
Bischof Felix Genn sprach vor den Seelsorgern zum Thema "Dimensionen der pastoralen Herausforderung".
Tag der Seelsorgerinnen und Seelsorger in Münster
Gedanken der Communio stärken
Bistum. Den Strukturfragen im Bistum Münster will Bischof Felix Genn eine geistig-geistliche Grundlage geben, die in Gemeinschaft mit allen Seelsorgerinnen und Seelsorgern durchgeformt und geprägt werden sollen. "Jede Strukturreform der Gegenwart steht und fällt mit der Frage, ob diejenigen, die als Hauptamtliche tätig sind, ganz gleich in welchem Dienst der Kirche, bereit sind zur Kooperation", sagte Bischof Genn beim Tag der Seelsorgerinnen und Seelsorger am Dienstag (28.04.2009) in der Halle Münsterland.
Vor mehr als 900 Priestern, Diakonen und Pastoralreferenten forderte Bischof Genn, den im Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelten Gedanken der "Communio" (Gemeinschaft) in der Seelsorge umzusetzen: "Communio ist ein praktischer Begriff, nicht Ausdruck einer Sehnsucht, nicht theologische Leitidee, sondern Praxis, die in den pastoralen Teams Ausdruck finden muss. Die Zeit des Einzelkämpfers und der Einzelkämpferin ist endgültig vorbei."
"Echte Kooperation" in der Seelsorge
Es gehe um "echte Kooperation" in der Seelsorge. Deshalb sei für ihn das Band des Bischofs mit seinen Priestern, die Verbindung mit den Diakonen, der Austausch mit den Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten "nicht einfach Beigabe, etwas um was man nicht herum kommt, sondern wesentlich für den bischöflichen Dienst". Dieser Aufgabe stelle er sich gern als Bischof von Münster.
Im gemeinsamen Suchen nach Antworten auf die Herausforderungen der Seelsorge stehen nach Ansicht von Genn zwei Fragen im Mittelpunkt: "Wie kommen wir zu einem guten 'Wir'? Wie öffnen wir den Raum, in dem Jesus sein und wachsen kann?" Angesichts der Veränderungen der volkskirchlichen Traditionen und der Sozialgestalt der Kirche falle es schwer, gleich "Patentrezepte" auf den Tisch zu legen, wie die Zukunft der Kirche weiterzuentwickeln sei.
Große pastorale Herausforderung
Auch wenn die Kirche den Rückgang der Bindekraft erfahre, gebe es keinen Anlass zur Resignation, denn die Kirche habe ein klares Programm: "Wir verkünden das Evangelium des Lebens. Darauf können sich die Menschen verlassen." Viele Menschen hätten eine tiefe religiöse Sehnsucht, ohne dass dies unmittelbar zum Glauben führe. Umso größer sei die pastorale Herausforderung der Kirche.
Es komme auf das Glaubenszeugnis jedes Einzelnen an. Genn warnte deshalb vor einem "Rückzug" der Christen aus dem öffentlichen Raum: "Wir müssen dem Evangelium Gestalt geben und es in die Auseinandersetzung der Gegenwart stellen. Ich bin davon überzeugt, dass es auch das Heute so prägen und gestalten kann, dass wieder eine christliche Kultur möglich ist."
Blick auf Jesus richten
Die Seelsorger sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn nicht alle ihre Erwartungen erfüllt würden. In der heutigen Zeit gebe ein ausgeprägtes Freiheitsdenken, in der Menschen selbst über ihre religiöse Grundeinstellung entscheiden oder ein scheinbares Nein zum Christsein aussprechen.
Um der Herausforderung der Freiheit zu begegnen, helfe ein Blick auf Jesus: "Wir bleiben Zeugen, so wie Christus selbst Zeuge ist. Wir müssen die Einsamkeit aushalten, nicht verstanden zu werden. Jesus war Zeuge der Wahrheit. Zu dieser stand er, und er lebte damit, dass er im freien Spiel der Kräfte abgelehnt wurde und wird. Die Erlösung besteht darin, dass er selbst dieses Nein und diese Ablehnung mit seiner Liebe unterfangen hat."
Schwerpunkt Katechese
Als besonderen Schwerpunkt künftiger Arbeit benannte Genn die Katechese. Sie führe in die Praxis christlichen Lebens ein. "Katechese ist mehr als Information. Sie ist Teilhabe an der Selbstmitteilung Gottes." Die Gläubigen bräuchten Hilfen, damit sie Rechenschaft von der christlichen Hoffnung geben könnten. Mit Sorge beobachtet Bischof Genn die Gefahr, dass die Gemeinden zu sehr die bürgerliche Mittelschicht anspreche und bediene. Auch gebe sich Kirche allzu oft viel zu akademisch. "Kirche ist für alle sozialen Gruppen da. Wir brauchen wieder einen verstärkten Blick für die Armen in unseren Gemeinden."
Es gebe eine versteckte und verschämte Armut, mit der sich die Gemeinden beschäftigen müssten. "Wir müssen uns selbstkritisch fragen: Haben wir die Benachteiligten nicht an den Caritasverband abgegeben? Eine Gemeinde fällt und steht damit, wie sie mit dem Armen und Benachteiligten umgeht." Unter dem Applaus der Seelsorgerinnen und Seelsorger sagte Genn: "Wir sind keine bürgerliche Kirche."
Dank für herzlichen Empfang
In der mit Ovationen aufgenommenen einstündigen Rede dankte Genn für den herzlichen Empfang mit Bistum Münster, den er seit seiner Amtseinführung spüre: "Ich fühle mich wirklich von Herzen an- und aufgenommen. Ich tue meinen Dienst nicht allein. Ich danke jedem Einzelnen für sein Gebet und sein Engagement." In zahlreichen Gesprächen und persönlichen Begegnungen vertiefte Genn während des Tags den Kontakt zu den Seelsorgerinnen und Seelsorgern.
Aufgeteilt in den fünf Regionalgruppen Münster-Warendorf, Borken-Steinfurt, Coesfeld-Recklinghausen, Niederrhein und Oldenburg diskutierten die Anwesenden mit den Weihbischöfen Heinrich Timmerevers, Josef Voß, Heinrich Janssen, Franz-Josef Overbeck und Generalvikar Norbert Kleyboldt über Erfahrungen der Pfarreien hinsichtlich der Strukturreformen und der Gemeindearbeit. Den Abschluss des Tags der Seelsorgerinnen und Seelsorger bildete ein Pontifikalamt mit Bischof Genn im St.-Paulus-Dom.
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Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard
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