
Viele Paare verbinden mit dem Erleben der kirchlichen Trauung religiöse Bedürfnisse, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.
Studie:
Kirchliche Trauung - doch mehr Glaube als Show
Göttingen. Brautpaaren geht es beim Gang vor den Traualtar eher um religiöse Gefühle als um "Show". Zu diesem Ergebnis kommt der evangelische Göttinger Theologe Konrad Merzyn in seiner Dissertation über Motivation und Funktion des Rituals Trauung, wie die Universität am Montag (21.06.2010) in Göttingen mitteilte.
"Die Beobachtung, dass die interviewten Paare auffallend häufig mit dem Erleben der kirchlichen Trauung religiöse Bedürfnisse verbinden, widerspricht der unter Pfarrern verbreiteten Ablehnung der kirchlichen Trauung als Show, bei der sie sich selbst zu Statisten verurteilt fühlen", sagte Merzyn, der als Assistent am Lehrstuhl für Praktische Theologie der Uni Göttingen arbeitet.
"Brautübergabe" als Loslösung von den eigenen Eltern
Als Beispiel führte der frühere Gemeindepfarrer an, dass immer mehr Brautpaare für den Einzug in die Kirche wieder die Variante der "Brautübergabe" wählten. Dabei schreitet die Braut am Arm ihres Vaters zum Altar, wo der Bräutigam sie in Empfang nimmt. Viele Pfarrer mutmaßten, dass es dem Brautpaar dabei vor allem auf den großen Auftritt ankomme, berichtet der Theologe. Doch Eheleute interpretierten die "Übergabe" der Braut häufig als Loslösung von den eigenen Eltern.
Die Vorbehalte vieler Pastoren gegenüber Trauungen begründete Merzyn mit hohem Zeitdruck, unter dem die Pfarrer ständen. Bei maximal 60 Minuten Vorgespräch pro Trauung sei eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit den Wünschen und Gefühlen des Brautpaares daher oft nur eingeschränkt möglich.
Für die Untersuchung befragte Merzyn Paare aller Alters-, Einkommens- und Berufsgruppen in städtischen und ländlichen Gebieten um Hannover. Seine Dissertation erscheint im November bei der Evangelischen Verlagsanstalt in Leipzig.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Norbert Ortmanns
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