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11.02.2012
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Bischof Felix Genn.

Bischof Felix Genn: "Man kann nur das tun, was auch bezahlbar ist."

Bischof Felix Genn im Interview

"Zuhören – abwägen – entscheiden"

Bistum. Nicht nur die hauptberuflich Tätigen tragen Verantwortung für das Leben der Kirche vor Ort. Das betont Bischof Felix Genn im Interview zu den bevorstehenden Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandswahlen Anfang November. Lesen Sie, was er zu einer der Zukunftsfragen des kirchlichen Lebens meint, welchen Rat er den Gremien gibt und wie der Bischof selbst versucht, Gremien, deren Vorsitz er hat, zu leiten.

"Auf jeden Fall wählen gehen ..."

Am 7./8. November werden im Bistum Münster neue Pfarrgemeinderäte gewählt; im NRW-Teil sind außerdem die Kirchenvorstandswahlen. Im Interview äußert sich Bischof Felix Genn dazu.

kirchensite.de: Gemeindearbeit lebt von dem guten Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Priestern und Laien. Welche Bedeutung messen Sie in diesem Zusammenhang den gewählten Gremien in den Gemeinden zu?

Bischof Felix Genn: Die gewählten Gremien innerhalb der Gemeinden sind die Repräsentanten für das gemeindliche Leben. Sie machen deutlich, dass alle Laien, die zu der jeweiligen Pfarrei und Kirchengemeinde gehören, teilnehmen an den Aufgaben der Seelsorge und der Verwaltung. Sie verdeutlichen, dass Kirche Gemeinschaft ist und dass nicht nur die hauptberuflich Tätigen Verantwortung für das Leben der Kirche vor Ort haben.

kirchensite.de: Warum sollten die Katholiken wählen gehen?

Genn: Eben darum sollten die Katholiken auf jeden Fall wählen gehen. Sie geben wenigstens auf diese Weise kund, dass sie das gemeindliche Leben unterstützen möchten.

kirchensite.de: Worin sehen Sie die Hauptaufgabe der Pfarrgemeinderäte? Wenn die Pfarrgemeinderäte Sie fragen würden, womit sie sich vorrangig beschäftigen sollten, wozu würden Sie raten?

Genn: Die Hauptaufgabe der Pfarrgemeinderäte besteht darin, mit den Priestern, Diakonen und Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten die Herausforderungen der seelsorglichen Arbeit vor Ort zu bedenken, Schwerpunkte zu setzen und zu einem gemeinsamen Handeln zu kommen, das auf verschiedenen Schultern getragen wird.

kirchensite.de: Die Wahlen zu den Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen fallen in eine Zeit eines großen Wandels der Gemeindestrukturen. Vielerorts herrscht Frust, andererseits gibt es aber auch Zeichen für Aufbruch und Neuanfang. – Wie sollten die Gremien in Zeiten des Strukturwandels agieren?

Genn: Gerade weil Frustration und Resignation durchaus realistische Strömungen in unseren Gemeinden sind, sollten die in den Gremien tätigen Katholiken die Situation vor Ort bedenken, gegensteuern und allen Ermutigung geben, indem sie ganz bestimmte Schwerpunkte der Zusammenarbeit für die Zukunft herausgreifen und so demonstrieren, dass man auch bei veränderten Strukturen kirchliches Leben gestalten kann.

kirchensite.de: Eine Zukunftsfrage des kirchlichen Lebens ist die Weitergabe des Glaubens. Wie können die Gremien dem gerecht werden?

Genn: Die Frage ist fundamental. Das kann nur in einer Vernetzung mit den anderen Gemeinden und dem Bistum gehen. Deshalb sollten in den kommenden Jahren verschiedene Initiativen gesetzt werden, die auch den Gremien vor Ort helfen. Diejenigen, die sich jetzt schon in den einzelnen Pfarreien und Kirchengemeinden dieses Thema zum Schwerpunkt wählen, sollten Mut haben, in der Hauptabteilung Seelsorge Kompetenzen anzufragen, die sie bei ihrem Tun unterstützen können. Vor allem scheint es mir von Bedeutung zu sein, gerade in diesem Bereich sehr genau zu analysieren, was vor Ort da ist, was gemacht werden müsste, was möglich ist, um dann zu entscheiden, welcher Schwerpunkt in den kommenden Jahren angegangen werden kann. Alles zu tun ist nämlich nicht möglich, manches wird man so fortsetzen müssen, wie es bisher geschehen ist, selbst wenn man damit nicht zufrieden ist. Aber besser einen neuen Schwerpunkt setzen, als alles verändern zu wollen.

kirchensite.de: Derzeit hat das Bistum Münster keine finanziellen Probleme. Seit Jahren wird allerdings darauf hingewiesen, dass künftig weniger Geld zur Verfügung steht und die Strukturen dem gerecht werden müssen. Was erwarten Sie hier von den Kirchenvorständen im NRW-Teil und den Kirchenausschüssen im oldenburgischen Teil der Diözese?

Genn: Einen verantwortlichen Umgang mit den finanziellen Reserven: Man kann nur das tun, was auch bezahlbar ist. Man braucht nicht alles zu tun, was schön beziehungsweise was notwendig ist.

kirchensite.de: Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat können vieles beschließen, sie sind aber auch Beratungsgremien der Seelsorger. Rat geben und Rat annehmen sind zweierlei. – Welchen Rat geben Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Seelsorge für den Umgang mit den Gremien?

Genn: Zuhören – zuhören – zuhören – abwägen – urteilen – entscheiden.

kirchensite.de: Sie selber haben auf Diözesanebene eine Reihe von Beratungsgremien. Wie gehen Sie damit um? Was bedeutet Ihnen der Rat dieser Gruppen?

Genn: Der Rat dieser Gremien ist mir sehr wichtig. Auch ich möchte so handeln, wie ich es eben für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Seelsorge in den Gemeinden vorgeschlagen habe.

kirchensite.de: Auf Bistums- wie auf Bundesebene haben Sie selber Vorsitz von Kommissionen und Gremien. Wie sollte ein guter Vorsitzender oder eine Vorsitzende agieren?

Genn: Ich kann nur erzählen, wie ich versuche, Gremien zu leiten. Ob das gut ist, können nur andere entscheiden. Jedenfalls erscheint es mir wichtig, eine klare Struktur in einer Sitzung zu haben, viel zuzuhören, möglichst alle zu Wort kommen zu lassen, gut zusammenzufassen, Perspektiven für die weitere Arbeit zu bedenken oder auch bereit zu sein, noch nicht geklärte Fragen in einer zweiten oder dritten Diskussionsrunde anzugehen, bis ein wirklich tragfähiges Ergebnis erzielt worden ist.

kirchensite.de: Gremien können dazu neigen, sich selbst zu beschäftigen und die Alltagsrealität in der Gemeinde aus dem Blick zu verlieren. Haben Sie einen Tipp, damit dies nicht geschieht?

Genn: Wachsamkeit für diese Versuchung.

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