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26.07.2016
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Die ersten norddeutschen Seligen.

Die ersten norddeutschen Seligen wurden unter der Anteilnahme vieler Menschen aus dem Bistum Münster gefeiert.

Norddeutschlands erste Seligsprechung war ein großes Fest

Widerstand im Sinne Galens

Lübeck. Um kurz nach halb zwölf war es endlich so weit: Wie einen Pokal präsentierte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen am Samstag (25.06.2011) auf der Altarbühne das Dokument, mit dem die als Lübecker Märtyrer bekannten NS-Widerstandskämpfer jetzt seliggesprochen sind. Kurz zuvor hatte der Vatikanische Präfekt für Selig- und Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, den von Papst Benedikt XVI. unterzeichneten Text verlesen.

"Nun dürfen wir unsere drei Kapläne um ihre Fürsprache bitten", rief Thissen, der 2004 den Anstoß zum Seligsprechungsverfahren gab, der Menge zu und intonierte "Selige Lübecker Märtyrer, bittet für uns" - sicher nicht, ohne die ökumenisch komplexe Geschichte der Märtyrer aus den Augen zu verlieren; denn einer der vier 1943 hingerichteten Geistlichen war evangelischer Pastor und kann daher nach dem Verständnis seiner Kirche nicht seliggesprochen werden.

Widerstand im Sinne des Kardinal von Galen

Die Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller hatten gemeinsam mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink vor allem die regimekritischen Predigten des katholischen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, verbreitet - in ökumenischer Gemeinsamkeit, wodurch ihnen innerhalb des christlichen Widerstands eine Sonderrolle zukommt. Jahrelang gab es ein gemeinsames Gedenken der Kirchen für die vier. Der Sorge, dass dies durch die Seligsprechung erschwert werden könnte, wollte Thissen durch das Einbeziehen der evangelischen Kirche von Anfang an begegnen. Offenbar mit Erfolg. So gab es am Vorabend der Seligsprechung in der Lübecker Lutherkirche einen evangelischen Gedenkgottesdienst für alle vier Märtyrer. Beim Pontifikalamt bezeichnete der evangelische Bischof Gerhard Ulrich in seinem Geistlichen Wort die vier als "Jesu Brüder in der weltumspannenden Ökumene, in der einen Gemeinschaft der Heiligen".

Es wehte ein Hauch von römischem Katholizismus über die "Parade" vor der Propsteikirche Herz Jesu, als sich der lange Zug mit rund 100 Fahnen katholischer Verbände, gut 25 Messdienern, Lektoren und Zelebranten zum Altar bewegte. Vier Palmwedel symbolisierten die vier Märtyrer. Zur ersten Seligsprechung Norddeutschlands waren rund 8000 Menschen angereist, darunter auch Bischof Felix Genn aus Münster.

"Skandal" der Trennung

Dass der langjährige Ökumenebeauftragte des Papstes, Kardinal Walter Kasper, die Predigt hielt und auch beim evangelischen Gottesdienst ein Geistliches Wort sprach, bezeichnete Thissen als besonderes Signal. In seiner Predigt ging Kasper denn auch auf den Vorbildcharakter der vier im ökumenischen und im christlich motivierten Engagement für die Würde aller Menschen ein. Wie auch Bischof Ulrich rief er die Christen dazu auf, dem "Skandal" der Trennung der Konfessionen entgegenzuwirken.

Der Gottesdienst unter dem größtenteils nur leicht bewölkten Lübecker Himmel war geprägt von symbolhaften Gesten und Zeichen. Kardinal Kasper trug das Primizgewand von Kaplan Prassek, ebenso waren der Primizkelch von Eduard Müller und das Neue Testament von Hermann Lange in Gebrauch. "Die Kapläne sind ganz nah", sagte Thissen, der zusammen mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, und Kardinal Kasper die Messe zelebriert hatte. Insgesamt waren rund 20 katholische und vier evangelische Bischöfe anwesend. Unter den Gästen waren auch zahlreiche Teilnehmer aus Münster.

Besonders ergreifend auch der Moment, als Zeitzeugen und Weggefährten der Märtyrer ein aus vier Kerzen bestehendes Licht am Altar entzündeten. Der 82-jährigen Waltraut Kienitz, der jüngsten Tochter von Pastor Stellbrink, dankte Thissen dafür persönlich. Nach dem Gottesdienst ging Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) in einem Grußwort sowohl auf das Verdienst der Lübecker Märtyrer im Hinblick auf die Ökumene als auch ihre politische Botschaft ein. Niemand dürfe wegschauen, wenn es auch nur Anzeichen von Unterstützung für die Gesinnung der Nazis gebe, sagte Carstensen. Damit dürfte die breitgefächerte Botschaft der Lübecker Märtyrer auch in Zukunft ausstrahlen.

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Text: mth, Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: pd
25.06.2011

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