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30.06.2016
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Kuss.

Viele Katholiken wünschen sich einen anderen Umgang der Kirche mit unterschiedlichen Beziehungsformen und mit Sexualität.

ZdK, BDKJ und Theologieprofessoren hoffen auf Veränderungen

Vielstimmiger Ruf nach neuer Sexualmoral der Kirche

Bonn / Bistum. Der Vatikan-Fragebogen zur Vorbereitung der Bischofssynode zur Ehe- und Familienpastoral hat in Deutschland eine Debatte über die Sexualmoral der Kirche ausgelöst. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wirbt für Veränderungen. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) verweist auf Zahlen, wonach die Lehre für katholische Jugendliche praktisch irrelevant ist. Ein Umdenken fordern auch 17 Theologieprofessoren in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Das ZdK setzt sich in seiner Stellungnahme zum Fragebogen für einen positiven Umgang mit nichtehelichen Partnerschaften und Homosexuellen sowie für die volle Teilhabe von wiederverheirateten Geschiedenen am Leben der Kirche ein. Es gebe eine große Kluft zwischen den Lehren der Kirche und dem alltäglichen Leben, etwa bei der Empfängnisverhütung und der Einstellung zur Sexualität: "Die große Mehrzahl auch der praktizierenden Katholiken, verheiratet oder unverheiratet, lehnt diese Lehre entweder bewusst ab oder nimmt sie nicht zur Kenntnis."

Sexualität auch Ausdruck von Liebe

Für viele sei das Verbot künstlicher Verhütungsmittel nicht nachvollziehbar, betont das ZdK. Auch für praktizierende Katholiken sei die Zeugung von Kindern nicht der einzige Zweck von Sexualität. Viele erwarteten eine Sicht, die die Liebe zwischen zwei Partnern in den Mittelpunkt stelle.

Zu nichtehelichen Lebensgemeinschaften stellt das ZdK fest, die Ehe sei der beste, aber nicht der einzige Weg, Familie verantwortlich zu leben. Auch in homosexuellen Gemeinschaften werde Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung ausgeübt. Daher müssten alle ungerechtfertigten Ungleichbehandlungen von Ehe und Lebenspartnerschaft abgeschafft werden. Zugleich macht das Katholikenkomitee deutlich, dass es eine völlige Gleichsetzung sowie eine Öffnung des Rechtsinstituts Ehe für gleichgeschlechtliche Partner ablehnt.

"Sensibilität" bei Geschiedenen

"Mehr Sensibilität und Barmherzigkeit" erwartet das ZdK beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. "Wir sind überzeugt: Unsere Kirche ist nur dann eine dienende Kirche, wenn sie auf die Lebenssituation dieser Menschen eingeht", heißt es.

Als wichtige Aufgabe der Kirche sieht es das ZdK an, sich in Gesellschaft und Politik für Familien einzusetzen. Diese litten unter strukturellen Rücksichtslosigkeiten: Vor allem die Anforderungen der Arbeitswelt führten Menschen in Interessenskonflikte, darunter der Zwang zur Mobilität und Flexibilität sowie der rasche Wandel im beruflichen Umfeld.

Neun von zehn Jugendlichen gegen Kirchen-Lehre

Laut einer Internet-Umfrage des BDKJ, die aus dem Vatikan-Fragebogen entwickelt wurde, spielt die kirchliche Sexualmoral für neun von zehn katholischen Jugendlichen keine Rolle. Knapp 10.000 Menschen beteiligten sich an der Befragung.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen würden die kirchliche Meinung zu Ehe und Familie zwar kennen. "Die große Mehrheit, 90 Prozent, sieht diese aber kritisch – und befolgt sie deshalb nicht", sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler. Sex vor der Ehe und Verhütung würden zum Beziehungsleben auch junger Katholiken "selbstverständlich" dazugehören.

Feste Bindungen vor der Ehe

Die jungen Katholiken gingen feste Bindungen ein und wollten ihre Partnerschaft ganzheitlich leben, sagte Tänzler. Heiraten wollten viele später und planten, Kinder erst in der Ehe zu bekommen. "Eine große Rolle spielt dabei die wirtschaftliche Unsicherheit junger Menschen in der Ausbildungsphase."

Auch die kirchliche Ablehnung homosexueller Beziehungen und der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen stoßen bei den Teilnehmern der Umfrage auf Unverständnis. Die große Mehrheit wünsche sich neben der Akzeptanz von Homosexualität mehr Vertrauen in die persönliche Gewissensentscheidung.

Lehre geht von "idealisierter Wirklichkeit" aus

Ein Umdenken fordern auch 17 deutsche Theologieprofessoren, darunter die Münsteraner Judith Könemann und Antonio Autiero. "Wir schlagen ganz grundsätzlich eine Neubewertung der Thematik von Ehe und Familie vor, welche nicht von einer idealisierten Wirklichkeit ausgeht", heißt es in einer Erklärung von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Moraltheologen sowie der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen.

Die Kirche müsse sich verabschieden von einer auf den Geschlechtsakt fixierten moraltheologischen Tradition. Die Position zur Empfängnisverhütung finde "annähernd keine Akzeptanz" mehr. Sowohl die Sprache kirchlicher Verlautbarungen als auch die theologische Begründung der Sexualmoral aus dem Naturrecht seien für die meisten unverständlich.

Unauflöslichkeit der Ehe findet Akzeptanz

Nach Meinung der Theologieprofessoren stehen die deutschen Katholiken der Lehre von der Unauflöslichkeit und Sakramentalität der Ehe positiv gegenüber. Ansichten der Kirche zu Empfängnisverhütung, homosexuellen Beziehungen und wiederverheirateten Geschiedenen verdunkelten allerdings zunehmend die positiven Gehalte kirchlicher Lehre.

Die Moralverkündigung müsse auch "Erscheinungsformen des Sexuellen außerhalb der Ehe" zum Thema machen. Viele Menschen fänden es nicht nachvollziehbar, wenn ihnen die Kirche nur die Ehe als legitime Lebensformen vorstelle. Die allermeisten sammelten schon vor ihrer Ehe sexuelle Erfahrungen; auch lebe eine Mehrheit der Gläubigen vor der Eheschließung zusammen.

Debatte auch im Bistum

Mit Blick auf wiederverheiratete Geschiedene sprechen sich die Professoren für eine barmherzigere Haltung aus. Die Kirche müsse sich die Frage stellen, wie hoch die Anforderungen an die Gläubigen sein müssten, um die Sakramente zu empfangen. Zum Thema Homosexualität schreiben sie, die Kirche solle deutlich machen, dass "Treue, Verlässlichkeit und Solidarität nicht weniger wert sind, nur weil sie von Schwulen und Lesben gezeigt werden".

Bereits Ende November hatte sich der Diözesanrat im Bistum Münster mit dem Vatikan-Fragebogen zur Ehe- und Familienpastoral befasst. Er kam in der Tendenz zu ähnlichen Bewertungen wie das ZdK, die katholische Jugend, die Professoren und die Gremien anderer deutscher Bistümer.

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  6. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Familie

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  1. Öffnet externen Link in neuem FensterDas offizielle Vatikan-Papier mit Fragebogen (PDF-Datei)

Text: jjo, KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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