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15.11.2018
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Paul Bocklet

Paul Bocklet.

Paul Bocklet, langjähriger Leiter des Katholischen Büros Bonn

"Seelsorger der Politik" ist tot

Bonn / Würzburg. Der Start war hart. Im Herbst 1977 kam Prälat Paul Bocklet nach Bonn. Sein Dienstbeginn als Leiter des Katholischen Büros bei der Bundesregierung war der 1. September. Vier Tage später begannen mit der Schleyer-Entführung die hochdramatischen Wochen des "deutschen Herbstes". Und der Prälat wurde bei ernsten und langen Gesprächen, auch im Bundeskanzleramt, zum Seelsorger der Politik.

Der Seelsorger der hohen Politik: Prälat Paul Bocklet, der am Mittwoch (03.06.2009) im Alter von 80 Jahren in Würzburg starb, füllte dieses Amt mit geistlicher Kompetenz, echter Freundlichkeit und fränkischem Heimatstolz aus. Auch aus dieser Glaub-Würdigkeit erwuchs die Offenheit, mit der politische Spitzenkräfte und Parlamentarier ihm auch in Sachfragen Gehör schenkten.

"Nicht nur Manager sein"

Ob zu Zeiten von SPD- oder unionsgeführten Bundesregierungen – Bocklet war geachtet und beliebt in allen Parteien. Zunächst in den Kanzlerjahren Helmut Schmidts (SPD), danach in der Ära Helmut Kohl (CDU), schließlich auch bei Gerhard Schröder (SPD). "Unter Schmidt galt ich als Roter, weil wir uns so gut verstanden. Als dann Kohl kam, nannte man mich auf einmal den Prälaten des Kanzlers", erzählte er im Jahr 2000 beim Abschied von Bonn.

Dabei stand sein Engagement im "Katholischen Büro" häufig in der Spannung zwischen Vermittlung und Seelsorge. "Man darf nicht nur Manager sein", betonte Bocklet stets. So lagen dem Prälaten die Gottesdienste und Einzelgespräche mit den Abgeordneten besonders am Herzen.

Bocklet und sein Team befassten sich mit vielen Themen: Asyl- und Ausländerpolitik, Renten- und Gesundheitsreform, Familienfragen, Sonn- und Feiertagsschutz, Entwicklungs- und Jugendpolitik, Bioethik, Gentechnik, immer wieder Lebensschutz. Den Stil, den Bocklet auf der informellen Gesprächs- und Kontaktebene pflegte, schätzten Gesprächspartner jeder politischen Couleur.

"Polarisieren nutzt nichts"

Als Bocklet im Dezember 2002 sein Goldenes Priesterjubiläum feierte, lobte Altkanzler Kohl das langjährige Wirken des Prälaten, der über Parteigrenzen hinweg für die Politik immer ein wirklicher Pastor gewesen sei. Zum 75. Geburtstag 2003 würdigte der damalige Bundeskanzler Schröder ihn als "Priester und Seelsorger, geistlichen Begleiter und klugen Vermittler zwischen Kirche und Politik". Vor allem betonte er in Kontroversen mehr das Verbindende als das Trennende. "Polarisieren nutzt nichts", zeigte er sich stets überzeugt.

Der Prälat, dem die Entwicklungshilfe besonders am Herzen lag, erlebte die Regierungswechsel 1982 und 1998, den Fall der Mauer, die Nachrüstungsdiskussion, auch Skandale und Rücktritte aus nächster Nähe. Das Verhältnis von Politik und Kirche veränderte sich in dieser Zeit. Aber trotz aller Veränderungen, von einem zeigte er sich stets überzeugt: "Wir dürfen die Menschen nicht gleich in die Kirche hineinzwingen wollen", betonte er. Die Kirche müsse offen auf die Menschen zugehen. Diese Offenheit erinnerte auch an seine ersten Priesterjahre. Im Bistum Würzburg war er vor mehr als 50 Jahren Diözesanjugendseelsorger; auch diese Zeit hatte ihn geprägt.

Im Jahr 2000 kehrte Bocklet heim vom Rhein an den Main. So lange der Prälat – gut 22 Jahre – in Bonn wirkte, blieb er stets bekennender Franke, schwärmte von der reichen Tradition des Hügellandes am Main oder dem Wandern. Der Draht zur Heimat, der Kontakt mit der Großfamilie tat ihm stets spürbar gut und sorgte für Erdung gegenüber dem Leben in der mehr oder weniger hohen Politik. In seinem eigentlichen Heimatort, Salz bei Bad Neustadt an der Rhön, war der Bauernsohn schon seit 2002 Ehrenbürger. Der Platz zwischen Pfarrkirche und Elternhaus heißt "Prälat-Paul-Bocklet-Platz".

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterBocklets Nachfolger in Berlin: Karl Jüsten im Porträt (08.01.2007)

Text: Christoph Strack, Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Archiv
03.06.2009

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