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31.05.2016
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Das Turiner Grabtuch.

Das Turiner Grabtuch.

Das Turiner Grabtuch zwischen Glaube und Wissenschaft

"Rührendes Zeichen der Schmerzen Jesu"

Turin. Turin wirkt nicht wie eine Stadt, in der sich eines der größten Rätsel der Menschheit befindet. Wie auf einem Schachbrett teilen die Verkehrsadern die Quartiere in Quadrate. Vor dieser Reißbrettkulisse erscheint jenes mysteriöse Stück Stoff, das im Dom aufbewahrt wird, wie ein Fremdkörper: das Grabtuch von Turin. Von vielen Katholiken als Reliquie Jesu verehrt, zeigt das 437 Zentimeter lange und 111 Zentimeter breite Leinen Antlitz und Körperumrisse eines gefolterten und gekreuzigten Mannes.

Das Grabtuch, das zuletzt 1998 und 2000 zu sehen war, zieht die Menschen in seinen Bann wie kaum eine andere Reliquie. Zur öffentlichen Ausstellung von Samstag (10.04.2010) bis zum Pfingstsonntag (23.05.2010) haben sich schon mehr als 1,4 Millionen Besucher aus aller Welt angemeldet, davon 11.000 aus Deutschland. Erwartet werden bis zu zwei Millionen. Der berühmteste Pilger ist Papst Benedikt XVI., der am 02.05.2010 vor dem Grabtuch beten und meditieren will.

Hat sich auf diesem Stoff tatsächlich ein Porträt Jesu erhalten? Ist das Leinen ein Beweis für die historische Richtigkeit der biblischen Passionsgeschichte? Wie ist der Abdruck auf das Gewebe gelangt? Oder handelt es sich um ein Gemälde, um eine mittelalterliche Fälschung?

Fotograf entdeckte Negativ-Bild

Die Frage, was das Leinen von Golgatha mit dem Grabtuch von Turin verbindet, wurde im 20. Jahrhundert leidenschaftlich debattiert. Chemische Analysen, biologische Fakten, fromme Überzeugungen, weltanschauliche Vorurteile und spektakuläre Vermutungen prallten aufeinander. Die Ursprünge des Tuchs liegen im Dunkeln. Nach Ansicht einiger Fachleute soll es identisch mit dem Abgar-Tuch sein, das in Spätantike und Mittelalter im südanatolischen Edessa verehrt wurde, das später nach Konstantinopel gelangte, während des Lateinischen Kreuzzug 1204 verschwand, dann in Frankreich auftauchte und seit 1578 dauerhaft in Turin aufbewahrt wird.

Am Anfang der wissenschaftlichen Erforschung des Grabtuchs stand ein Foto. In der Dunkelkammer sah der italienische Rechtsanwalt und Hobbyfotograf Secondo Pia 1898 das Negativ-Bild mit den deutlichen Gesichtszüge eines Mannes im mittleren Alter. Der Körper wies zahlreiche Folterspuren auf, die zur von den Evangelien beschriebenen Geißelung, zur Dornenkrone und dem Lanzenstich passen. Die Wissenschaft blieb jedoch zunächst skeptisch.

Alter des Tuches noch immer unklar

Dann unterzog auch die Naturwissenschaft das Leinen vielen Tests. Spuren von Pollen und Sporen verwiesen auf Pflanzen des östlichen Mittelmeerraums, das Material und seine Fertigung passten zu Techniken der Zeitenwende, hieß es. Mit Röntgentechnik und radiometrischen Messungen ging man weiter daran, das Geheimnis des Grabtuches zu entschlüsseln.

Einen schweren Schlag für all jene, die von der Echtheit des Tuches überzeugt waren, stellte 1988 das Ergebnis eines Radiokarbontests dar. Wissenschaftler von drei Universitäten kamen unabhängig voneinander zum Ergebnis, dass es aus der Zeit zwischen 1260 und 1390 stamme. Aber auch dieser Befund wurde bald infrage gestellt. Das Ergebnis sei durch spätere Verunreinigungen, durch Löschwasser eines Brandes von 1532 und durch aufgesetzte Stoffflicken verfälscht worden. Das letzte Wort über das Alter des Grabtuches ist daher nach Ansicht vieler Fachleute noch nicht gesprochen.

Keine offizielle Stellungnahme der Kirche

Eine offizielle Stellungnahme der katholischen Kirche zur Echtheit des Grabtuches gibt es bislang nicht. Papst Johannes Paul II. betonte bei seinem Turin-Besuch 1998, dass die Wissenschaft über die Echtheit des Tuches entscheiden müsse. Die Kirche besitze hierfür keine "besondere Kompetenz", da es sich nicht um eine Frage des Glaubens handele. Der Papst rief die Forscher jedoch auf, das Tuch ohne Vorurteile zu untersuchen und die Gefühle der Gläubigen zu respektieren.

Zuletzt geschah dies 2002. Konservierungsarbeiten sollten sicherstellen, dass das Leinen als Gegenstand frommer Verehrung und gelehrter Forschung noch lange erhalten bleibt. Denn, so betonte der frühere Kardinal Saldarini, das Tuch sei in jedem Fall ein "rührendes Zeichen" der Schmerzen Jesu am Kreuz – ob es nun echt sei oder nicht.

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