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24.05.2012
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Blick vom Ölberg auf Jerusalem.

Blick vom Ölberg auf Jerusalem.

Israel: Die Passions- und Ostergeschichte vor Augen (1)

"Jetzt hat die Finsternis die Macht"

Israel ist ein faszinierendes, aber auch spannungsreiches Land, sagt Franzis Rewer. Die 20-Jährige war mit einer Gruppe der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Münster im heiligen Land und hat jene biblischen Orte erlebt, an denen ihr die Passions- und Ostergeschichte besonders nahe kam. In kirchensite.de schreibt sie über ihre Eindrücke und Gefühle:

Es ist ein wunderschöner Morgen als wir die Stadtmauer, die uns aus Jerusalem hinausführt passieren und mit unserer Gruppe in Richtung Ölberg laufen. Es wird sofort etwas übersichtlicher. Das Treiben in der Altstadt mit ihren vielen Verkaufsständen und engen Gassen endet hier. Jesus hat die Stadt zum Schlafen immer verlassen außer in der Nacht seines Todes.

Wir gehen den Ölberg hinauf, was aufgrund des warmen Wetters mit einigen Anstrengungen verbunden ist. Unser erster Halt ist die Kirche "Dominus Flevit" ("Der Herr weinte"). An dieser Stelle soll der Überlieferung nach Jesus im Wissen über die kommende Zerstörung des Tempels über Jerusalem getrauert haben.

Im Schatten der Kirche, deren Dach die Form einer Träne hat, lesen wir die ganze Leidensgeschichte aus dem Lukasevangelium. Es wird still. Hier haben wir genau wie im Garten Getsemani, welcher unsere nächste Station ist, den Blick auf Jerusalem mit seiner Stadtmauer, seinen Häusern und Gassen. Diesen Blick muss auch Jesus in der Nacht seines Todes gehabt haben. Fernab vom Lärm der Straßen und Gassen betet er in der Nacht in diesem Garten.

Hinter den Mauern verrät ihn Judas und macht sich mit den Hohenpriestern auf den Weg, um den Messias durch einen Kuss zu verraten. Jesus betet in seiner Angst vor dem Kommenden "und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte."(Lk 22,44). Die Jünger schlafen ein und Jesus ist alleine. Die Ölbäume im Garten Getsemani sind so alt, dass sie vermutlich schon in der Nacht vor Jesu Tod gestanden haben. Die Leidensgeschichte habe ich schon häufig gehört, aber an dieser Stelle geht sie noch mehr unter die Haut.

Franzis Rewer (r.) erfuhr die heiligen Orte in Israel als spannungsreich und faszinierend.

Während er mit seinen Jüngern spricht und sie auffordert zu beten, damit sie nicht in Versuchung geraten, hat die Schar von Männern, die Jesus festnehmen, ihr Ziel erreicht. Die Jünger merken was ihm droht und fragen: "Herr sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?" (Lk 22,49) Und nachdem ein Jünger einem der Diener das Ohr abgeschlagen hat, heilt Jesus ihn wieder und weist seine Jünger zurecht keine Gewalt anzuwenden.

Ich frage mich, was die Jünger in dieser Stunde gedacht haben. Es war noch nicht einmal eine Woche her, dass Jesus in Jerusalem einzog und die Menschen ihn mit lautem Jubel begrüßten. Die Palmprozession, an der unsere Gruppe teilgenommen hat, geht genau am Garten Getsemani vorbei. Die Menschen halten Palmzweige in den Händen und ziehen mit lautem Gesang in die Stadt Jerusalem ein. Jetzt ein völlig anderes Bild: Die Szene am Ölberg endet im Lukasevangelium mit den Worten Jesu an seine Verfolger: "Das ist eure Stunde, jetzt hat die Finsternis die Macht."(Lk 22,53).

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Text: Franzis Rewer | Fotos: Franzis Rewer
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