"Keine Fehler im Umgang mit Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch"
Vatikan rehabilitiert Abt und Prior von Kloster Ettal
Ettal. Der Vatikan hat die zurückgetretene Leitung des oberbayerischen Benediktinerklosters Ettal rehabilitiert. Die Abtei veröffentlichte am Freitag (09.07.2010) ein Schreiben des Präfekten der Ordenskongregation, Kardinal Franc Rode.
Die Apostolische Visitation des Klosters vom 15. bis 24. März habe ergeben, dass Abt Barnabas Bögle und Prior Maurus Kraß keine Fehler im Umgang mit Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch gemacht hätten. Einer Rückkehr beider stehe nichts entgegen. Bögle und Kraß hatten Ende Februar auf Drängen des Erzbistums München-Freising auf ihre Ämter verzichtet.
Keine Meldepflichten versäumt
Nach Angaben des Klosters muss der neue Abt bis 31. Juli gewählt werden. Dem Kardinalsschreiben zufolge bestätigten die Visitatoren, dass weder Bögle noch Kraß Meldepflichten versäumt hätten, wie es bisher vom Münchner Ordinariat dargestellt worden war. Vielmehr habe Abt Barnabas alles getan, "was von der Sache her geboten war". Aus dem Brief von Rode geht zugleich hervor, dass der Münchner Erzbischof Reinhard Marx keine Bedenken gegen eine Rückkehr von Bögle und Kraß in ihre Ämter habe.
Am 13. April war der Abschlussbericht des vom Erzbistum eingesetzten Sonderermittlers Thomas Pfister veröffentlicht worden. Demnach wurden in Schule und Internat von Kloster Ettal Kinder und Heranwachsende über Jahrzehnte hinweg bis etwa 1990 brutal misshandelt, sadistisch gequält und sexuell missbraucht. Betroffen seien als Täter 15 Patres und weit mehr als 100 Opfer, hieß es damals. Mit dem Bericht endete Pfisters Mandat.
"Modifizierter Täter-Opfer-Ausgleich"
Inzwischen haben sich im Verein "Ettaler Missbrauchsopfer" mehrere Betroffene zusammengeschlossen, die mit der Aufarbeitung der Vorkommnisse durch das Kloster unzufrieden sind. Sie lassen sich von einer Münchner Anwaltskanzlei vertreten, die einen "modifizierten Täter-Opfer-Ausgleich" unter Einschaltung eines Mediators anstrebt. Zu dieser Möglichkeit bekennt sich auch das Kloster in seinem Opferhilfskonzept.
Ebenfalls am Freitag führte der Vereinsvorstand der "Ettaler Missbrauchsopfer" in Berlin Gespräche mit der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Christine Bergmann. Der Münchner Rechtsanwalt Stephan Lang, selbst Absolvent des Ettaler Gymnasiums, strebt eine Musterlösung für vergleichbare Missbrauchsfälle in Deutschland an.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
09.07.2010
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