
Anderen Menschen helfen, die Liebe Gottes zu entdecken: Schwester Lioba.
Berufen zum geweihten Leben: Schwester Lioba
"Wähle du!"
Uedem. "Als Jugendliche war 'Ordensschwester werden' das Letzte für mich. Ich habe zu Gott gesagt: 'Alles nur nicht das'", erzählt Schwester Lioba schmunzelnd. Doch mittlerweile lebt die 43-jährige gelernte Handweberin und Ergotherapeutin nun schon seit 15 Jahren in der Gemeinschaft der Seligpreisungen.
Den ersten Anstoß gab die Begegnung mit jungen Ordensleuten: "Als ich 16 oder 17 Jahre alt war, habe ich eine Benediktinerin und einen Franziskanerpater erlebt, die die Liebe Gottes ausgestrahlt haben", erzählt Schwester Lioba. Bis dahin hatte sie in ihrer Umgebung ausschließlich ältere Schwestern kennen gelernt. Für sie kam es nicht in Frage, selber diesen Weg zu wählen. "Ich wollte immer heiraten und viele Kinder haben. Es war für mich klar, dass ich eine Familie gründen möchte."
Gottes Liebe kann das Leben erfüllen
Entscheidend und zugleich lebensverändernd war für die junge Frau jedoch die Erkenntnis, dass die Liebe Gottes persönlich und konkret ist und das Leben wirklich erfüllen kann: "Die Erfahrung, dass Gott mich liebt und nur das Beste für mich will, hat mir die Angst genommen, dass er mich zu etwas berufen könnte, das mich nicht glücklich macht." Das habe sie innerlich frei gemacht und sie dazu bewogen, Jesus die Ruder für ihr Leben in die Hand zu geben und ihm anzubieten: "Wähle du."
Als sie 22 Jahre alt war, gab es ein konkretes Erlebnis, dass dazu führte, ihr Leben ganz Gott zu weihen: "Gott hat konkret in einer Zeit der Anbetung innerlich zu mir gesprochen und mich eingeladen, nicht zu heiraten, sondern mein Leben ihm auf eine besondere Weise zu widmen. In diesem Augenblick fühlte ich mich von Gottes Liebe erfüllt und zugleich ganz frei, 'Ja' oder 'Nein' zu sagen." Als sie dann nach ungefähr zwei Stunden die Kapelle verließ, war es entschieden: "Gott hat mich gerufen, und ich habe ihm mein 'Ja' gegeben. Und das gilt fürs ganze Leben." Ihre Eltern reagierten zunächst überrascht, haben es aber schließlich positiv aufgenommen und sie in ihrem Weg unterstützt.
Begeisterung bleibt spürbar lebendig
Diese Entscheidung liegt nun viele Jahre zurück. Doch die Begeisterung für ihre Berufung ist in Schwester Lioba lebendig geblieben. So weiß die gebürtige Rüdesheimerin viel Positives darüber zu berichten, was ihr Lebensstand mit sich bringt: "Es ist schön, ganz für Gott leben zu dürfen und anderen das Zeugnis zu geben, dass die Liebe Gottes unser Leben ganz reich und erfüllt machen kann. Und es gibt nichts Schöneres, als anderen Menschen zu helfen, die Liebe Gottes zu entdecken", freut sich Schwester Lioba.
"Natürlich bleibt es ein Opfer, keine eigene Familie zu haben, aber eigentlich ist auch das eine tiefe Freude", sagt sie mit einem Lächeln: Denn dieser Verzicht sei nicht umsonst. Er werde wirksam für viele Menschen, die dadurch Gott und damit den Sinn und das wahre Glück im Leben finden können.
Die lebendige Beziehung zu Christus durch das Gebet und das gemeinsame Leben in der Gemeinschaft mit ihren Mitschwestern und Mitbrüdern helfen ihr, diese Berufung Tag für Tag zu leben. "Gott führt unser Leben und überrascht uns mit immer neuen Dingen. Es bleibt ein Abenteuer", sagt Schwester Lioba. So erfährt sie täglich Gottes Hilfe im Alltag. "Wähle du" - diese Entscheidung hat sie nie bereut.
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Text: Franzis Rewer | Foto: Archiv
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