
Nach der Segnung wünscht Bischof Felix Genn (2.v.r.) Abt Laurentius Schlieker (r.) den Frieden. Mitzelebranten waren (v.l.) der Gerlever Alt-Abt Pius Engelbert, Prior Robert Mittweg und der Abtpräses der Beuroner Kongregation, Albert Schmidt.
Segnung des neuen Abts von Gerleve, Laurentius Schlieker
"Väterliche Barmherzigkeit Gottes zeigen"
Billerbeck-Gerleve. Bischof Felix Genn hat am Samstag (24.10.2009) den Benediktinermönch Laurentius Schlieker als fünften Abt des Klosters St. Joseph in Gerleve bei Billerbeck gesegnet. Während der bewegenden Feier in der überfüllten Klosterkirche deutete Felix Genn in seiner Predigt den Wahlspruch des 58-jährigen Klostervorstehers, "Der Geist weht, wo er will" (Joh 3,8), als Bereitschaft des neuen Abts, seine 46 Mitbrüder zur beharrlichen Gottsuche zu ermuntern. Zugleich betonte Bischof Genn die besondere Bedeutung des Benediktinerklosters Gerleve für das Bistum Münster: "Ein Kloster ist ein Bild für die Kirche, aber kein Idealbild. Es trägt dazu bei, die Welt von Innen her umzuformen, damit sich Gottes Wort durchsetzt."
Die Benediktion fand am Vorabend des 100. Todestages der Kloster-Stifterin statt, der Bauersfrau Elisabeth Wermelt. Der 58-jährige Laurentius Schlieker, seit 1969 im münsterländischen Kloster, war am 24. August rasch und mit großer Einmütigkeit gewählt worden, nachdem er zuvor bereits drei Jahre lang der benediktinischen Gemeinschaft als Prior-Administrator vorgestanden hatte.
Die sogenannte "Abtsweihe", bei der nach der kanonischen Wahl der Ortsbischof dem Gewählten den kirchlichen Segen spendet, erfolgte zwischen Wortgottesdienst und Eucharistiefeier durch Übergabe der Benedikts-Regel, Anstecken des Rings, Aufsetzen der Mitra und Überreichen des Abtsstabs durch den Bischof.
Eingeleitet wurde die eigentliche Segnung mit dem feierlichen Versprechen des Gewählten, die ihm Anvertrauten "zur brüderlichen Liebe hinzuführen". Zur Stärkung rief die ganze Gemeinde die Heiligen an, darunter den Klosterpatron Josef, den Namenspatron des Abts Laurentius, den Gründerbischof des Bistums Münster Liudger und Ordensvater Benedikt. Anschließend erbat der Bischof im Segensgebet Abt Laurentius "ein wachsames Herz, dass er sich darum mühe, keinen von denen zu verlieren", die Gott ihm anvertraut habe.
Gottes Geist und das weite Herz
Zwei intensive Glaubensbilder bestimmten die Gebete und Schrifttexte der Feier: das freie Wehen von Gottes Geist und die Weite eines liebenden Herzens. In den Lesungen veranschaulichte der Prophet Ezechiel Gottes Segen: "Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch." (Ez 36,26) Paulus bekräftigte: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist". (Röm 5,5) Und im nächtlichen Gespräch mit Nikodemus, als Evangelium ausgewählt, entfaltete Jesus das Wort vom Geist, der "weht, wo er will". (Joh 3,8)
In seiner Predigt stellte Bischof Felix Genn diesen Wahlspruch des neuen Abts gegen die Maßstäbe außerhalb eines Klosters, in der Wirtschafts-Welt, wo Führungskräfte "Sinn-Macher" sein sollen, damit sich ihre Mitarbeiter begeisternd motiviert ins Zeug legen. "Aber kann man Sinn machen?", wandte der Bischof ein. Sei es nicht bezeichnend, dass nicht wenige Manager regelmäßig Klöster aufsuchten? Ein Kloster eröffne eine andere Dimension, es wecke "den inneren Sinn für das Ganze", lade dazu ein, "sich von Gott führen zu lassen, Sinn zu empfangen und aufzunehmen, statt alles in den Griff bekommen zu wollen".
Für den Bischof bekräftigte der Wahlspruch des neuen Abts dessen Bemühen, "eine Atmosphäre der inneren Suche nach Gott" im Konvent zu begünstigen und "dieser Suche im gemeinschaftlichen Lob und Gebet Ausdruck zu geben". Sich der Wirkung des Geistes Gottes zu unterstellen, könne für einen Abt bedeuten, den Geist auch in einem Mitbruder wehen zu sehen, der ihm Schwierigkeiten bereite, und die Stimme des Jüngsten im Konvent aufmerksam zu hören, weil der Geist womöglich durch dessen Stimme das Entscheidende sage – kurz als Mönchs-Vater "die tägliche Mühsal der Liebe auf sich zu nehmen".
Weihetag für alle Mitfeiernden
Mitzelebranten der Eucharistiefeier waren Abt Albert Schmidt, der Abtpräses der Beuroner Kongregation, der Gerlever Alt-Abt Pius Engelbert und Prior Robert Mittweg. An der Abtsweihe nahmen außer zahlreichen Klostervertretern wie der vom Niederrhein stammenden Äbtissin Clementia Killewald vom Hildegard-Kloster Eibingen, Freunden und Gönnern des Klosters auch Bischof em. Reinhard Lettmann, der Essener Bischof em. Hubert Luthe, Weihbischof em. Max Georg von Twickel und Weihbischof Franz-Josef Overbeck teil.
In seinem Schlusswort betonte Laurentius Schlieker, dies sei ein Weihetag "nicht nur für den kleinen Abt von Gerleve", sondern "für die große feiernde Gemeinde". An diesem Weihetag gehe es "um das Reich Gottes, um Jesus Christus". Dessen Reich werde denen gegeben, "die sich auf den verlassen, der alles wirkt". Er hoffe, betonte der neue Abt, in seinem Amt "etwas von der väterlichen Barmherzigkeit Gottes zeigen" zu können.
Der neue Obere erwies sich zugleich als der alte fröhliche Mönch Laurentius mit dem verschmitzten Lächeln, als er anfügte, dass das Wehen des Geistes zuweilen ganz schön überraschend sein könne: "Wenn das Leben einmal Zitronen schenkt, kann man immer noch Limonade daraus machen."
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