
Transparent beim Ökumenischen Kirchentag in München. – Bei einer Konferenz zum Thema Missbrauch in Rom sprach jetzt ein Opfer vor 220 katholischen Bischöfen und Ordensoberen.
Opfer sprach vor Bischofs-Kongress in Rom
Stiller Ernst prägt Missbrauchs-Bußgottesdienst
Rom. In einem von stillem Ernst geprägten Bußgottesdienst haben Bischöfe aus aller Welt in Rom für die Opfer von sexuellem Missbrauch durch katholische Kleriker gebetet. Die Zeremonie in der Jesuitenkirche Sant'Ignazio am Dienstag (07.02.2012) war ein emotionaler Höhepunkt des viertägigen internationalen Kongresses, an dem Vertreter von 110 Bischofskonferenzen und von 34 Ordensgemeinschaften teilnehmen.
Der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet, Präfekt der Bischofskongregation, leitete den Gottesdienst. Die Konferenz in der Gregoriana-Universität, an der noch bis Donnerstag rund 220 Bischöfe und Ordensobere teilnehmen, steht unter dem Leitwort "Auf dem Weg zur Heilung und Erneuerung".
15 Minuten Stille und Dunkel
Der Bußgottesdienst in der römischen Altstadtkirche begann mit 15 Minuten in Stille und Dunkelheit. In anschließenden Fürbitten baten sieben Vertreter von Gruppen, die in Missbrauch verstrickt waren - darunter ein Lehrer, ein Bischof, ein Ordensmann, ein Elternteil - um Vergebung für ihre Taten: "Vergib uns Herr, und habe Gnade mit uns". Zum Abschluss baten Opfer um göttliche Hilfe, um vergeben zu können.
Zuvor hatte ein Missbrauchsopfer den 220 katholischen Bischöfen und Ordensoberen berichtet: Die Irin Marie Collins sagte, sie wünsche sich von der Kirche eine konsequente Haltung beim Kinderschutz und im Umgang mit den Tätern. Collins war im Alter von 13 Jahren während eines Krankenhausaufenthaltes von einem Geistlichen sexuell missbraucht worden.
"Richtlinien nicht nur auf dem Papier"
Die Richtlinien, die die Bischofskonferenzen weltweit derzeit erstellten, dürften "nicht nur auf dem Papier stehen", so Collins. Für Bischöfe, die diese nicht befolgten, müsse es Konsequenzen geben. Auch dürften in der Vergangenheit liegende Missbrauchsfälle nicht gegenüber jüngeren Taten banalisiert werden. Collins verwies darauf, dass der Täter, der sich an ihr vergangen habe, noch 25 Jahre später Kindern missbraucht habe.
Damit eine Heilung möglich sei, müsse die Kirche den Opfern zuhören und Glauben schenken, forderte Collins. In katholischen Einrichtungen missbrauchte Kinder seien größtenteils kirchlich sozialisiert und brauchten Gesprächsangebote und spirituelle Hilfe von der Kirche. Sie habe sich erst nach der Verurteilung des Täters vor 15 Jahren besser gefühlt. Auch die Vorgesetzten der Täter müssten um Verzeihung bitten.
"Anzeichen einer Veränderung"
Collins dankte Papst Benedikt XVI. für seine Treffen mit Opfern bei diversen Auslandsreisen. Wenn die Kirche um Verzeihung bitte, könnten die Opfer immer noch entscheiden, ob sie die Entschuldigung annehmen wollten oder nicht. Sie sehe Anzeichen einer Veränderung im Umgang der Kirche mit dem Thema, sagte Collins. Neben ihr berichtete auch die Londoner Psychologin Sheila Hollins in der Päpstlichen Universität Gregoriana von den psychischen Schäden bei Missbrauchsopfern.
Ein Vertreter der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Stephen Rossetti, sagte, die Kirche habe erst nach und nach gelernt, mit dem Thema Missbrauch umzugehen. Die Kirchenführung habe weggehört und Verharmlosungen der Täter geglaubt. Auch die Verbreitung von sexuellem Missbrauch sei oft unterschätzt worden. Zudem habe man geglaubt, dass Täter geheilt werden könnten, oder ihnen auf eine "missverständliche Art" verziehen.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, göc | Foto: Michael Bönte
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