
Die Deutsche Bischofskonferenz hat einen "Fahrplan" für den Dialog in der Kirche vorgelegt.
Brief an die Gemeinden: Debatte "emotional abrüsten"
Bischöfe legen Konzept für bundesweiten Dialogprozess vor
Paderborn. Die katholischen Bischöfe Deutschlands haben ihre Bereitschaft zu Reformen bekräftigt und am Donnerstag (17.03.2011) einen Rahmen für den Dialogprozess in der Kirche in Deutschland vorgestellt. In einem gemeinsamen Brief wollen sie sich in den kommenden Wochen an die Gemeinden wenden und ihre Vorschläge für eine Belebung von Glaube und Kirche vorstellen. Darin warnen sie zugleich vor der Gefahr, "dass wir uns in unserer Kirche so zerstreiten, dass Brücken abgebrochen und bestehende Einheit aufgegeben werden. Auf Barrikaden lässt sich bekanntlich schlecht miteinander reden."
In dem Brief, der zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung in Paderborn vorgestellt wurde, kritisieren die Bischöfe den bisherigen Verlauf der Debatte, der durch Reformaufrufe auf der einen und Treuebekenntnisse zu Lehre und Ordnung der Kirche auf der anderen Seite geprägt war. "Manches ist nicht zu Ende gedacht, anderes widerspricht sich. Vor allem sollten manche ,Kirchenvisionen', die heute verbreitet werden, emotional ,abgerüstet' werden."
Kein "Sonderweg" der deutschen Kirche
Ohne im Einzelnen auf Reformvorschläge einzugehen, erteilen sie einem deutschen Sonderweg für die katholische Kirche eine klare Absage. Die Antworten auf die gegenwärtigen Fragen müssten "auf der Grundlage der Offenbarung und der Lehre der Kirche" gesucht werden, auch um die Einheit der Weltkirche zu wahren. Deutlich warnen die Bischöfe davor, unrealistische Forderungen als Ziel der Gesprächsinitiative anzustreben.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, betonte, Streitfragen wie der Zölibat oder die kirchliche Sexualmoral könnten durchaus Themen des Gesprächsprozesses sein. Auch Voten an die Weltkirche seien denkbar. "Es wird aber keine Revolution geben. Wir bleiben die katholische Kirche." Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sagte dazu, auf Ebene der Bischöfe würden "lehramtlich geklärte Themen" wie das Priestertum der Frau, die Priesterweihe erprobter verheirateter Männer (viri probati) und die Frage der Homosexualität nicht zum Thema gemacht.
Auftakt im Juli, Jahresthemen bis 2015
Nach dem Plan der Bischöfe soll es bis zum Jahr 2015 eine Reihe kirchlicher Kongresse, Großveranstaltungen und Dialogmöglichkeiten geben, die sich mit Glauben und Kirche in der modernen Gesellschaft befassen. Dabei wollen die Bischöfe die kommenden Jahre jeweils unter ein Jahresthema stellen. Konkret soll es in diesem Jahr um die Frage gehen "Im Heute glauben: Wo stehen wir?". Eine Auftaktveranstaltung ist für den 8. und 9. Juli in Mannheim vorgesehen.
2012 wird sich der Gesprächsprozess mit dem Thema "Unsere Verantwortung in der freien Gesellschaft" (Diakonia) befassen, 2013 soll die Feier des Gottesdienstes (Liturgia) unter dem Motto "Die Verehrung Gottes heute" im Mittelpunkt stehen. 2014 geht es um das Glaubenszeugnis (Martyria) unter dem Leitwort "Den Glauben bezeugen in der Welt von heute". Im Jahr 2015 soll der Dialogprozess mit den Feiern zum Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren seinen Abschluss finden.
Die Bischöfe planen zu jedem Jahresthema ein mehrtätiges Treffen mit bis zu 300 Teilnehmern. Dabei soll es laut Zollitsch beispielsweise um die Struktur der Gemeinden und das Verhältnis zwischen Priestern und Laien gehen. Darüber hinaus sollen mehrere Großveranstaltungen in den Dialogprozess einbezogen werden: der Papstbesuch im September, der Nationale Eucharistische Kongress in Köln im Jahr 2013 sowie die beiden Katholikentage 2012 und 2014. Bereits im November hatten sich Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf zwei Arbeitsprojekte geeinigt, die sich mit dem "Zusammenwirken von Priestern und Laien in der Kirche" sowie der "Präsenz der Kirche in Gesellschaft und Staat" befassen. Auch dazu soll es mehrere Veranstaltungen geben.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Geteiltes Echo auf Dialogkonzept der Bischöfe (18.03.2011)
Bischöfe bekennen sich zum Reformprozess (14.03.2011)
Kirche von A bis Z: Deutsche Bischofskonferenz
Mehr zum Thema im Internet:
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
18.03.2011
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