
Bevor man von Priestermangel spreche, müsse gefragt werden, "ob nicht ein Mangel an Gläubigen vorliegt, ein Mangel an Glaube, Gebet und Sinn für das Göttliche", meint der Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation, Kardinal Piacenza.
Zurückhaltung gegenüber verheirateten Priestern
Kardinal warnt: "Verkehrte Heilmittel" gegen Priestermangel
Vatikanstadt. Der Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation, Kardinal Mauro Piacenza, hat in der Debatte um verheiratete katholische Priester zur Zurückhaltung aufgerufen. Man müsse darauf achten, "keine Arznei einzusetzen, die nur vermeintlich heilt", in Wirklichkeit aber das Übel verschlimmere, sagte der Kardinal im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Weltweit gesehen, steige die Zahl katholischer Priester. Die Behörde Piacenzas ist für rund 250.000 Diözesanpriester auf allen Kontinenten zuständig.
Bevor man von Priestermangel spreche, müsse gefragt werden, "ob nicht ein Mangel an Gläubigen vorliegt, ein Mangel an Glaube, Gebet und Sinn für das Göttliche", sagte Piacenza. Solange dies nicht für alle Beteiligten klar sei, kämen "verkehrte Heilmittel" zur Anwendung. Vom theologischen Standpunkt aus bestehe die Gewissheit, dass Gott es der Kirche niemals an Priestern fehlen lassen werde, sagte der Kardinal.
"Falsch verstandene Reform"
In Deutschland gebe es weiterhin große Ressourcen für die katholische Kirche, "vielleicht mehr, als man gemeinhin vermutet", so Piacenza weiter. Der Priestermangel mache in einigen Regionen das seelsorgerische Handeln schwierig, räumte der Kardinal ein. Es führe jedoch nicht weiter, bei einer "historisch-soziologischen Analyse stehen zu bleiben" oder "eine falsch verstandene Reform zu entwerfen, die das Antlitz der Kirche, das dem Willen Jesu Christi entsprechen soll, im Endeffekt lediglich verunstaltet", betonte der Präfekt.
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Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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