
Ausdruck der Paulus-Verehrung auf Malta: Eine etwa 1.000 Kilogramm schwere Statue wird in einer Prozession durch die Straßen getragen.
Feiern zum Fest Peter und Paul am 29. Juni
Mit Pauken und Trompeten
Malta. In das Stimmengewirr der vielen hundert Menschen mischt sich das Gackern von Hühnern. Die Regalreihen in der überdachten, aber offenen Ausstellungshalle biegen sich unter Körben voller Melonen, Paprika, Zitronen, Tomaten, Gurken und Blumenkohl. Während einige Besucher vor den gefüllten Körben stehen und einen fachmännischen Blick auf das ausgestellte Obst und Gemüse werfen, zieht es die Kinder zu den Käfigen, in denen Hühner und Kaninchen dicht an dicht nebeneinander stehen.
Es ist Imnarja, das traditionelle maltesische Ernte- und Volksfest, das am Tag der Apostel Petrus und Paulus stattfindet. Bereits am Vorabend treffen sich Familien und Freunde in den Buskett Gardens, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet in Malta. Bis Mitternacht sitzen sie beim Picknick zusammen, essen, trinken und feiern gemeinsam. Auch die traditionelle Volksmusik Maltas, Ghana genannt, ist dann zu hören. Von der benachbarten Stadt Rabat aus startet eine Parade mit traditionellen Pferdekutschen und Wagen zu den Buskett Gardens.
Treffpunkt alter Bekannter
Das gesellige Beisammensein mit Familienmitgliedern, Freunden und Verwandten ist ein Grund, weshalb sich jedes Jahr zu Imnarja die Malteser in dem Naherholungsgebiet versammeln - auch diejenigen, die mittlerweile gar nicht mehr auf der Insel leben. Wie Carmen und Alex Cortis, die Malta vor 45 Jahren verlassen haben, aber jedes Jahr zu Imnarja in ihre Heimat zurückkehren. "Wir sind auf Malta aufgewachsen und treffen hier viele Leute", erklärt das Rentnerehepaar. "Es kommen viele Menschen aus der ganzen Welt."
Der eigentliche Festtag steht dann im Zeichen einer Landwirtschaftsausstellung. Obst, Gemüse und Kleintiere werden prämiert und einem interessierten Publikum präsentiert. Neben einem Pferde- und Eselrennen gibt es einen Wettbewerb im Ziegen- und Schafsmelken. Vor allem wegen der Tiere ist Claudette Zuttana mit ihrem Mann und Kind in die Buskett Gardens gekommen. "Es eine schöne Atmosphäre", sagt die Mutter und wird von ihrer Tochter zum nächsten Käfig gezogen. "Für die Kinder ist es etwas ganz anderes, die Tiere live zu sehen anstatt im Fernsehen."
Gottesdienst und Geselligkeit
Ein sowohl kirchliches als auch gesellschaftliches Ereignis sind auch die so genannten Festas, einwöchige Patronatsfeste zu Ehren eines Stadt- oder Dorfheiligen. In Rabat, dem Zentrum der Paulusverehrung auf Malta, haben die Dorfbewohner seit Wochen alles für die Feiern zu Ehren des heiligen Paulus vorbereitet: Der Ort und die Kirche sind festlich geschmückt. Bunte Bögen, Blumengirlanden und Lichterketten spannen sich über die Straßen. Die örtliche Blaskapelle begleitet den Festzug der Gläubigen zur Kirche, wo ein Gottesdienst gefeiert wird.
Die Leidenschaft für die Festas sei tief in den Herzen der Malteser verankert, sagt Mariella Buhagiar Bose, Touristenführerin auf Malta. "Sie feiern die Heiligenfeste mit viel Begeisterung." Viele verbinden mit den Festas Kindheitserinnerungen, auch sie selbst. "Früher gab es zur Festa neue Schuhe, ein neues Kleid oder einen neuen Anzug." Auch heute noch würden sich die Menschen für die Patronatswoche besonders herausputzen.
Leidenschaftlich glauben und feiern
Am Abend gehen die Feierlichkeiten zu Ehren des Paulus weiter, diesmal in der Hauptstadt Valletta, wo eine Kirche an den Schiffbruch des Heiligen erinnert. Kurz vor Mitternacht wird eine prunkvoll gestaltete, lebensgroße Holzfigur auf einem Sockel durch die Straßen getragen. Mehrere Männer schultern die 1.000 Kilogramm schwere Statue auf Holzstangen und bringen sie, begleitet von einer Prozession, in die Kirche.
Nur wenige Meter schaffen sie den Weg mit der Statue, bevor sie abgelöst werden müssen. Sie tragen einfache weiße Kutten, Büßergewändern gleich, die einfach gegürtet sind. Viele haben blutige Blasen und geschwollene Schwielen auf Nacken und Schultern. Trotz dieser Qualen ist das Tragen der Statue eine begehrte und ehrenvolle Aufgabe. Denn für die Gläubigen ist die Statue mehr als ein Bildnis aus Holz: "Für die Menschen ist es ein bedeutendes Symbol", sagt Mariella Buhagiar Bose. Darin verbinden sich Tradition und Glaube. "Die Statue ist etwas, das lebt."
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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