
Erzbischof Robert Zollitsch
Missbrauchsfall 1991 im Erzbistum Freiburg
Zollitsch wehrt sich gegen Vertuschungs-Vorwürfe
Freiburg. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat sich gegen Vorwürfe gewandt, 1991 einen Fall sexuellen Missbrauchs vertuscht zu haben. Es sei nie darum gegangen, etwas zu vertuschen. Vielmehr habe "das lange Schweigen vor Ort" die Bistumsleitung an einem früheren Eingreifen gehindert, sagte Zollitsch am Samstag (20.03.2010) in Freiburg.
Der Erzbischof bezog sich auf Vorwürfe des ARD-Magazins "Report Mainz" und der "Badischen Zeitung", wonach er 1991 als Personalverantwortlicher des Erzbistums einen des Missbrauchs bezichtigten Pfarrer zwar in den Ruhestand versetzt, aber nicht die Staatsanwaltschaft eingeschaltet habe.
Entschuldigung bei den Opfern
Zollitsch betonte, die Bistumsleitung habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. "Wir waren damals erschüttert und betroffen über die Vorgänge, und ich bin es auch heute." Der Erzbischof entschuldigte sich bei den Opfern und bat um Verzeihung. "Soweit überhaupt möglich, werde ich mich dafür einsetzen, dass sich die unsäglichen Vorgänge der Vergangenheit im Raum der Kirche nicht mehr wiederholen."
Zugleich räumte Zollitsch ein, er würde "nach heutiger Erkenntnis und mit Blick auf meine Verantwortung als Erzbischof" heute "konsequenter und mit größerem Nachdruck nach Zeugen und Opfern suchen und suchen lassen", als es 1991 beziehungsweise 1995 geschah. Zollitsch fügte an: "Wir haben alle aus den erschreckenden Fällen von Missbrauch gelernt."
Das Erzbistum hatte am Freitag (19.03.2010) den Fall des Ortspfarrers im Schwarzwaldort Oberharmersbach bekannt gemacht, der sich zwischen 1968 und 1991 an mehreren Kindern und Jugendlichen sexuell verging. Bistumssprecher Robert Eberle verwies darauf, dass der beschuldigte Pfarrer die als Gerücht ans Bistum herangetragenen Vorwürfe 1991 abgestritten hatte. Die Gerüchte hätten sich nicht erhärten lassen, da es zunächst keine Aussagen von Opfern gegeben habe. Dennoch sei der Mann in den vorzeitigen Ruhestand versetzt und ihm der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen untersagt worden. Als sich vier Jahre später 17 mutmaßliche Opfer des Pfarrers meldeten, habe das Bistum den Geistlichen erneut mit den Vorwürfen konfrontiert. Daraufhin beging dieser 1995 Suizid.
Als Personalreferent verantwortlich
Die "Badische Zeitung" zitiert einen Zeugen, der angibt, sich 1995 telefonisch an Zollitsch gewandt zu haben. Dieser habe ihn aber mit dem Hinweis abgewiesen, dass nach dem Tod des Priesters die Sache erledigt sei. Bistumssprecher Eberle widersprach dieser Darstellung. Er verwies auch auf die therapeutischen Hilfen, die die Kirche den Opfern angeboten habe. Falls die Betroffenen nun unter den wiederaufkommenden Erinnerungen der Vorfälle vor mehr als 20 Jahren litten, werde das Bistum "erneut gezielte Hilfsangebote" machen.
Vor seiner Wahl zum Freiburger Erzbischof 2003 war Zollitsch seit 1983 als Personalreferent für den Einsatz aller seelsorglichen Mitarbeiter im Erzbistum verantwortlich.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
21.03.2010
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