
Das Spendenmodell von "Weihnachten im Schuhkarton" steht nach Ansicht von Experten im Widerspruch zu einer "vernünftigen Entwicklungsarbeit".
"Geschenke der Hoffnung" weist Vorwürfe zurück
Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" bleibt in der Kritik
Berlin. Die Organisatoren der von der katholischen Kirche kritisierten Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" haben ihre Initiative verteidigt. Der Geschäftsführer des Hilfswerks "Geschenke der Hoffnung", Bernd Gülker, zeigte sich am Mittwoch (23.11.2011) gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) "verwundert" über "erneute Vorwürfe einiger katholischer Kirchenvertreter".
Gülker weiter: "Einem Menschen zu Weihnachten eine Freude zu bereiten, ist etwas zutiefst Christliches - umso befremdlicher ist es, dass Christen diesen Akt ablehnen." Offenbar habe die katholische Seite zudem Angst, dass Menschen nicht mehr an die kircheneigenen Hilfswerke spendeten.
Oftmals an Schulen und Kindergärten durchgeführte Aktion
Bei der in Deutschland oftmals an Schulen und Kindergärten durchgeführten Aktion sollen Mädchen und Jungen eine Mischung aus neun Geschenken für ihre Altersgenossen in ärmeren Ländern zusammenstellen, heißt es auf der Internetseite von "Geschenke der Hoffnung". Die fertig gepackten "Schuhkartons" werden dann den Empfängern durch "geschulte, freiwillige, christliche Gemeinden verschiedener Konfessionen" überbracht.
Oft sei die Übergabe eingebettet in ein "weihnachtliches Rahmenprogramm", bei dem auch eine Broschüre mit kindgerecht erzählten Bibelgeschichten angeboten werde. Darauf werde jedoch verzichtet, wenn es aufgrund "religiöser oder kultureller Gegebenheiten" Bedenken gebe.
Nähe zu fundamental-evangelikalen Positionen
Zuletzt hatten Weltanschauungsbeauftragte der katholischen Bistümer Köln, München und Trier der Initiative ein falsches Missionsverständnis vorgeworfen und eine Nähe zu fundamental-evangelikalen Positionen kritisiert. Auf Anfrage der KNA hielt der Münchner Weltanschauungsbeauftragte Axel Seegers diese Einwände aufrecht.
Angesichts der Vielzahl unterschiedlichster Kritikpunkte halte er den Vorwurf des kirchlichen Protektionismus für abwegig. Anstatt den katholischen Bistümern unredliche Motive zu unterstellen, solle der Verein "Geschenke der Hoffnung" den Spendern gegenüber seine Grundlagen, Ziele und Methoden unmissverständlich darlegen.
Widerspruch zu "vernünftiger Entwicklungsarbeit"
Zugleich verwies Seegers darauf, dass es Kritik an der Aktion nicht nur von katholischer Seite gebe. Ferner forderte er "Geschenke der Hoffnung"-Geschäftsführer Gülker auf, in der Öffentlichkeit nicht weiter wissentlich falsch zu behaupten, es seien nur "einige katholische Kirchenvertreter", die sich distanzierten. Richtig sei vielmehr, dass die Bistümer Deutschlands seit Jahren in unterschiedlicher aber eindeutiger Weise die Aktion kritisieren.
Das Spendenmodell von "Weihnachten im Schuhkarton" stehe überdies im Widerspruch zu einer "vernünftigen Entwicklungsarbeit". Spielzeuge oder Süßigkeiten könnten die Not von Kindern in Afrika oder Asien kaum lindern, so Seegers. Schon aus diesem Grund sei "eine Kooperation von kirchlichen Einrichtungen mit Weihnachten im Schuhkarton unmöglich."
Unterstützung durch von der Leyen und EKD
"Geschenke der Hoffnung"-Geschäftsführer Gülker betonte dagegen, dass die Präsente eine langfristige Wirkung bei Beschenkten und Spendern hätten. "Wir erfahren immer wieder, dass Kinder sich auch nach vielen Jahren noch an ihr Schuhkartongeschenk erinnern." Für viele Päckchenpacker wiederum bedeute die Aktion einen "(Wieder)einstieg in die Welt des Spendens". Außerdem werde die Initiative von namhaften Vertretern aus Politik und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt. Als Beispiel nannte Gülker Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und EKD-Ratsmitglied Tabea Dölker.
Die diesjährige Sammelaktion für "Weihnachten im Schuhkarton" wurde bereits abgeschlossen. Erste Ergebnisse will "Geschenke der Hoffnung" am 6. Dezember veröffentlichen. Im vergangenen Jahr wurden im deutschsprachigen Raum laut Eigendarstellung über 550.000 Päckchen gesammelt. International ist die Initiative unter dem Namen "Operation Christmas Child" bekannt und wird von der US-amerikanischen Hilfsorganisation "Samaritan's Purse" verantwortet. Geleitete wird "Samaritan's Purse" von Franklin Graham, dem Sohn des bekannten Erweckungspredigers Billy Graham.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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