
Signet der Deutschen Bischofskonferenz.
Missbrauch, demographische Entwicklung und Afghanistan
Deutsche Bischofskonferenz tagt erstmals in Freiburg
Freiburg. An brisanten und aktuellen Themen fehlt es den deutschen katholischen Bischöfen nicht, wenn sie von Montag (22.02.2010) bis Donnerstag zu ihrer traditionellen Frühjahrsvollversammlung zusammen kommen. Sie beraten über Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen an katholischen Schulen und wollen sich zum deutschen Afghanistan-Einsatz positionieren. Und es geht um Antworten darauf, wie Kirche und katholische Sozialeinrichtungen auf die drängenden Fragen einer immer älter werdenden Gesellschaft reagieren können.
Erstmals in der Geschichte der Konferenz ist Freiburg Tagungsort der katholischen Kirchenführer. Die Frühjahrsvollversammlung wird damit zum Heimspiel für den Konferenzvorsitzenden und Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. Erwartet werden 65 der insgesamt 67 deutschen Bischöfe, wobei zwei der bekanntesten katholischen Gesichter absagen mussten: Der Kölner Kardinal Joachim Meisner (76) erholt sich von einer Knieoperation; und der Mainzer Kardinal und langjährige Bischofskonferenzvorsitzende Karl Lehmann (73) hält sich nach einer Augen-OP in Kur auf.
Umgang mit Missbrauchsfällen
Beim brisanten Missbrauchsthema wollen die Bischöfe der 27 deutschen Diözesen entscheiden, was zur weiteren Aufarbeitung der Vergehen getan werden muss und welche Konsequenzen sie für die Zukunft ziehen. Dabei könnte es beispielsweise um strengere Auflagen für die Priesterausbildung und um eine Überprüfung der bestehenden Richtlinien im Umgang mit Missbrauchsfällen gehen. Gleichzeitig wollen die Bischöfe deutlich machen, dass es keinen Generalverdacht gegen Priester oder katholische Schulen geben darf.
Den feierlichen Auftakt der Frühjahrsvollversammlung macht der Eröffnungsgottesdienst am Montagabend im Freiburger Münster, das dank einer neuen computergesteuerten Beleuchtungsanlage besonders festlich erleuchtet sein wird. Am Dienstag befassen sich die Bischöfe dann unter anderem mit dem deutschen Afghanistan-Einsatz. Im Hinterkopf werden sie dabei sicherlich die Debatten der vergangenen Wochen um die Afghanistan-Kritik der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischöfin Margot Käßmann, haben.
Tagesordnungspunkt "Missionarische Kirche"
Weitere "außenpolitische" Themen der Vollversammlung sind Haiti und die Kontakte zur EU: So werden haitianische Caritasverantwortliche über die Lage in dem durch das Erdbeben zerstörten Karibikstaat informieren. Beraten wollen die Bischöfe auch, wie sie nach Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages die kirchlichen Kontakte zur Europäischen Union gestalten können.
Kirchliches Kerngeschäft bietet der Tagesordnungspunkt "Missionarische Kirche", bei dem die Oberhirten diskutieren wollen, wie sie stärker auf Nichtgetaufte und aus der Kirche Ausgetretene zugehen können. Eine Bestandsaufnahme soll es fünf Jahre nach dem Kölner Weltjugendtag auch dazu geben, wie mehr junge Menschen als Priester und Ordensleute gewonnen werden können.
Alternde Gesellschaft als Herausforderung der Kirche
Zentrales Tagungsthema am Mittwoch werden Fragen zur "alternden Gesellschaft als Herausforderung der Kirche" sein: Wie also mit immer mehr Alten umgehen und wie ihnen seelsorgliche Angebote machen? Experten wie der Heidelberger Gerontologe Andreas Kruse oder der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, wollen aus der Praxis von Forschung und Pflege berichten.
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Text: Volker Hasenauer,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
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