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24.05.2012
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Domkapitular Geerlings

Domkapitular Geerlings in Kleve: 87 Prozent der Bürger kennen laut einer Umfrage des Deutschen Caritasverbands keinen armen Menschen.

Geerlings fordert Respekt für Menschen am Rande

Welche Risiken sind selbst verursacht?

Kleve / Münster. Respekt für Menschen am Rande hat der Vorsitzende des Diözesancaritasverbands Münster, Domkapitular Dieter Geerlings, angemahnt. Wenn dagegen die Politik immer wieder "Eigenverantwortung" fordere, dann habe das auch "den Zweck, jemanden zu disziplinieren", sagte Geerlings jetzt in Kleve.

Natürlich sei jeder für sein Leben zunächst selbst verantwortlich, gibt die Pressestelle des Diözesan-Caritasverbands Geerlings wieder. Darüber hinaus stelle sich aber die Frage, welche Risiken tatsächlich selbst verursacht seien, so der Domkapitular. Wenn das Leben scheitere und im Extremfall in die Obdachlosigkeit führe, beginne dies häufig in "verworrenen Familienverhältnissen" oder durch den unverschuldeten Verlust der Arbeitsstelle. "Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft" mahne das Jahresthema der Caritas in 2009 hier zu Recht an.

87 Prozent der Bürger kennen keinen Armen

Besonders leicht an den Rand gerieten vor allem Menschen in Armut, meinte Geerlings. Für sie sei es schwer, Zugang zu Arbeit, Bildung oder Gesundheitsversorgung zu finden. 18 Prozent der Bevölkerung gelten als arm und damit sei der Rand der Gesellschaft nicht schmal. Doch 87 Prozent der Bürger kennen laut einer Umfrage des Deutschen Caritasverbands keinen armen Menschen, erklärte Geerlings.

Entsprechend setze die Politik auf die gesellschaftliche Mitte. Kontakte gebe es nur selten, Begegnung wäre aber ein erster Schritt zur Teilhabe. "Menschen am Rande sind Bürger, denen Grundrechte zustehen wie allen anderen", erklärte der Caritas-Vorsitzende.

Caritas will Bedürftige unterstützen, Rechte geltend zu machen

Begegnung sei ein positiver Aspekt in der Arbeit der Tafelläden, Suppenküchen und Kleiderkammern. Um die akute Not zu lindern, seien sie notwendig und die Arbeit dort anzuerkennen. Aber "die Caritas wird sich nicht damit abfinden", sagte Geerlings. Der Staat dürfe sich nicht aus der Daseinsvorsorge zurückziehen. Deshalb werde die Caritas die bedürftigen Menschen darin unterstützen, ihre Rechte geltend zu machen und ihnen helfen, "das Fördern zu fordern".

Anschließend weihte Geerlings das neue Kontaktcafé der Suchtberatungsstelle ein. Direkt am Gebäude des Caritasverbandes angebaut, ermöglicht es den Mitarbeitern die Begegnung mit Klienten und holt suchtkranke und drogenabhängige Menschen vom Rand in die Mitte der Stadt.

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