
Schwangere bekommen Beratung und Hilfe bei den Schwangerschaftsberatungsstellen im Bistum Münster. Im Jahr 2008 nutzten fast 7.800 Frauen, Männer und Paare das Angebot.
Schwangerschaftsberatungsstellen im Bistum Münster
Geldsorgen plagen werdende Eltern
Bistum. Fast 7.800 Frauen, Männer und Paare haben im Jahr 2008 die 15 katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster aufgesucht. Die Beratung wird vom Caritasverband im Bistum Münster und vom Sozialdienst katholischer Frauen angeboten.Die größte Sorge bereite den Menschen dabei ihre angespannte finanzielle Situation, verursacht durch geringen Verdienst, Arbeitslosigkeit, Ausbildung, Teilzeitbeschäftigung oder Überschuldung. Viele beziehen staatliche Hilfen.
30 Prozent aller Ratsuchenden hat zwei oder mehr Kinder. Diese Zahl sei "im Hinblick auf die Armutsgefährdung von Mehrkinderfamilien bemerkenswert", heißt es im Jahresbericht der Schwangerschaftsberatung. Mehr als die Hälfte der Ratsuchenden (60,5 Prozent) war zwischen 20 und 29 Jahre alt. Der Anteil der bis 19-Jährigen beträgt 11,9 Prozent, der über 30-jährigen insgesamt 27,6 Prozent. 47,7 Prozent der Frauen sind verheiratet und leben mit ihrem Partner zusammen. Die Schwangerschaftsberatung werde auch von Migrantinnen gut angenommen, heißt es in dem Bericht. Ihr Anteil liegt bei 30,2 Prozent.
Großes Interesse an frühen Hilfen
Großes Interesse bestehe auch an den so genannten frühen Hilfen. Das sind präventive Angebote für Schwangere und Eltern mit Säuglingen und Kindern bis zum dritten Lebensjahr, zum Beispiel Geburtsvorbereitungskurse, Babyspielgruppen, Alleinerziehenden-Treffs und Elterncafés. Mehr als 1.500 Frauen und Männer seien mit diesen Angeboten erreicht worden. Große Nachfrage bestehe auch an den Angeboten der sexualpädagogischen Arbeit nahmen mehr als 6.600 Jugendliche und Erwachsene teil. Schwerpunkt ist die Arbeit mit Jugendlichen, vor allem in Schulen.
"Die Geburt eines Kindes kann Ratsuchende, die sich bereits in einer angespannten finanziellen Lebenssituation befinden, an den Rand ihrer finanziellen Belastungsfähigkeit führen", heißt es weiter. Ziel der Beratung sei es in solchen Fällen, "finanzielle Belastungen, ausgelöst durch die Geburt eines Kindes, zu verhindern oder abzumildern und Ratsuchende darin zu unterstützen, familienunterstützende Leistungen geltend zu machen." Erst danach seien viele in der Lage, die Lösung weiterer Probleme wie zum Beispiel Konflikte in der Partnerschaft anzugehen.
Zahl der Anträge auf Beihilfe stiegen
Insgesamt 62,9 Prozent aller Ratsuchenden haben 2008 finanzielle Hilfen erhalten. Aus dem Bischofsfonds/Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Stiftung betrugen diese Beihilfen mehr als 1,23 Millionen Euro. Das seien 200.000 Euro mehr als im Vorjahr, sagt Anne Ruhe von der Schwangerschaftsberatung des Caritasverbands für die Diözese Münster. 2008 hätten außerdem 300 Menschen mehr als im Vorjahr einen Antrag auf finanzielle Hilfe gestellt. Die Beraterinnen sähen darin einen Zusammenhang mit der Finanzkrise, so Ruhe.
Aus der Bundesstiftung "Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens" wurden insgesamt knapp als 1,86 Millionen Euro Beihilfen vermittelt. Weitere Hilfen in Höhe von knapp 77.600 Euro stammen aus dem kommunalen Hilfsfonds sowie 20.700 Euro aus Spenden und sonstigen Mitteln. Außerdem unterstützen die Schwangerschaftsberatungsstellen die werdenden Eltern mit Babywäsche, Stramplern, Kinderbetten, Kinderwagen und anderen Austattungsgegenständen.
Vernetzte Arbeit
Bei der Schwangerschaftsberatungsstellen engagieren sich 46 Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, 19 Fachkräfte in der Verwaltung und 11 Mitarbeiter, die ehrenamtlich arbeiten. "Vorrangiges Prinzip der Arbeit der Beratungsstellen ist die Hilfe zur Selbsthilfe, die Unterstützung der Ratsuchenden, ihre Anliegen selbstständig umzusetzen".
Die Schwangerschaftsberatungsstellen arbeiten in einem Netzwerk von Diensten, Behörden und Einrichtungen. Sie pflegen Kontakte zu den Arbeitsgemeinschaften der Agenturen für Arbeit und den Kommunen, zu Migrationsdiensten, Hebammen und Ehrenamtlichen. Die Berater helfen unter anderem bei Behördenkontakten und setzen Rechtsansprüche durch. Dabei hilft eine Sozialjuristin beim Diözesancaritasverband Münster. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liege in der Klärung im Zusammenhang von Fragen mit dem Sozialgesetzbuch II.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Bistumshandbuch: Schwangerschaftsberatung
Bistumshandbuch: Caritas im Bistum
Bistumshandbuch: Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)
Bistumshandbuch: Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Stiftung
Übersicht: Familie und Familienpolitik
Mehr zum Thema im Internet:
Text: Almud Schricke | Foto: Michael Bönte
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