
Irmin Brocker arbeitete ein Jahr lang in einer Ordensschule in Chile.
Als Missionarin in Chile
Zeit für Gott und die Menschen
Münster. "Es war ein langer Prozess des Hörens", sagt Irmin Brocker im Rückblick auf die Zeit vor ihrer Reise nach Chile im Jahr 2007. Nach ihrem Abitur hatte sie sich entschlossen, als Missionarin auf Zeit für ein Jahr zusammen mit den Schwestern der christlichen Liebe in Chile zu arbeiten. "Die Selige Mutter Pauline von Mallinckrodt, die die Gründerin dieses Ordens ist, hat mich schon immer sehr begeistert", erinnert sich Brock. "Ich wollte in diesem Jahr ihren biografischen Spuren folgen."
Die 21-jährige wollte eine neue Glaubenserfahrung machen und die Zeit zwischen Schule und Studium mit der eigenen Lebensplanung verbinden. "In Deutschland kam ich mit meiner eigenen Berufung nicht weiter", sagt Irmin. Auch ein Leben als Ordensschwester habe sie zu Beginn der Reise nicht ausschließen können.
Ihre Eltern waren zunächst nicht von der Idee ihrer Tochter begeistert. "Zuerst habe ich wenig Unterstützung bekommen, aber als meine Eltern gesehen haben, dass ich von meinem Plan wirklich überzeugt war, haben sie ihn mitgetragen." Auch ihre Freundinnen und ihr Freund haben sie gewähren lassen. "Mein Freund ahnte als einziger, dass es die Möglichkeit gab, dass ich in Chile bleiben konnte. Aber er hat meine Pläne trotzdem mitgetragen", erinnert sie sich.
"Sehr erfüllend"
In ihrer Zeit in Chile lebte Irmin in einem Kloster der Schwestern der christlichen Liebe, in den von der Kongregation geleiteten Schulen gab sie Unterricht. "Ich habe unter anderem einen Chor geleitet, ein Theaterstück mit den Kinder einstudiert und einen Solidaritätslauf veranstaltet", berichtet Irmin. Eine Unterrichtsreihe zum Thema Pippi Langstrumpf sei bei den Kindern besonders gut angekommen, da die Kinder sich fernab der sonstigen Strenge wie Pippi Langstrumpf verhalten durften. "Die Arbeit mit den Kindern war sehr erfüllend", freut sich Irmin auch heute noch über diese Erfahrung.
Neben der Arbeit mit den Kindern blieb für die 21-jährige aber auch viel Zeit für die Stille. "Ich finde es wichtig, schweigen zu können, um Gottes Stimme zu hören", erklärt Irmin. Trotz der Gemeinschaft mit den Schwestern habe sie auch eine besondere, weil erfüllende Einsamkeit erlebt. "In dieser Zeit habe ich gelernt, Gott auf mich zukommen zu lassen", erinnert sich die junge Frau, die heute in Münster Religion und Spanisch studiert.
Das Jahr habe sie innerlich eigentlich "komplett durcheinander" gebracht. "Ich bin ganz vielen Fragen sehr tief auf den Grund gegangen, was oft eine große Herausforderung war." Sie Habe viele gute Glaubenserfahrungen machen dürfen. "Ich bin zurückgeflogen, aber innerlich erst ein halbes Jahr später angekommen", erinnert sie sich. Ein innere Suche, die sich gelohnt hat, weiß sie im Rückblick: "Jetzt bin ich mehr bei mir als vorher."
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Text: Franzis Rewer | Foto: Archiv
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