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11.02.2012
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Beauftragte der Jesuiten legt Zwischenbericht vor

Zahl bekannt gewordener Missbrauchsfälle steigt auf 115

Berlin. Im Missbrauchsskandal an Jesuitengymnasien haben sich bislang bundesweit rund 115 zumeist männliche Opfer gemeldet. Sie hätten ein Dutzend Täter namentlich genannt, sagte die Missbrauchs-Beauftragte der Jesuiten, Ursula Raue, am Donnerstag (18.02.2010) in Berlin. Die Rechtsanwältin rief den Orden zu einer zügigen Aufklärung auf und bescheinigte ihm eine ehrliche Bereitschaft dazu.

In ihrem Zwischenbericht erklärte Raue, bis zu 50 Fälle beträfen das Berliner Canisius-Kolleg, die übrigen Fälle die früher von Jesuiten getragene Sankt Ansgar-Schule in Hamburg, das Jesuitenkolleg Sankt Blasien im Schwarzwald und das Bonner Aloysiuskolleg. Neun Fälle beziehen sich auf Schulen und kirchliche Bildungseinrichtungen, die sich nicht in Trägerschaft der Jesuiten befanden, darunter eine evangelische. Unter den Tätern seien auch zwei Frauen genannt worden.

"Teilweise schwer seelisch verletzt"

Raue betonte, bei den Übergriffen in den 70er und 80er Jahren habe es sich überwiegend um Fälle gehandelt, bei denen die körperlichen Verletzungen weniger gravierend gewesen seien. Ihr sei bisher keine Vergewaltigung durch einen Jesuiten bekannt. Zumeist hätten die Täter an den Genitalien der Opfer manipuliert oder seien auf zudringliche Weise zärtlich geworden. Auch geringfügige Taten hätten die Opfer teilweise jedoch schwer und lang andauernd seelisch verletzt. "Es sind Wunden, die nicht heilen", sagte die Berliner Rechtsanwältin. Bei den wenigen Fällen von schwerer Gewalt seien die örtlichen Staatsanwaltschaften eingeschaltet.

Raue erklärte, es sei heute nicht mehr klar feststellbar, wie viel die Schulleitungen und andere Lehrkräfte von den Übergriffen bemerkt hätten. Allerdings sei bei den hauptbeschuldigten früheren Jesuitenpatres Peter R. (69) und Wolfgang S. (65) vieles bereits zur Zeit ihrer offenbar systematischen Taten bekannt geworden. Dies habe zu Versetzungen und im Falle von Wolfgang S. auch zur Vermittlung einer Therapie geführt. Die Täter seien aber weder dauerhaft aus der Arbeit mit Jugendlichen entfernt worden, noch sei in den Personalakten das Schicksal der Opfer zur Sprache gekommen.

"Befremden" über Verhalten der Institutionen

Die Rechtsanwältin äußerte sich "befremdet" darüber, dass die zuständigen Stellen in Rom aus Selbstbezichtigungen von Wolfgang S. keine angemessenen Konsequenzen gezogen hätten. Das Verhalten der kirchlichen Institutionen und der unmittelbar Verantwortlichen müsse aber noch gründlich analysiert werden, weil vieles in den Personalakten der Täter angedeutet, aber nicht ausgeführt worden sei.

Die Missbrauchs-Beauftragte rief die Jesuiten auf, einen Arbeitsstab zur Aufarbeitung der Vorgänge an den einzelnen Schulen und Internaten einzurichten. Auch müssten Modelle entwickelt und institutionalisiert werden, durch die Missbrauch verhindert werden könne. Raue nannte unter anderem Ansprechpartner für Schüler sowie eine Fortbildung der Lehrer, um Missbrauchssignale zu erkennen.

Raue äußerte sich positiv zur Zusammenarbeit mit den Jesuiten. Sie habe den festen Eindruck, dass die Ordensverantwortlichen in Deutschland eine Lösung für die Opfer finden wollten. Die Rechtsanwältin betonte, 80 Prozent der Opfer, die sich bei ihr gemeldet hätten, gehe es nicht um eine finanzielle Entschädigung, sondern um die Aufdeckung der Übergriffe. Bei den wenigen "schlimmen Fällen" könne eventuell aber mit Geld geholfen werden.

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