Neue Studie:
Kirchen droht erheblicher Mitgliederschwund
Bonn. Die großen Kirchen in Deutschland stehen nach Ansicht von Experten vor einem weiteren Mitgliederschwund. Rund 2,4 Prozent der Katholiken und Protestanten über 14 Jahren seien entschlossen, aus ihrer Religionsgemeinschaft auszutreten, schreibt der Geschäftsführer des Heidelberger Sinus-Instituts, Bodo Flaig, in einem Gastbeitrag für die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (22.12.2011).
Nehme man den Anteil der Christen hinzu, die über einen solchen Schritt nachdächten, ergebe sich ein "Schwundpotenzial" von mehr als 5,5 Millionen Menschen, ergänzt Flaig. Dabei beruft er sich auf eine bislang unveröffentlichte repräsentative Studie, die sein Institut im Oktober durchführte.
Für jeden Vierte spielt Religion keine Rolle
Demnach liegt der Anteil der austrittswilligen Protestanten mit insgesamt 12,1 Prozent höher als bei den Katholiken. Hier sind laut Umfrage 9,9 Prozent der Befragten entschlossen oder denken darüber nach, ihrer Kirche den Rücken zu kehren. Zudem gab jeder Vierte (28 Prozent) an, Glaube und Religion spielten für ihn keine Rolle. "Deutschland ist für die christlichen Kirchen zu einem Missionsland geworden", fasst Flaig zusammen.
Damit setze sich der Trend aus einer 2006 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Untersuchung fort. Die Studie mit dem Titel "Religiöse und kirchliche Orientierung in den Sinus-Mileus" warnte schon damals vor einem Bedeutungsverlust von Kirche in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und wurde seither mit einer Reihe von begleitenden Umfragen flankiert.
"Detaillierter Einblick in existierenden Lebenswelten nötig"
Flaig rät den Kirchen dazu, sich einen "detaillierten Einblick in die existierenden Lebenswelten" zu verschaffen. Sie müssten die Menschen, ihre "Wertprioritäten", Einstellungen und Befindlichkeiten besser verstehen lernen, um sie auch tatsächlich zu erreichen.
Dabei sieht der Experte durchaus "interessante Potenziale für eine spirituelle Mobilisierung". Eine Mehrheit der Deutschen habe im weiteren Sinne religiöse Bedürfnisse, die befriedigt werden wollten. So glaubten laut der jüngsten Umfrage 40 Prozent der Befragten, dass es wichtig für Kinder sei, religiös erzogen zu werden. Und immerhin 23 Prozent gaben laut Flaig an, sich "ziemlich" oder "sehr" für religiöse Fragen zu interessieren. Gleichwohl gebe es "in allen Teilen der Gesellschaft" eine gewachsene Distanz zu den Amtskirchen.
Zehn Prozent beten täglich
Für die Studie befragte Sinus 2.000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger ab 14 Jahren. Davon bezeichneten sich 59 Prozent als religiös, 33 Prozent fühlten sich mit ihrer Kirche verbunden, 21 Prozent erklärten, regelmäßig den Gottesdienst zu besuchen, und 10 Prozent gaben an, täglich zu beten.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
22.12.2011
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