Osterpredigten in Deutschland
Bischöfe für Reue und Neuanfang nach Missbrauchsfällen
Bonn. Millionen Christen haben in Deutschland am Ostersonntag (04.04.2010) die Auferstehung Jesu gefeiert. In ihren Predigten gingen viele Bischöfe auf die aktuell bekannt gewordenen Missbrauchsfälle ein. Dabei sprachen sie nicht nur von Reue und Schuld, sondern auch von einem dringend notwendigen Neuanfang, um das verlorengegangene Vertrauen in die Kirche zurückzugewinnen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, rief die Gläubigen in seiner Osterbotschaft dazu auf, sich jetzt nicht zurückzuziehen. Die katholische Kirche durchlebe "schmerzlich aufrüttelnde und betrüblich turbulente" Monate. Doch jeder, der sich zurückziehe, fehle der Kirche.
Gerade heute gelte es, sich gemeinsam auf den Weg zu machen und die unbegreiflichen Vorkommnisse, die abscheulichen Verbrechen, die dunklen Seiten der Kirche in den Blick zu nehmen. Dabei dürfe die Kirche jedoch nicht stehen bleiben: "Wir brauchen einen Neuanfang", so Zollitsch. Wichtig sei dabei der helfende Blick für die Opfer des Missbrauchs, der in der Vergangenheit oft gefehlt habe.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner erinnerte in seiner Predigt daran, dass die Gläubigen und die Kirche gerade jetzt in Zeiten, in denen sie aufgrund der Missbräuche "unter einer dunklen Wolke leben, den Friedensgruß und die Friedensgabe des auferstandenen Herrn annehmen und aus ihnen leben" müssten.
Marx: Auch Amtsträger bei Erneuerung gefordert
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx kritisierte die Verantwortungslosigkeit vieler als Wurzel der Krisen in Kirche und Gesellschaft. Marx plädierte für eine Erneuerung der Kirche. Sie könne den Osterglauben nur überzeugend leben, wenn "an erster Stelle die Amtsträger in der Kirche" sagen: "Herr, erwecke deine Kirche und fange bei mir an!"
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, neuer Vorsitzender der Pastoralkomission der Bischofskonferenz, nannte die Missbrauchsfälle "erschütternde und beschämende Verbrechen". Noch lange werde man sich damit befassen müssen, "wie Opfern und Tätern Gerechtigkeit widerfährt und wie wir in eine geläuterte und bessere Zukunft gehen – in der Kirche und auch in der Gesellschaft". Die "fundamentale Erschütterung" stelle die katholische Kirche grundsätzlich in Frage, betonte Bode. Die Kirche müsse sich darum bemühen, das verlorene Vertrauen so gut wie möglich wieder aufzubauen.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
04.04.2010
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