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01.06.2016
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Darstellung der heiligen Familie in einem Kirchenfenster.

Darstellung der heiligen Familie in einem Kirchenfenster im Wallfahrtsort Klausen.

Serie zur Bischofssynode (14): Familie in der Bibel

Vorbild heilige Familie?

Die Familie ist die Urzelle des gesellschaftlichen Lebens. Sie ist die natürliche Gemeinschaft, in der Mann und Frau zur Hingabe der Liebe und zur Weitergabe des Lebens berufen sind." So steht es im weltweit gültigen Katechismus der katholischen Kirche (KKK). Eine Selbstverständlichkeit, die allerdings – katholisch verstanden – noch eine viel tiefere Bedeutung hat: "Die christlich gelebte Familie hat eine unersetzliche Bedeutung für die Kirche", schreiben die deutschen Bischöfe in ihrem "Erwachsenen-Katechismus". "Als Hauskirche bringt sie ihren Glauben, ihr Beten und ihr Handeln in die Gemeinschaft und in die Gesamtkirche ein und strahlt zugleich in die Welt aus."

Die Familie als "Kirche im Kleinen", in der nicht nur gelernt und erfahren, sondern ausgestrahlt wird, wie der Glaube das Leben stärkt, wie Gott als bedingungslose Liebe treu unter den Menschen ist. Mehr noch: "Die christliche Familie ist ... ein Zeichen und Abbild der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes im Heiligen Geist. In der Zeugung und Erziehung von Kindern spiegelt sich das Schöpfungswerk des Vaters wider" (KKK).

Die Familie als höchstes Gut – aufs Engste verbunden mit der Ehe zwischen Mann und Frau, die von der Kirche derart geachtet wird, dass sie sie sogar als Sakrament versteht, also als wirksames Zeichen der Gegenwart Gottes in dieser Welt – als einziges der sieben Sakramente übrigens, das sich zwei Menschen gegenseitig spenden. Das ist das Grundlegende, die Basis.

Und augenscheinlich sehnen sich trotz oder wegen hoher Scheidungsraten der überwältigende Teil junger Menschen am meisten nach Liebe, Verbindlichkeit und Treue in einer eigenen Familie. In diese Sehnsucht hinein die kirchliche Ermutigung zu gegenseitiger Achtung, zu Rücksichtnahme, zu partnerschaftlicher Wachheit, zu Treue und gestalteter, mitunter zu erringender, schöpferischer Zukunft zu sprechen – diesen "Schwung" sieht das Vorbereitungsdokument zur Familiensynode als Chance für einen "neuen Frühling der Familie".

Mitunter freilich macht es sich die Kirche selber schwer, wenn sie wie manche Paare Sehnsuchtsbilder zu Idealbildern macht. Wo etwa der Katechismus von der "einzigartigen Bedeutung" der Familie spricht, verweist er zugleich auf die "christliche Familienordnung" im Epheserbrief (5, 21-6,9).

Da ist dann zwar auch vom "tiefen Geheimnis" der Liebe zwischen Mann und Frau die Rede, das sogar auf das Verhältnis von Christus und Kirche bezogen wird; wenige Zeilen zuvor aber ist dort ebenso zu lesen: "Ihr Frauen, ordnet euch euren Männer unter wie dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist." Freilich heißt es wenige Verse weiter: "Die Männer sind verpflichtet, ihr Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib."

Schwierige Texte, die – wo sie unredlich wörtlich aufgegriffen wurden – wahrlich nicht nur Gutes bewirkt haben. Ohnehin eignet sich die Bibel nur bedingt als Fundgrube oder Zitatenschatz für konkrete Anweisungen in allen Lagen des Familien- und Ehelebens. Sonst jedenfalls müssten auch diese Geschichten mit ähnlicher Bedeutungsschwere wahrgenommen werden: wenn etwa im Alten Testament Sara nach langer Kinderlosigkeit ihren Mann Abraham auffordert, mit ihrer Sklavin Hagar zu schlafen; auch Jakobs Frau Rahel ist lange unfruchtbar, auch sie kommt zu Kindern, indem sie ihre Sklavin mit Jakob schlafen und dann sogar dieses Kind als ihr eigenes beglaubigen lässt; und selbst der große König David nahm sich gleich mehrere Frauen und zeugte Kinder mit ihnen.

Der evangelische Bibelexperte Jürgen Ebach weist sogar darauf hin, dass die einzigen vier Frauen im großen Stammbaum Jesu, den das Matthäus-Evangelium vor die Geburt des Gottessohns stellt, nicht eben ohne sind. Denn die Biographien von Rut, Tamar, Rahab und der Frau des Uria "verbinden prekäre bis skandalöse Beziehungsgeschichten". Ebach meint: "Das Neue Testament schreibt gleich zu Beginn den Lesenden ins Stammbuch, sich diese alttestamentlichen Geschichten zu vergegenwärtigen."

Nicht zuletzt die "Familien-Verhältnisse" Jesu sind – so gesehen – allemal für jene Zeit skandalös, sodass ja Josef zunächst überlegt, sich "in aller Stille" von Maria zu trennen. – Eine "heilige Familie"?

Später ist es Jesus selbst, der "seine Mutter und seine Brüder" zurückweist und die Menschen um ihn herum als seine Familie bezeichnet: "Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter" (Mk 3,31-35). Letztlich nimmt er manchen Familien gar die Väter, die schließlich seine Jünger werden – wie etwa Petrus, dessen Schwiegermutter er im Haus des großen Apostels vom Fieber heilt (Mt 8,14).

In einem Gebet für die Familiensynode 2014 nimmt Papst Franziskus ausdrücklich die "heilige Familie von Nazaret" als Fürsprecherin. Aber er versteht sie nicht als soziologisches Idealbild (wie auch?), sondern als Vorbild für eine "Gemeinschaft der wahren Liebe", als "Schule des heiligen Evangeliums", als "treue Behüterin des Geheimnisses der Offenbarung".

Anders gesagt: Gott wird kein ohne jegliche menschliche Bindung lebender Mensch, sondern er begibt sich wirklich in eine auch gesellschaftliche Größe, in die Verbundenheit einer Familie. Und so schreibt auch das Vorbereitungsdokument für die Synode 2014: "Die Verkündigung der Kirche über die Familie findet ihre Grundlage in der Predigt und im Leben Jesu, der in der Familie von Nazaret gelebt hat und aufgewachsen ist, der an der Hochzeit von Kana teilgenommen und deren Fest mit dem ersten seiner 'Zeichen' bereichert hat, und sich als Bräutigam vorstellt, der seine Braut mit sich vereint. Am Kreuz hat er sich mit der Liebe bis zum Schluss übereignet, und in seinem auferstandenen Leib hat er neue Beziehungen unter den Menschen gegründet."

Von dieser Grundlage her schlägt das Synoden-Papier eine Brücke zur Ehe: "Indem Jesus die menschliche Liebe annahm, hat er sich auch vollendet, und dabei dem Mann und der Frau eine neue Weise, sich zu lieben, übereignet, die ihre Grundlage in der unwiderruflichen Treue Gottes hat." So hoch einerseits und selbstverständlich andererseits sich das liest – so viel Neues steckt in diesem einzigen Satz.

Denn bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) verstanden Theo­logie und kirchliches Recht die Ehe vor allem als Vertrag; 1965 schließlich ist erstmals vom "Bund" der Eheleute untereinander und darin mit Gott die Rede. Damit nicht genug: Der entsprechende Abschnitt im großen Dokument über die "Kirche in der Welt von heute" ("Gaudium et spes") spricht zwar davon, dass die Ehe auf Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist – wie bis dahin schon –, aber erstmals (!) hebt er die zentrale Bedeutung der Liebe hervor und beschreibt von da aus die Sakramentalität der christlichen Ehe.

Liebe und Bund: Beides ist nach katholischem Verständnis  unkündbar – weil eben auch Gott seine Liebe zu seiner Schöpfung, zur Menschheit und zu jedem Einzelnen niemals kündigen wird. An diese innere Verbundenheit weiß sich die katholische Kirche selber gebunden und hält von daher an der Unauflöslichkeit der Ehe fest. Seit geraumer Zeit aber (nicht erst seit einigen Jahren) bewegt die Kirche die Frage, wie Lehre und seelsorgerliche Erfahrung zueinander stehen, wenn eheliche Beziehungen definitiv scheitern.

Und so zitiert das besagte Synoden-Vorbereitungspapier einen Satz von Papst Franziskus: "Der Herr wird niemals müde zu verzeihen, niemals!" Um von da zu formulieren: "Dieser Hinweis auf die Barmherzigkeit hat eine große Auswirkung auch im Hinblick auf die Ehe und Familie betreffenden Fragen gehabt, denn, jenseits des Moralismus bestätigt und öffnet er Horizonte im Leben der Christen, was auch immer an Grenzen erfahren, was auch immer an Sünden begangen wurde. Die Barmherzigkeit Gottes öffnet für eine beständige Bekehrung und ein dauerndes Neugeborgen-Werden" in Gott.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Familiensynode
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Text: Markus Nolte | Foto: Michael Bönte
10.10.2015

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