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29.01.2015
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Jugendliche, die sich noch von kirchlichen Angeboten erreichen lassen, bilden nicht mehr die Mehrheit.

Jugendliche, die sich noch von kirchlichen Angeboten erreichen lassen, bilden nicht mehr die Mehrheit.

Neue Sinus-Studie: Lebenswelten driften weiter auseinander

Jugendliche im Westen: Jeder Dritte offen gegenüber Kirche

Berlin. Die Lebenswelten deutscher Jugendlicher driften immer weiter auseinander. Das ist das Ergebnis der Studie "Wie ticken Jugendliche 2012?", die am Mittwoch (28.03.2012) in Berlin vorgestellt wurde. Demnach droht jeder Fünfte im Alter von 14 bis 17 Jahren gesellschaftlich abgehängt zu werden. Angst vor sozialem Abstieg führe zu einer "Tendenz der Entsolidarisierung". Zugleich zeichnet die Mehrheit der Altersgruppe eine pragmatisch-positive Haltung aus. Werte wie Familie und Freundschaft stünden hoch im Kurs; Konflikte mit der Eltern-Generation gebe es kaum.

Verbreitet ist laut Studie das Bedürfnis nach Sinn, wobei Glaube als etwas Veränderbares und Individuelles gesehen werde. Nach Ansicht des Berliner Soziologen Klaus Hurrelmann, der das Vorwort zur Studie verfasste, steht den Kirchen im Westen etwa ein Drittel der Jugendlichen aufgeschlossen gegenüber, im Osten ein Zehntel. "Hier müssen die Kirchen aufpassen, dass sie nicht zu einer Randerscheinung im Leben der jungen Leute und damit langfristig in der Gesellschaft werden", sagte Hurrelmann der Katholischen Nachrichtenagentur.

Hoher Stellenwert von Internet und "Facebook"

Neue Medien gehören der Studie zufolge für Jugendliche zum Alltag. Das Internet werde als "normal" wahrgenommen. Einen hohen Stellenwert genießen Netzwerke wie "Facebook" und Unterhaltungsangebote. Hier seien benachteiligte Jugendliche aufgrund finanzieller Einschränkungen unterrepräsentiert.

Die Autoren der Studie, Experten der "Sinus Markt- und Sozialforschung", identifizieren sieben Lebenswelten, in denen sich Jugendliche bewegen. Im Gegensatz zu einer Untersuchung von 2008 wurden diesmal auch Einstellungen von Nicht-Katholiken zu Themen wie Schule, Berufswünsche, Glaube, Engagement oder Medien einbezogen. Grundlage der Studie sind 72 Interviews sowie schriftliche Ausarbeitungen der Befragten. Die Studie sei nicht repräsentativ, habe aber hohe Aussagekraft, betonen die Autoren.

Sorge um Ausgegrenzte

Die Auftraggeber der Studie – der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), das Hilfswerk Misereor, die Bischöfliche Medienstiftung Rottenburg-Stuttgart, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und der Südwestrundfunk – zeigten sich besorgt über die Situation ausgegrenzter Jugendlicher. Laut Studie gehören sieben Prozent der Befragten zur erstmals ausgewiesenen prekären Lebenswelt.

"Es gibt eine Lücke zwischen dem rhetorischen Bekenntnis 'Wir brauchen jeden Jugendlichen' und dem subjektiven Empfinden dieser Jugendlichen", sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Heike Kahl. Thorsten Schilling von der Bundeszentrale für politische Bildung warnte vor einer Verfestigung der Lebenswelten. Es drohe eine Spaltung der Gesellschaft.

BDKJ: "Kirche hat ein Image-Problem"

BDKJ-Vorsitzender Dirk Tänzler rief zu einer differenzierten Sicht auf Jugend auf. Oft würden Heranwachsende nur in Extremen wahrgenommen, "zwischen Komasaufen und Turbo-Abi". Er kritisierte, dass junge Menschen in Ausbildung nur nach ihrem wirtschaftlichen Potenzial beurteilt würden. Jugend dürfe nicht verzweckt werden.

Mit Blick auf Jugend und Kirche stellte Tänzler fest: "Die Frage nach Sinn ist vorhanden, aber Kirche hat ein großes Image-Problem." Damit bestätige die Studie frühere Befunde: "Das macht uns Sorge." Der BDKJ wolle aber auch in Zukunft Jugendliche von Kirche überzeugen. Misereor-Geschäftsführer Thomas Antkowiak sagte, das katholische Hilfswerk wolle über den Weg der Entwicklungszusammenarbeit versuchen, Kirche für Jugendliche erlebbar zu machen.

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