
Weihbischof Heinrich Timmerevers spendet die Firmung, hier in St. Vitus Löningen mit Pater Walter Körbes aus Hemmelte (links) und Dechant Ludger Fischer aus Lindern.
Wie Weihbischof Timmerevers Kontakt zu Firmkatecheten suchte
Firmlingen ehrliches Zeugnis geben
Oldenburger Land. Am Pfingstfest feiert die Kirche das Kommen des Heiligen Geistes. Das Fest ist damit eng verbunden mit dem Sakrament der Firmung. Kirche+Leben hat den oldenburgischen Regionalbischof Heinrich Timmerevers gefragt, welche Impulse er mitgenommen hat von acht regionalen Treffen mit Männern und Frauen, die Jugendliche auf das Sakrament vorbereiten.
Kirche+Leben: Herr Weihbischof, man kann manchmal den Eindruck gewinnen, in der Kirche werde sehr oft nur geklagt. Wie haben Sie das bei Ihrer Rundreise zu den Firmkatecheten und -katechetinnen im Oldenburger Land erlebt?
Weihbischof Timmerevers: Ich habe viele und vor allem junge Erwachsene erlebt, die Jugendliche zum Glauben hinführen wollen und sich dafür intensiv einsetzen. Dabei ist mir sehr oft Freude begegnet und eine begeisterte Grundstimmung. So etwas tut allen gut und ist eine Ermutigung für die Gemeinden wie auch für mich selbst. Klagen oder Ähnliches sind mir unter diesen engagierten Christen kaum begegnet.
Kirche+Leben: Eine solche Rundreise hat es in der oldenburgischen Bistumsregion erstmals gegeben. Was hat Sie zu dieser Aktion bewegt?
Timmerevers: Im Jahr spende ich mehr als 2.000 Kindern und Jugendlichen zwischen Wilhelmshaven und Damme das Sakrament der Firmung. Jedes Mal sind das sehr feierliche und sehr schöne Gottesdienste, an die die Firmlinge sicher lange zurückdenken werden. Im Lauf der Zeit ist mir aber etwas Wichtiges aufgefallen, besonders, wenn ich zugleich auch zu offiziellen Besuchen in den Gemeinden zu Gast war. Die große Gruppe der Menschen, die sich in der Firmvorbereitung einsetzt, steht in den Gemeinden und oft auch aus meiner Perspektive während der Feier der Firmspendung oft etwas am Rand. Ihnen wollte und will ich in besonderer Weise begegnen, um ihnen vor allem Dank und Anerkennung auszusprechen. Und das nicht nur aus Höflichkeit. Die Katechetinnen und Katecheten tragen entscheidend dazu bei, dass in jungen Menschen der Glaube wachsen kann.
Kirche+Leben: Sie haben bei Ihrer Rundreise jedes der acht oldenburgischen Dekanate besucht und inzwischen eine große Zahl von Katechetinnen und Katecheten persönlich kennengelernt. Wo haben Sie die vielleicht ungewöhnlichste Gruppe erlebt?
Timmerevers: Ich möchte das nicht unbedingt an einem Ort oder an einer Region festmachen. Aufgefallen ist mir jedoch, dass der lebendigste und der intensivste Austausch dort stattfindet, wo die Hauptamtlichen in der Seelsorge mit den ehrenamtlichen Katechetinnen und Katecheten gut zusammenarbeiten. Wo ich spüren konnte, dass die Hauptamtlichen die Ehrenamtlichen intensiv begleiten und sie dahingehend fördern, dass es ihnen gelingt, ihre Begabungen einzubringen – das waren für mich die schönsten Treffen.
Kirche+Leben: Den klassischen Einschnitt muss die Kirche im oldenburgischen Teil des Bistums wohl immer noch zwischen katholischen Kerngebieten im Süden und zerstreut lebenden Katholiken im Norden setzen, wo oft nur sechs Prozent der Bevölkerung katholisch sind. Vor diesem Hintergrund: Wie haben Sie Ihre Begegnungen mit den Katecheten und Katechetinnen in den Dekanaten Delmenhorst, Oldenburg und Wilhelmshaven erlebt?
Timmerevers: Natürlich sind dort die Zahlen kleiner, das ist ganz klar. Aber das sagt ja nichts über das persönliche Zeugnis der einzelnen Katecheten! In Nordoldenburg habe ich gesehen, dass die Firmvorbereitung das Anliegen ganzer Gemeinden ist, dass Lehrer, Kommunionhelfer oder Aktive aus der Jugendarbeit sich dort einsetzen. Der Grund liegt auf der Hand: Wenn eine Gemeinde klein ist, dann trägt sie ein solches Ereignis wie die Spendung des Firmsakraments als Ganze mit. Wenige Leute tragen viel dazu bei – auf diese Formel kann man es bringen. Von der Lebendigkeit her ist die Katechese dort also ohne Weiteres mit Gemeinden mit anderen Regionen im Oldenburger Land vergleichbar.
Kirche+Leben: Kleinere Zahlen in Nordoldenburg in kleineren Gemeinden – wie kann man die Spendung des Firmsakraments trotzdem zu einem großen Fest machen?
Timmerevers: Ich möchte da vor allem auf den Gottesdienst zur Firmspendung in der neuen Stadtgemeinde von Wilhelmshaven verweisen. Dort sind seit einem Jahr neun kleinere Gemeinden zu einer großen zusammengeschlossen. Die Katechese findet jedoch weiterhin in den Gemeindeteilen vor Ort statt, in kleinen Gruppen. Mir fällt da immer der Begriff der "Pfarrfamilie" ein. Die einzelnen Glieder dieser Familie wirken an ihrem je eigenen Ort, und das macht die Pfarrfamilie sehr lebendig. Zum Abschluss der Vorbereitung und zur Spendung des Sakraments kommen die Jugendlichen mit ihren Familien dann in der St.-Peter-Kirche zusammen, der größten Kirche der Stadt, wo 650 Menschen Platz finden können. In der dann mitunter überfüllten Feier können die jungen Menschen spüren, dass sie in der Kirche in einer größeren Einheit eingebettet sind, sie können sich als große Gemeinschaft erfahren. Und das ist, so glaube ich, für dieses Alter etwas ganz Entscheidendes.
Kirche+Leben: In Nordenham St. Willehad lebt die Vorbereitung auf die Firmung von einem besonderen Akzent. Die Firmlinge werden intensiv in soziale Projekte eingebunden. Neben der geistlichen Vorbereitung besuchen sie alte Menschen oder helfen Kindern bei den Hausaufgaben. Wie schätzen Sie solche Formen der Vorbereitung ein?
Timmerevers: Ich möchte hier an die Grundfunktionen kirchlichen Lebens erinnern: Weitergabe des Glaubens, Feier des Glaubens und gelebte Nächstenliebe. Daraus ergibt sich unmittelbar: Jeder Christ, ob jung oder alt, hat eine Verantwortung für seinen Nächsten! Deshalb halte ich es für sehr angemessen, den sozialen Aspekt in die Vorbereitung auf die Firmung einzubinden. Vor allem: Diese Arbeit weitet den Blick der jungen Menschen, die vielleicht noch nie mit solchen Fragen und auch Nöten in Berührung gekommen sind.
Kirche+Leben: Für viele Jugendliche – das haben Katecheten berichtet – spielt der Glaube im tiefsten Innern durchaus noch eine Rolle. Nach außen würden sie das aber niemals zeigen, da müsse man eher als "cool" gelten. Gibt es eigentlich so etwas wie Patentrezepte, wie man Jugendlichen in dieser schwierigen Übergangsphase den Glauben vermitteln kann?
Timmerevers: Patentrezepte bestimmt nicht. Die Jugendlichen sind in einer Orientierungsphase. Sie sind oft schnell mit einem Urteil zur Hand, manchmal oberflächlich, doch mitunter auch sehr entschieden; das betrifft alle Fragen und damit auch Fragen des Glaubens. Wir können jedoch versuchen, ihnen ganz vorsichtig und durch das eigene Zeugnis die Schönheit und die Kraft des Glaubens zu vermitteln, seine Bedeutung für das Leben, seine Antworten auf die existenziellen Fragen. Wir können damit zum Nachdenken anregen, zum Nachdenken über die manchmal schnell getroffenen Vorurteile. Wichtig bleibt das ehrliche Zeugnis der Katechetinnen und Katecheten. Auf diese Weise, da bin ich voll Vertrauen, wird der Glaube eine wirkliche Option im Leben der Jugendlichen bleiben.
Kirche+Leben: Wenn Jugendliche sich eher schwer tun mit dem Glauben – könnte ein Ausweg sein, sie früher zu firmen?
Timmerevers: Die Frage des Alters von Firmbewerberinnen und -bewerbern wird oft überschätzt. Natürlich sind Jugendliche von 15 oder 16 Jahren schwerer zu nehmen. Man kann es ruhig so formulieren, dass sie sperrig sind. Bei meinen Gesprächen mit den Katecheten sind mir immer wieder spannende Geschichten erzählt worden, bei denen ich dachte: Du meine Güte, wie hat die Katechetin das nur geschafft? In einer Gemeinde etwa saß sie vor zwei Punks, die sich der Vorbereitung zunächst komplett sperrten. Dem Engagement der Katechetin ist es wohl zu verdanken, dass sie sich öffneten und sich auf die Katechese einließen. Beim Firmgottesdienst habe ich dort jedenfalls keine dem Klischee entsprechenden Punks wahrgenommen.
Kirche+Leben: Es kommt also viel auf das Verständnis der Katechetinnen und Katecheten an?
Timmerevers: Durchaus, auch wenn das sicher nicht immer leicht ist. Junge Menschen verstehen wollen – das ist eine Grundvoraussetzung einer fruchtbaren Katechese. Was ich mit dem Begriff "sperrig" ausdrücken wollte, ist dieses: Kinder und Jugendliche haben zunächst einmal das Recht, alles infrage zu stellen und zu hinterfragen. Das ist wichtig, weil sie in dieser Phase selbst nach Lösungen für Probleme und nach Antworten für ihr Leben suchen. Deshalb ist es für sie auch sehr mühsam, in einer Firmgruppe auf einmal über Fragen des Glaubens – und dann auch noch über den eigenen – nachzudenken und mit anderen ins Gespräch zu kommen.
Kirche+Leben: Da haben es die Firmkatecheten ja wahrhaftig nicht leicht.
Timmerevers: Weiß Gott nicht. Es ist die Bestimmung der Kirche, Menschen von Gott zu erzählen, von der Frohbotschaft Jesu Christi Zeugnis abzulegen – natürlich auch den jungen Menschen gegenüber. Aber leicht, das ist es nicht. Die Katecheten erleben ja nur zu oft, dass ihnen Jugendliche anvertraut sind, die sich weit von Kirche und Glauben entfernt haben. Manchmal – das ist dann ein Geschenk – suchen sie aus dieser gewissen Distanz heraus wieder Kontakt zur Kirche. Doch wächst andererseits auch die Entfremdung. Solche Fremdheit auszuhalten und die Jugendlichen auf einem gemeinsamen Weg mitzunehmen, dieses Sperrige aufzubrechen – da leisten die Katecheten einen wirklich missionarischen Dienst.
Kirche+Leben: Wie findet man denn Menschen, die sich dieser schwierigen Aufgabe stellen?
Timmerevers: Bei den Treffen ist mir aufgefallen, dass inzwischen sehr viele junge Menschen, die selbst erst vor wenigen Jahren gefirmt worden sind, sich jetzt für die Vorbereitung zur Verfügung stellen. Das hat mich sehr gefreut, nicht nur der Einsatz dieser jungen Menschen an sich. Gerade junge Menschen haben als Katecheten oft einen schnelleren Zugang zu Jugendlichen. Grundsätzlich wird es aber darauf ankommen, dass die Hauptamtlichen in der Seelsorge immer wieder darauf schauen, wo sie in ihren Gemeinden katechetische Begabungen entdecken und fördern können. Die schwierige Aufgabe darf nicht dazu führen, dass letztlich der katechetische Dienst allein von den Priestern, Diakonen und pastoralen Mitarbeitern geleistet und verantwortet wird. Die Katechese ist eine Aufgabe der ganzen Gemeinde.
Kirche+Leben: Wie wichtig sind für Sie einheitliche Vorbereitungsmaterialien und Programme? Kann man dadurch etwas stärken oder verbessern?
Timmerevers: Da sage ich ganz klar: Konzepte, Firmmappen und -materialien sind wichtig, sie sind oft richtig und gut. Aber im Letzten kommt es doch auf etwas Anderes an. Nämlich auf das persönliche Zeugnis der Katecheten, nicht auf das Papier, das sie in der Hand halten. Wenn die Katecheten in aller Überzeugung das weitergeben und leben, was sie von Jesus Christus und seiner Botschaft verstanden haben, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass der Geist Gottes das Seine hinzugibt. Die Firmung ist eine Gabe Gottes, ein Geschenk. So wird auch klar: Nur auf das "Geschenkpapier" zu schauen – das verbietet sich von selbst.
Kirche+Leben: Sie haben bei den Treffen immer davon gesprochen, die Katecheten sollten ihren Dienst in "überzeugter Gelassenheit" tun. Was wollten sie damit sagen?
Timmerevers: Im Grund ist es etwas ganz Einfaches und Selbstverständliches: Jesus ist ja schon da, er lebt mitten unter uns in der Kirche. Jede Katechetin, jeder Katechet kann also mit einer überzeugten Gelassenheit den Kindern und Jugendlichen begegnen: Wenn ich tue, was ich kann, dann wird Gott das Entscheidende tun, das, was ich selbst nicht machen und schaffen kann.
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