
Präses Nikolaus Schneider.
Präses Nikolaus Schneider an die Spitze der EKD gewählt
Sozialpolitisch engagiert und mit Bodenhaftung
Hannover / Düsseldorf. Er hatte das Amt nicht angestrebt, doch als er es übernehmen musste, ließ er keine Zweifel aufkommen, ob er es ausfülle. Der am Dienstag (09.11.2010) in Hannover gewählte Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat sich in acht Monaten als kommissarischer Vorsitzender als Spitzenmann der 24,5 Millionen Protestanten bewährt. Zwar geht ihm der Glamour-Faktor seiner Vorgängerin Margot Käßmann ab, die er nach Alkoholfahrt und Rücktritt Ende Februar plötzlich ersetzen musste. Jedoch gelang es dem 63-Jährigen, die EKD in ruhige Fahrwasser zu steuern.
Schneider steht seit 2003 an der Spitze der Evangelischen Kirche im Rheinland, der mit 2,8 Millionen Mitgliedern zweitgrößten evangelischen Landeskirche. Seit seiner Zeit als Pfarrer in Duisburg-Rheinhausen von 1977 bis 1984 hat er das Image eines sozialpolitisch engagierten Geistlichen. Doch der in Duisburg aufgewachsene Sohn eines Stahlarbeiters ist auch ein solider Theologe, der Positionen pointiert, aber ohne verletzende Schärfe formulieren kann.
Suche nach ökumenischen Gemeinsamkeiten
Wo Käßmann eher polarisierte, etwa mit dem saloppen Spruch, von Papst Benedikt XVI. erwarte sie "nichts" für die Ökumene, tritt Schneider verbindlicher auf. Er sucht im Verhältnis zu den Katholiken das Gemeinsame. Eigenes Profil zeigte er bei der Bewertung der Präimplantationsdiagnostik bei menschlichen Embryonen. Dort teilt Schneider bisher nicht das kategorische Nein einiger Amtsbrüder und der katholischen Seite.
Für die verbleibenden fünf Jahre als Ratsvorsitzender ist aus solchen einzelnen Äußerungen indes noch keine Handschrift erkennbar. Zunächst musste Schneider aus dem Stand die laufenden Verpflichtungen übernehmen, nicht zuletzt ein umfangreiches Programm beim Ökumenischen Kirchentag in München. Künftig will er, wie er ankündigte, "öffentlich offensiver auftreten". In der EKD wird er Akzente setzen müssen bei der Ausgestaltung der "Reformationsdekade" bis 2017 und beim protestantisch-innerkirchlichen Reformprozess.
Volksnah und glaubwürdig
Schneiders rheinische Landeskirche hat ihre Reform unter das Motto "Missionarisch Volkskirche sein" gestellt. Eine Formulierung, die auch ein persönliches Anliegen des Präses zum Ausdruck bringt: "Mission bewahrt die Volkskirche vor Unverbindlichkeit – Volkskirche bewahrt die Mission vor Enge und Realitätsverlust", formulierte er einmal.
In seiner Person bringt Schneider beide Pole zusammen: Er kann ungezwungen auf jedermann zugehen, ist auch als Kirchenoberer Seelsorger und volksnaher Prediger. Zu seiner Glaubwürdigkeit trägt auch sein Umgang mit Lebenskrisen wie dem Tod der jüngsten seiner drei Töchter vor fünf Jahren bei. Zusammen mit seiner Frau Anne verarbeitete er die Erfahrungen in einem Buch mit dem Titel: "Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist."
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Zollitsch gratuliert neuem EKD-Ratsvorsitzenden Schneider (10.11.2010)
Wie Anne und Nikolaus Schneider mit dem Tod ihrer Tochter leben (26.05.2010)
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
09.11.2010
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