
Erich Zenger.
Erster Geistlicher Abend zur Fastenzeit im St.-Paulus-Dom
Zenger: Die Welt wieder als "Schöpfung" sehen
Bistum. "Unsere Erde und das Leben auf ihr sind vom Tod bedroht, und die größte Gefahr für die Erde sind wir Menschen selbst, weil wir sie rücksichtslos ausgebeutet und große Gebiete als Lebensraum vernichtet haben." Erich Zenger, emeritierter Professor für die Exegese des Alten Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, näherte sich der biblischen Schöpfungstheologie beim ersten von fünf Geistlichen Themenabenden zur Fastenzeit am Mittwoch (24.02.2010) im St.-Paulus-Dom mit grundsätzlichen Einsichten, beinahe meditierend. Das teilte die Bischöfliche Pressestelle Münster am Donnerstag (25.02.2010) mit.
Wer ökonomische für ethische Werte halte, der sei zum Schutz des Klimas, zur Rettung der Umwelt und zur Förderung der Lebenszusammenhänge auf der Erde untauglich, sagte Zenger. "Tauglich dafür werden wir, wenn wir wieder lernen, die Welt als Gottes Schöpfung zu sehen und zu lieben". Die Erde sei "ein Lebenshaus für alle", betonte der Professor.
Diese Umkehr gelinge am besten, wenn man mit den Augen Gottes auf die Erde und ihre Bewohner schaue. Der Herrschaftsauftrag des Buchs Genesis ("Macht euch die Erde untertan") sei eigentlich ein "Hüteauftrag": "Der Mensch ist Stellvertreter des sich um das Leben sorgenden Gottes in dessen Schöpfung." Deshalb dürfe kein Lebenswesen auf Kosten anderer leben. Gott gebe seine Schöpfung nicht auf, weil er sie liebe. Diese Vision wolle "unseren Umgang mit der Schöpfung inspirieren und verändern", sagte Zenger.
Neuer Lebensstil
Er forderte einen neuen Lebensstil, der den Erhalt und Schutz der Erde – insbesondere für die armen Völker – zum Maßstab der Entscheidungen macht. Es sei höchste Zeit, dass Menschen nicht länger als Ausbeuter der Natur und "rücksichtslose Konsumenten ihrer Ressourcen" agierten, sondern ihre Verantwortung für die Erde ernstnähmen durch Konsumverzicht, Maßhalten und Rücksicht: "Wir sind nicht Herren, sondern Diener der Schöpfung", sagte Zenger. Die Schöpfung sei "Vorgabe, Leihgabe und Aufgabe". Der liebevolle Blick auf die Erde und ihre Güter, auf die Pflanzen und Tiere und auf notleidende Menschen solle "unseren Lebensstil und unser Bewusstsein prägen und verändern".
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Text: pd, jjo | Foto: Markus Nolte
25.02.2010
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