten zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen beiden Seiten über den Umgang der Kirche mit Missbrauchsfällen gekommen war.
"Umfassende Aufklärung" der Missbrauchfälle
In einer gemeinsamen Stellungnahme betonten nun beide Seiten, man sei sich einig gewesen, "dass es das vorrangige Ziel der katholischen Kirche und der staatlichen Stellen ist, in enger Kooperation miteinander und mit den Betroffenen alles zu tun, um eine umfassende Aufklärung der vergangenen Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in den kirchlichen Einrichtungen entschlossen voranzutreiben." Im Mittelpunkt müssten die Opfer stehen. "Sie haben ein Recht auf eine ehrliche Aufklärung".
Zollitsch erläuterte die bereits ergriffenen Maßnahmen. Die Bistümer hätten eigene Ansprechpartner für Opfer benannt. Zugleich verwies er auf die bundesweite kostenfreie Telefon-Hotline. Zudem würden unabhängige Berater eingesetzt. Ferner verwies er auf die Klarstellungen des Vatikan zum Umgang mit Missbrauchsfällen. Dort werde besonders auf der strikten Einhaltung des staatlichen Rechts bei der Aufarbeitung bestanden. Die zuständigen Gremien der Bischofskonferenz arbeiteten zudem an einer Änderung der innerkirchlichen Leitlinien von 2002. Dabei solle deutlich zum Ausdruck kommen, dass Staatsanwaltschaften bei Verdachtsfällen frühzeitig eingebunden werden.
Ministerin begrüßt Kirchen-Maßnahmen
Leutheusser-Schnarrenberger begrüßte die Maßnahmen. Die neuen Leitlinien müssten deutlich machen, dass innerkirchliche Maßnahmen die Aufnahme und Durchführung staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen weder verzögern noch behindern dürften. Staatliche Behörden seien bei Missbrauchsverdacht einzuschalten. Sie begrüßte die Erklärung der bayerischen Bischöfe. Sie hatten eine Anzeigepflicht beschlossen. Zollitsch bekräftigte, dass dem Opferschutz eine besondere Bedeutung beigemessen werde.
Der vom Bundeskabinett eingesetzte Runde Tisch und die Berufung der ehemaligen Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) als unabhängige Beauftragte werden nach Auffassung beider Seiten einen "wertvollen Beitrag" zur Aufarbeitung und Prävention leisten. Leutheusser-Schnarrenberger betonte, dass der Einsatz unabhängiger Berater zur Überwindung der Hemmschwellen der Opfer, erlittenen Missbrauch mitzuteilen, hilfreich sei.
Hochrangige Gesprächspartner
Die Deutsche Bischofskonferenz erklärte, sie werde sich auch an der Unterarbeitsgruppe beteiligen, die sich unter dem Vorsitz der Justizministerin mit der rechtlichen Aufarbeitung befasst. Neben der Durchsetzung des staatlichen Strafanspruchs werde eine der zentralen Fragen sein, wie das Leid der Opfer in den Fällen, die bereits verjährt sind, angemessen anerkannt werden könne.
An dem Gespräch nahmen neben Zollitsch der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Missbrauchsfragen, Bischof Stephan Ackermann, sowie der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, und der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, teil. Auf Seiten des Bundesjustizministeriums nahmen zudem die Staatssekretärin Birgit Grundmann und der Parlamentarische Staatssekretär Max Stadler teil (FDP).
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Zollitsch stellt Leutheusser-Schnarrenberger Ultimatum (23.02.2010)
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Übersicht: Kindesmissbrauch
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
15.04.2010
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