
Neben dem münsterschen Bischof Felix Genn, Overbecks direktem Vorgänger im Amt des Ruhrbischofs, gratulierte auch der Essener Alt-Bischof Hubert Luthe (l.).
Neuer Ruhrbischof: Genn gab Ernennung Overbecks bekannt
Mit "Glück auf" ins neue Amt
Bistum. Nach tagelangen Spekulationen gab es um Punkt 12 Uhr Gewissheit: Papst Benedikt XVI. hat Franz-Josef Overbeck zum vierten Bischof von Essen ernannt. Diese Nachricht gab der münstersche Bischof Felix Genn am Mittwoch (28.10.2009) vor zahlreichen Gästen im Bischofshaus am Domplatz in Münster bekannt. Gleichzeitig veröffentlichten auch der Vatikan und das Bistum Essen die Personalentscheidung.
Er freue sich für das Bistum Essen und wünsche Overbeck, dass der seine neue Aufgabe "mit Bravour" meistere, sagte Bischof Genn. Gleichzeitig seien damit Trauer und Schmerz verbunden: "Ich verliere einen hoch qualifizierten Mitbruder im Bischofsamt", sagte Genn. Overbeck sei ihm in seiner ersten Zeit in Münster zur Hand gegangen und habe ihm geholfen. Aber, so Genn: "Das Bistum Münster ist gewohnt, weltkirchlich zu denken und abzugeben." Das Bistum Essen sei aus drei Diözesen zusammengesetzt: Der erste Ruhrbischof kam aus Paderborn, der zweite aus Köln, und, so folgerte Genn: "Jetzt war Münster dran."
Auf diesen Moment hatten alle Gäste im Bischofshaus gespannt gewartet: Bischof Felix Genn (r.) kommt mit dem ernannten Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, die Treppe herunter. |
Sofort "ja" gesagt
Von seiner Ernennung zum Bischof von Essen hat Franz-Josef Overbeck nach eigenen Worten in Rom erfahren. Dort hatte er sich mit Mitbrüdern getroffen, mit denen er vor 20 Jahren durch Kardinal Joseph Ratzinger zum Priester geweiht worden war. "Ich habe, wie es sich gehört, sofort 'ja' gesagt", erklärte Overbeck in seiner Ansprache. "Weil ich den Gehorsam, den ich von anderen verlange, selbst leben will."
Hinter dem Titel des Ruhrbischofs verberge sich ein doppeltes Programm, sagte Overbeck. Zum einen sei ihm der Dienst des Bischofs an der Kirche im Ruhrgebiet und in Teilen des Sauerlands aufgetragen. Zum anderen sei der Ruhrbischof Bischof für alle Menschen seines Bistums und habe damit eine wichtige politische und gesellschaftliche Position: "Er ist Stimme der Kirche. Er ist bischöfliche Stimme der katholischen Soziallehre in einem für Deutschland und Europa eminent wichtigen Wirtschafts- und Lebensraum, der sich in größten Umwälzungsprozessen befindet und diese auch in den letzten Jahrzehnten bereits bestanden hat."
Mit dem Ruhrgebiet verbunden
Seine neue Diözese sei ihm nahe, sagte Overbeck. Seine Heimatstadt Marl grenzt an das Bistum Essen und gehört größtenteils zum Ruhrgebiet. Gleichzeitig sei er Westfale. "Meine Herkunft und Biografie beschreibt unter dieser Rücksicht die Schnittmenge zwischen meiner neuen Diözese Essen und meinem Heimatbistum Münster." Deutlich werde dies auch am heiligen Liudger, dem ersten Bischof von Münster, der in Essen-Werden bestattet ist. Liudger sei ein Mann "missionarischer Kraft" gewesen, sagte Overbeck: "Ein Mann, der Glaube und Kirche als Lebensform in kulturellen Umbruchzeiten geprägt und mit Leben erfüllt hat."
In der heutigen Zeit mit ihren finanziellen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, religiösen, christlichen und kirchlichen Bedingungen komme ihm als Ruhrbischof eine entsprechende Aufgabe zu: "Nämlich in unserer Zeit zusammen mit allen im Bistum Essen einen solchen missionarischen Weg zu gehen, der zeigt, wie die Menschen, der Glaube und die Kirche zusammengehören." Seinem Vorgänger, Bischof Felix Genn, dankte Overbeck für die "Spuren des Glaubens, die er als Bischof gelegt hat und in denen ich nun weitergehen kann".
Zur Bekanntgabe der Ernennung im Bischofshaus waren auch Overbecks Eltern Annette und Hans-Josef Overbeck gekommen. |
Frische des Glaubens
Als Ruhrbischof sei er in der Nachfolge der Apostel nach Essen gesandt, sagte Overbeck, der mit 45 Jahren der jüngste Diözesanbischof Deutschlands ist. Er wünsche sich den "Geist des unverstellten Anfangs, der Faszination und der Frische des Glaubens und der jungen Kirche". Zum Abschluss seiner Ansprache wünschte er "wie es sich jetzt für mich als Ruhrbischof immer gehört": ein kräftiges "Glück auf!"
Zu den ersten Gratulanten zählten neben Overbecks Eltern auch der emeritierte Bischof Reinhard Lettmann, der Overbeck 2007 zum Bischof geweiht hat. Auch der Essener Alt-Bischof Hubert Luthe, als zweiter Bischof des Ruhrbistums einer der Vorgänger Overbecks, war unter den Gästen. In sein neues Amt wird Overbeck am vierten Adventssonntag (20.12.2009) um 15 Uhr im Essener Dom eingeführt.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Fotostrecke: Ernennung von Bischof Franz-Josef Overbeck (28.10.2009)
Dossier: Bischof Franz-Josef Overbeck
Text: Almud Schricke | Fotos: Michael Bönte
28.10.2009
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