
Der Stern von Betlehem hat viele Kunstwerke, Lieder und Erzählungen inspiriert und ist auch an zahlreichen Krippendarstellungen zu finden.
Christi Geburt in einem anderen Licht gezeigt
Zum Stern von Betlehem gibt es viele Theorien
Bonn. Er gehört zu Weihnachten wie die Krippe und die Hirten auf dem Feld: Der Stern von Betlehem, von dem allein das Matthäus-Evangelium berichtet, hat unzählige Kunstwerke, Lieder und Erzählungen weltweit inspiriert. Auch die Wissenschaft hat sich viel mit ihm beschäftigt: Im gerade zu Ende gehenden "Jahr der Astronomie" fragen Zeitschriften, Sternwarten und astronomische Vorträge, ob es sich dabei nur um eine fromme Legende oder ein wirkliches astronomisches Ereignis handelte, das auch Aufschluss über die ungefähre Jahreszahl der Geburt Jesu geben kann.
Der Theorien sind viele: Meist wird der Stern, der den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe gewiesen haben soll, als schöner Komet mit glänzendem Schweif dargestellt. Dazu passt, dass viele frühe Astronomen im Weihnachtsstern den Kometen Halley vermuteten, darunter auch der Entdecker dieses Sterns selbst, Edmond Halley. Doch diese Theorie gilt inzwischen als widerlegt: Denn der Halleysche Komet wird zwar etwa alle 76 Jahre sichtbar. Doch zum vermuteten Zeitpunkt der Geburt Jesu passt dieser Rythmus nicht, denn vor 2.000 Jahren erschien Halley zwischen August und Oktober im Jahr 12 vor Christus.
Der Bonner Astronom Michael Geffert hat noch einen anderen Einwand: "Die Kometentheorie ist deswegen nicht so schön, weil man sich doch vorstellt, dass die Weisen längere Zeit für ihre Reise brauchten und die auch vorbereiten mussten. Und so lange ist eben eine spektakuläre Kometenerscheinung nicht zu sehen."
Spektakuläre Planetenkonstellation
Das spricht für eine andere Lösung, und der erste, der sie vorgeschlagen hat, war der Astronom Johannes Kepler (1571 bis 1630). Unterstützt wird diese Theorie auch durch einige kleine Tontafeln, die heute im britischen Museum in London aufbewahrt werden - 2.000 Jahre alte Aufzeichnungen babylonischer Astronomen. Kepler jedenfalls vermutete eine spektakuläre Planetenkonstellation am Himmel als Ursprung für die biblische Erzählung: die aus der Perspektive der Erde beinahe vollzogene Begegnung der beiden Planeten Jupiter und Saturn am Himmel - so nahe, dass die beiden hellen Sterne fast zu einem Lichtpunkt verschmolzen.
Diese so genannten Konjunktionen sind äußerst selten; aber sie wurden tatsächlich von babylonischen Astronomen vorausberechnet und beobachtet. Ganz besonders selten sind Konjunktionen, die dreimal kurz hintereinander stattfinden - die letzte Dreierbegegnung fand 1980/1981 statt; die nächste wird sich 2238 am Himmel wiederholen.
Ereignis im Jahr 7 vor Christus
Kepler berechnete das Jahr 7 vor Christus für das spektakuläre Ereignis. Und genau so ist es, zusammen mit vielen anderen Details, auf den Tontafeln des Britischen Museums vermerkt, in Keilschrift fein säuberlich aufgelistet: drei Konjunktionen am 15. März, 20. Juli und 12. November im Jahre 7 vor Christus, und zwar jeweils im Sternbild Fische. Dazu gibt es auch eine plausible mythologische Erklärung: Denn Saturn war das Symbol für Israel, und mit dem Jupiter war symbolisiert, dass ein neuer König geboren wurde. Und eben dieser Saturn stand auch noch im Sternbild Fische, dem symbolischen Ort des Landes Israel. Für die babylonischen Astronomen war also klar: In Israel ist ein neuer König geboren.
Allerdings - so Astronom Geffert - kann es natürlich auch sein, dass der Evangelist Matthäus ganz bewusst die Himmelserscheinungen mit der Geburt Jesu vermischt hat, als er viele Jahre später sein Evangelium schrieb: Ohne genau darauf zu achten, ob beide Ereignisse wirklich zur gleichen Zeit stattgefunden haben, könnte Matthäus die astronomischen Vorkommnisse möglicherweise als Stilmittel genommen haben, "um die Geburt Christi in einem besonderen Licht" zu zeigen. "Die Geschichte ist einfach wunderschön. Aber ob sich das historisch wirklich so abgespielt hat?", fragt Geffert. "Ich glaube, das spielt für richtig gläubige Menschen nicht unbedingt eine Rolle."
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Text: Christoph Arens,
KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH | Foto: Michael Bönte
23.12.2009
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